Wildarten bei Rhododendren ---> Rhododendron spp.

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch ausserhalb Europa, z.B. Afrika, Asien gesehen, und möchtet ihn bestimmen, dann könnt ihr hier fragen.

Moderatoren: LCV, stefan, tormi

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Die Bestimmung von Rhododendren und "Azaleen" ist angesichts der abertausend Hybriden außerordentlich schwierig, wenn gute Detailaufnahmen von Blättern und Pflanzenhabitus fehlen. Erschwerend kommt oft hinzu, dass je nach Kamera oder Fotograf die Blütenfarben der Ablichtung eben doch nicht der Realität entsprechen.

So bin ich mir bei Bild 3 absolut nicht sicher, ob es sich um die wunderschöne Hybride "Persil" handelt, da der Orange-Anteil im Blütenschlund zu ausgeprägt ist. Er sollte mehr zum reinen Gelb tendieren.

Aufnahme 1 ist kaum bestimmbar. Gelb-Orange-Töne sind bei "Azaleen" sehr verbreitet. Es könnte eine sog. Mollis-Hybride sein (= Abkömmlinge von Rhododendron japonicum und Rhododendron molle).

Aber ich muss gestehen, dass ich mich mit "Azaleen"-Hybriden wenig beschäftigt habe und deshalb kaum zur Klärung beitragen kann.

Was Aufnahme 2 betrifft, so trifft auch hier das zuvor Gesagte zu. Blätter und Habitus sind entscheidender als die Blütenfarbe, denn es gibt sehr viele in blau-violetter Farbe blühende Klein-Rhododendren. Wer ihre Elternteile sind, ist oftmals nicht bekannt. Es könnten neben Rhododendron russatum auch Rh. hippophaeoides, Rh. polycladum (besser bekannt unter dem inzwischen verworfenen Namen Rh. scintillans), Rh. impeditum oder Rh. fastigiatum sein.

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Rhododendron calostrotum

Verweilen wir noch ein wenig bei den klein bleibenden Rhododendren, die so viel leichter in unsere meist ebenfalls kleinen Gärten zu integrieren sind.

Eine sehr dankbare und leicht zu haltende, vor allem sehr frostresistente Wildart ist Rhododendron calostrotum. Die Art hat ein weites Verbreitungsgebiet (Burma, Yunnan, Süd-Ost Tibet) und ist auch recht variabel. Es kommt, wie bei vielen Wildpflanzen, auch hier wieder darauf an, einen Klon zu haben, der sich hinsichtlich Blütenfarbe und Erscheinungsform auszeichnet. Denn nicht alle Verwandten dieser Art sind eine augenfällige Gartenzierde und selbst beinharte Sammler wollen hin und wieder doch ein Lob von Gartenbesuchern erhalten. Andernfalls wäre das Vergnügen zu weltvergessen.

Die Blütenfarbe der calostrotum-Sippe ist ein mehr oder minder attraktives Violett. Ein Pflanzenfreund bezeichnete sie mal als „Witwenlila“. Die Arten mit der weniger schönen Färbung können aber ihren Mangel durch eine interessante Wuchsform wettmachen. So sind sie letztlich alle gartenwürdig.

Eines der definitiv schönsten Familienmitglieder ist zweifellos der FCC-Klon „Gigha“ (benannt nach einer schottischen Insel), da seine Blüten einen frischen Hauch von Pink enthalten und die Belaubung silbrig-blaugrau aus der Umgebung hervorleuchtet. Sehr langsam wachsend erreicht das Sträuchlein nach vielen Jahren eine Höhe von vielleicht 60 cm.
Dateianhänge
Rhododendron calostrotum Gigha.jpg
Rhododendron calostrotum Gigha.jpg (102.53 KiB) 8359 mal betrachtet

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Die Schönheit von Blüte und Laub noch einmal aus der Nähe.
Dateianhänge
Rhododendron calostrotum Gigha 2.jpg
Rhododendron calostrotum Gigha 2.jpg (97.56 KiB) 8358 mal betrachtet

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Ein weiterer, sehr ansehnlicher Vertreter dieses „Clans“ ist Rhododendron calostrotum ssp. riparioides „Rock’s Form“. Dem amerikanische Pflanzenjäger Joseph Rock, ein gebürtiger Österreicher, verdanken nicht nur die Rhododendron-Liebhaber etliche besonders schöne Pflanzenarten aus dem asiatischen Raum. Offensichtlich hatte er schon an den Wildstandorten einen Blick für herausragenden Eigenschaften.

So ist der nach ihm benannte Klon (ich bin mir nicht sicher, ob dieser auch sein eigener Jagderfolg war) ein selten schönes Exemplar, das überreich blüht, oftmals in Herbst mit einer Nachblüte, und mit einem schönen, blau-grauen Neuaustrieb seiner Belaubung prangt. Über den sehr zierenden Neuaustrieb bei einigen Rhododendronarten, von vielen als „Zweite Blüte“ gelobt, wird noch zu berichten sein.

Der Strauch wird ausladend, bei mir inzwischen mehr als 1 m, und kniehoch. Man muss ihn vor Schneebruch schützen.
Dateianhänge
Rhododendron calostrotum ssp riparioides Rocks Form.jpg
Rhododendron calostrotum ssp riparioides Rocks Form.jpg (140.48 KiB) 8357 mal betrachtet

apolafsi
Beiträge: 70
Registriert: 26 Mär 2007, 08:23
Wohnort: berlin

Rhododendren

Beitrag von apolafsi »

Vielen Dank für die Aufklärung und für die neuen Schönheiten...muß gestehen,dass ich ziemlich am Anfang stehe und noch viel lernen sollte...es lohnt sich.
l.g.Ines
liebe das leben und es liebt dich

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Eine weitere Unterspezies, hervorragend für Steingärten geeignet und so auch bei mir wachsend, ist Rhododendron calostrotum ssp. keleticum Radicans, die , wie der Klonname Radicans = wurzelnd, kriechend bereits verrät, ganz flach wächst und auf diese Weise im Laufe der Jahre die Felsen überspinnt. Diese Art ist ein ausgesprochen hübsches Sträuchlein, nur etwas blühfaul. Aber da sich die Blüten nicht gerade durch besondere Schönheit auszeichnen, stimmt einen das nicht traurig. Was überzeugt, ist der Gesamthabitus.

Die Kultur ist nicht immer ganz einfach. Einerseits verlangt die Art einen offenen, vollsonnigen Standort, mag aber auch keine Trockenheit. Vor allem muss sorgsam darauf geachtet werden, dass er nicht unter Falllaub zu faulen beginnt. Deshalb sollte alles Organische um ihn herum entfernt werden.
Dateianhänge
Rhododendron calostrotum ssp keleticum Radicans.jpg
Rhododendron calostrotum ssp keleticum Radicans.jpg (179.79 KiB) 8311 mal betrachtet

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Ein Bild der Blüte
Dateianhänge
Rhododendron calostrotum ssp keleticum Radicans Bluete.jpg
Rhododendron calostrotum ssp keleticum Radicans Bluete.jpg (97.62 KiB) 8310 mal betrachtet

biloba
Beiträge: 1786
Registriert: 07 Nov 2005, 10:38
Wohnort: Gera

Beitrag von biloba »

Schaut euch mal an, welches Rhododendron-Foto hier gezeigt worden ist!

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Rhododendron saluenense

Ein weiteres Familienmitglied, das hierher gehört ist Rhododendron saluenense, benannt nach dem Salween-Fluss, der in Tibet entspringt und China (Yunnan) sowie Thailand durchfließt.

Im Aussehen gleichen sich alle aus dieser Sippe mehr oder minder stark, haben aber dennoch bei zusagendem Standort ihre Individualität. Mein Klon z.B. verabschiedet sich im Herbst mit einer wunderschönen Laubfärbung, die erst im Frühjahr zum üblichen Grün zurück findet. Mit dem Blühen lässt er sich meistens Zeit und beginnt erfreulicherweise erst, wenn seine Verwandten bereits aufgehört haben. Er steht bei mir etwas zu schattig und sollte eigentlich mehr zum Licht hin verpflanzt werden. Aber da er gut wächst, regelmäßig blüht und eine gesunde Farbe aufweist halte ich es mit dem Spruch „Never change a winning horse!“
Dateianhänge
Rhododendron saluenense.jpg
Rhododendron saluenense.jpg (132.27 KiB) 8304 mal betrachtet

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Rhododendron impeditum

Etwas größer wird’s später wieder. Die „Kleinen“ sind meist einfacher im Garten zu halten und auch weniger anspruchsvoll. Sie verlangen dafür aber die Verbeugung des Gärtners, so dieser die Details erkennen will.

Einer der bekanntesten Rhododendren überhaupt dürfte Rhododendron impeditum sein. Kein Gartencenter oder Friedhof kommt ohne ihn aus. Er ist ja auch ein hübscher Strauch – aber nicht echt, sondern eine sehr leicht vermehrbare Hybride.

Der echte Rhododendron impeditum sieht nicht ganz so gut aus und hat vor allem kein bläulich-grünes Laub. Es ist zu vermuten, dass die im Handel befindlichen Hybriden von Rhododendron fastigiatum abstammen. Aber der Name „Impeditum“ lässt sich leichter aussprechen und damit vermarkten.

Rhododendron impeditum hat ein sehr variables Erscheinungsbild. Kleine, halbkugelige sowie bis zu 60 cm hoch wachsende Sträucher. Ich habe beide Klone, wobei der kleine derzeit mehr Freude macht. Der größere kränkelt seit Jahren und ist zu keinem gesunden Wachstum zu bewegen.

Deshalb hier nur das Bild des Zwerges:
Dateianhänge
Rhododendron impeditum Zwergform.JPG
Rhododendron impeditum Zwergform.JPG (101.61 KiB) 8301 mal betrachtet

tormi
Moderator
Beiträge: 5728
Registriert: 07 Feb 2007, 19:42
Wohnort: Hinkel, Luxemburg

Beitrag von tormi »

Hallo Hortulanus,
steht dieser R. impeditum in diesem Kies-Sand-Gemisch von dem Du geredet hattest?
LG Nalis

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Jein. Dieser Zwerg steht zusammen mit dem eingangs erwähnten Rhododendron campylogynum var. myrtilloides im Steingarten in einem sauer betonten Fels-/Steine-Gemisch. Ganz lockeres Substrat und pralle Südlage.

Zu Anfang haben sich die Pflänzchen ein wenig schwer getan, bis sie ihre Wurzeln in die Tiefe geschickt hatten. Jetzt überstehen sie auch längere Trockenperioden klaglos. Rhododendren können erstaunlich lange dürsten, ohne Schaden zu nehmen. Man sollte sie deshalb nicht zu sehr verzärteln.

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Rhododendron pemakoense

Die Taxonomie der Rhododendren ist ein Buch mit nicht nur 7 Siegeln sondern eines, um zu verzweifeln. Recht früh hat man erkannt, dass sich diese Pflanzen zum Teil sehr ähnlich sehen, weshalb man sie in „Serien“ und Subserien“ unterteilte. Das erwies sich nicht als haltbar, so dass eine neue Klassifizierung in „Sectionen“ und „Subsectionen“ erfolgte. Innerhalb dieser sind aber etliche Arten mehrfach hin und her gekegelt worden, so dass man völlig die Übersicht verloren hat.

Man könnte darüber lachen und dieses Gerangel als uninteressant beiseite schieben, wenn diese so klassifizierten Verwandtschaften nicht wertvolle Indizien hinsichtlich Wuchsverhalten, Blütenreichtum und insbesondere der Winterhärte liefern würden.

So gehört beispielsweise Rhododendron pemakoense zur Subsection Uniflora, was dem Sammler signalisiert: sehr blütenreich, aber Vorsicht bei der Winterhärte!

So ist es. Dieses Sträuchlein überdeckt sich förmlich mit unverhältnismäßig großen Blüten, so dass man meinen möchte, es blüht sich zu Tode. Ängstlich schaut man den frühlingshaften Abendhimmel an, ob auch kein Nachtfrost droht. Fürsorgliche Gärtner stülpen zum Schlafen gehen vorsichtshalber einen Pappkarton über das Pflänzchen. Denn der leiseste Frosthauch macht der Pracht ein Ende.
Dateianhänge
Rhododendron pemakoense.jpg
Rhododendron pemakoense.jpg (109.17 KiB) 8198 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Hortulanus am 13 Aug 2007, 05:39, insgesamt 1-mal geändert.

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Rhododendron imperator

Was mit diesem hochtrabenden Namen wie ein Hochstapler daherkommt ist ein ganz flach wachsender Winzling, der mit dem vorherigen Rhododendron pemakoense eng verwandt und folglich ebenfalls ein Uniflora-Sectionist ist. Leider ist der "Kaiser" nur in den mildesten Gebieten Deutschlands winterhart, so dass ich ihn lieber in einem Topf halte. Auch dieser Rhododendron ist ein regelrechtes Blühwunder.
Dateianhänge
Rhododendron imperator.JPG
Rhododendron imperator.JPG (124.77 KiB) 8196 mal betrachtet

Hortulanus
Beiträge: 159
Registriert: 06 Jul 2007, 17:45

Beitrag von Hortulanus »

Rhododendron racemosum

Die botanischen Namen der Rhododendren sind nicht immer leicht nachzuvollziehen. Bei einem „imperator“ (= Kaiser) würde vermutlich jeder einen stolzen Strauch von einigen Metern Höhe, wenn nicht sogar einen Baum erwarten. So ist auch der Name dieses Rhododendron nicht ganz glücklich gewählt. Racemosus bedeutet traubig und meint hier traubenblütig. Das aber ist Rhododendron racemosum eindeutig nicht. Aber er weist im Blühverhalten eine Besonderheit auf. Während die Rhododendren sonst nur am Ende der Zweige entweder einen Blütenstutz oder eine lockere Ansammlung von Blüten haben, erwachsen sie bei Rhododendron racemosum auch aus den oberen Blattachseln. Von daher könnte der Eindruck einer Blütentraube entstehen. Kinder müssen halt einen Namen haben.

Das natürliche Vorkommen auch dieses Rhododendron ist Süd-China.
Dateianhänge
Rhododendron racemosum.jpg
Rhododendron racemosum.jpg (135.43 KiB) 8150 mal betrachtet

Antworten