Baum aus Havanna, Kuba ---> Calophyllum brasiliense

Ihr habt einen Laubbaum/ Strauch ausserhalb Europa, z.B. Afrika, Asien gesehen, und möchtet ihn bestimmen, dann könnt ihr hier fragen.

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DerBerliner
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Baum aus Havanna, Kuba ---> Calophyllum brasiliense

Beitrag von DerBerliner »

Hallo zusammen,

ich habe mir vor zwei Jahren einen Samen aus Havanna, Kuba, mit nach Hause genommen. Nach mehreren Monaten ist daraus ein kleiner Sämling geworden, der jetzt fleißig wächst. Ich würde aber gerne wissen, was für eine Art das ist. Kann mir einer von euch weiterhelfen?

Viele Grüße!
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Mein kleiner Sämling
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Der Baum auf Kuba
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bee
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Beitrag von bee »

Hallo,
wie sah denn die Frucht aus, von der die Samen stammen?
Handelte es sich um eine essbare Frucht?

Ich tippe wegen der gegenständigen Blätter auf einen Vertreter der Myrtaceae, eventuell Syzygium malaccense. Die Blätter sind jedenfalls in etwa so geformt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserapfel
http://toptropicals.com/cgi-bin/garden_ ... alaccensis

Alternativ hätte auch der Mammei-Apfel (Mammea americana) gegenständige, rel. große Blätter, die Blattform stimmt aber nicht gut überein (ich sehe bei den eingestellten Bildern ein deutliche Blattspitze, beim großen Baum, nicht bei der Jungpflanze).
http://toptropicals.com/catalog/uid/mam ... ricana.htm
http://tropical.theferns.info/plantimag ... 2f32da.jpg
Viele Grüße von bee

menkontre
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Beitrag von menkontre »

Hallo Berliner und Bee, ich vermute, daß es ein Calophyllum ist, also ganz in der verwandtschaftlichen Nähe zu Bees zweitem Vorschlag. Ich habe damals in Habana verschiedene Arten von Calophyllum sehr häufig in den Straßen gesehen, sowohl in der Innenstadt als auch in den Vororten. Ich sehe nochmal nach, welcher da am ehesten in Frage kommt. Typisch sind für mich die ganz fein gerippte Blattnervatur und der ziemlich charakteristische Laubaustrieb.
Eigentlich bin ich ebenso wie Bee nicht sicher, ob das Habitusbild und der Sämling von demselben Baum sind, die Blattnervatur und die Spitzen sind anders. Hast du die Frucht gepflückt, oder den Samen am Boden gefunden? Meine Bestimmung bezog sich auf den Sämling.
Gruß, Anke

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bee
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Beitrag von bee »

Hallo Berliner und Anke,
ich habe mir gerade mal Calophyllum antillanum (EDIT: heißt lt. Plant List Calophyllum brasiliense ssp. antillanum) angeschaut, der hat ja Blätter exakt wie Calophyllum inophyllum (jedenfalls sehe ich da auf Anhieb keinen Unterschied),

Hilfreich wären also wirklich Informationen zur Frucht und eine gute Detailaufnahme eines Blattes des Sämlings. Calophyllum hat - wie Anke schon sagte - ganz engstehende Blattnerven ohne Nervenbahnen, die davon nochmal verzweigen und auch keine Nerven die parallel zum Blattrand verlaufen (im Gegensatz zu Myrtengewächsen).

Falls es wirklich eine Calophyllum-Art sein sollte, dann große Gratulation zur Anzucht, ist mir nie gelungen (im Gegensatz zu Myrtaceae, die keimen leicht).
@ Anke, kennst du denn C.-Sämlinge, bei denen die neuen Blätter rötlich sind?
Bei meinen Vergleichsbildern (Naturverjüngung) sind auch die kleinsten Blätter grün (hell-grün).

Ich habe Keimlingsbilder von Mammea gefunden, relativ ähnlich (neue Blätter aber auch in den gezeigten Bilden nicht rötlich).
Gegenständig sind auch noch Clusiaceae (EDIT: die Calophyllaceae sind jetzt Mitglied bei den Clusiaceae) , z.B. Gattung Garcinia (auch essbare Früchte), sehen aber auch etwas anders aus die Blätter (alle in diesem Link)
http://tropicalfruitforum.com/index.php ... pics;u=548

Von den Garcinia-Arten wäre Garcinia arista auf Kuba einheimisch, das Blatt hätte eine ausgezogene Spitze (allerdings mit Stachelspitzchen = "aristata") und Blattnerven, die parallel laufen, aber nicht so eng stehen wie bei Calophyllum. Das könnte gut zum gezeigten Baum passen.
Der Keimling kann theoretisch noch leicht anders geformte Blätter haben, ich sehe das bei meinen beiden kleinen Sapoten (Mimusops coriacea), der Mutterbaum hat eindeutig eine "eingezogene" leicht "ausgerandete" Blattspitze, die Jungpflanzen noch nicht (oben abgerundet bis leicht gespitzt).

Aber das hier beim Keimling nicht ausgebildete (?) Stachelspitzchen spricht wohl gegen diese Art.
http://fruitlovers.com/Gallery1/Garcini ... aPlant.jpg
Viele Grüße von bee

DerBerliner
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Beitrag von DerBerliner »

Hallo Bee und Anke,

ich war damals Ende Oktober auf Friedhof cementerio cristobal in Habana unterwegs und habe die Samen direkt unter diesen Bäumen gefunden. Leider konnte ich keine Frucht finden. Ich kann daher nicht zu 100% sagen, dass es beide Fotos die gleichen Arten zeigen. Ich habe damals den Samen mitgenommen und leicht in ein Torfquelltöpchen eingedrückt. Irgendwann, glaube es waren 4 Monate, ist die Schale aufgebrochen und ich habe den Kern oben aufgeleg. Ich habe auch noch ein Foto von dem Kern gefunden.

Ich habe auch ein paar Fotos von den Blättern gemacht...aber mit dem Handy ist das nicht die beste Auflösung. Ich könnte morgen mit meiner richtigen Kamera aber noch bessere Bilder machen. Ich hoffe aber, die können schon ein wenig helfen.

Aber ich merke schon, hier bin ich bei richtigen Profis gelandet :) Vielen Dank für eure Hilfe!

Viele Grüße
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Es ist der große Weiße in der Ecke
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bee
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Beitrag von bee »

Hallo,
ich halte die Art Calophyllum brasiliense (antillanum) für sehr wahrscheinlich.
Die Samen sind so etwa in der Größe und der Farbe, die Blattform und Nerven stimmen gut.
Rötlichen Blattaustrieb habe ich auch gefunden.

Meine große Frage war noch, warum man "nackte" Samen finden kann (und die keimen dann vermutlich leichter). In der Wiki-Bildersammlung wird es deutlich, zumindest in Brasilien fressen Ameisen die äußere Hülle ab, die Samen bleiben zurück.

Tolle Bildersammlung:
http://commons.wikimedia.org/wiki/Calop ... rasiliense
Viele Grüße von bee

menkontre
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Beitrag von menkontre »

Hallo zusammen, ich war damals zu demselben Schluss gekommen wie Bee und hatte solche Bäume neben den häufigeren C. inophyllum als C. antillanum bestimmt. Aber ich war mir damals nicht sicher, denn in Cuba sollen 3 Arten von Calophyllum heimisch sein: Calophyllum pinetorum, Calophyllum rivulare, Calophyllum utile (nach Flora of the West Indies). Über keinen von diesen habe ich ausreichendes Material im Netz gefunden. Da es ein gepflanzter Baum ist, muss er nicht heimisch sein. Solche weißen Samen habe ich damals auch gefunden, war mir aber mit der Zuordnung nicht sicher.
Zum Vergleich zeige ich Euch einen Baum aus einem Vorort von Habana, der der hier zu bestimmenden Jungpflanze sehr ähnlich sieht, nur daß mein Baum Blüten hat. Die letzten beiden Fotos sind von C. calaba, hier in Haiti. Die Blätter scheinen mir deutlich länglicher, aber man sieht schön den roten Laubaustrieb und die typische Blattunterseite, nur zum Vergleich.
Die Blätter des cubanischen Calophyllum, mutmaßlich C.brasiliense ssp. antillanum, waren deutlich kleiner als die von C. inophyllum, was ich damals als Hauptunterschied wahrgenommen habe.
Wenn ich Mitte Mai wieder in D bin kann ich noch mal in dem kubanischen Baumbuch mit Schlüssel nachsehen, das ich damals auf dem Flohmarkt erstanden habe.
Gruß, Anke
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DerBerliner
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Beitrag von DerBerliner »

Hallo zusammen,

ich habe die Bilder mit dem Sämling verglichen und kann nur sagen, dass passt super. Auch die Bilder der Samen stimmen überein.
Von daher nochmal vielen Dank für die Hilfe!
Jetzt kann ich die Pflege besser abstimmen und vor allem ist es nicht mehr nur der "Kuba-Baum", sondern bekommt ein richtiges Namensschild.

Außerdem hab ich einiges gelernt :)

Viele Grüße!

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