BlüRä-20150630 : x Chitalpa tashkentensis

Baumrätsel

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pgs
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Beitrag von pgs » 17 Jul 2015, 21:53

Danke Spinnich,
inzwischen habe ich von Thomas Huber, dem Leiter des BoGaKA erfahren, dass der Baum vor rund 10 Jahren von einer Gärtnerei in Karlsruhe-Rüppurr kam, die damals geschlossen wurde.
Den ehemaligen Inhaber konnte ich im Telefonbuch finden. Habe längere Zeit mit ihm darüber gesprochen. Er habe den Baum damals wahrscheinlich aus den Niederlanden bezogen. Also gibt es ihn wohl schon ziemlich lange auch im Handel.
beste Grüße von Holger/PGS

Olgi
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Re: AUFLÖSUNG

Beitrag von Olgi » 13 Sep 2016, 12:58

Diese interessante Kreuzung gelang dem Leiter des Botanischen Gartens von Tashkent, Usbekistan im Jahre 1964 (nach R/B4).



Um es vorweg zu sagen, ich möchte niemanden auf die Füße treten, aber es ist mir ein Bedürfnis, die o.g. Aussage richtig zu stellen.

Nicht der Leiter des Botanischen Gartens hat diese Kreuzung hervorgebracht, sondern sein Sohn, der ebenfalls als Botaniker zumindest bis 2011 in diesem BoGa gearbeitet hat. Zu diesem Zeitpunkt war er über 70 Jahre alt. Sein Vater hat den Botanischen Garten in Taschkent gegründet der seinerzeit ca. 80 ha groß war.
Ich weiß es deshalb so genau, weil ich Nikolai Rusanov während meines Praktikums in Taschkent persönlich kennengelernt habe.
Die Entstehungsgeschichte dieser Kreuzung hat er mir erzählt.
Die Kreuzung ist ihm im Jahr 1962 gelungen, nicht 1964. Im Jahr 1964 hat er diese erstmals schriflich beschrieben.
In der ehemaligen UdSSR war es nicht möglich einzelnen Personen Patente auf Ihre Erfindungen/Produkte etc. zu sichern. Somit war jede Erfindung Eigentum des Staates. Von seiner Erschaffung profitiert er bis heute nicht.

Nach seiner Erzählung waren Anfang der 1970'er Jahre amerikanische Biologen/Botaniker auf Exkursion in Taschkent und waren von dieser Kreuzung so begeistert, dass sie ein paar Stecklinge mitgenommen haben.

Die erste Veröffentlichung und Beschreibung der Pflanze wurde von amerikanischen Wissenschaftlern erstellt - jedoch unbekannt in welchem Jahr.

Die Kreuzung gab es bereits in den 80iger Jahren in den USA zu kaufen.



Mit freundlichen Grüßen,
Olga

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Beitrag von LCV » 13 Sep 2016, 13:52

Hallo Olga,

danke für die Anmerkung. Wir können hier natürlich nicht jede Aussage in der Literatur überprüfen, wobei es jede Menge Fehler gibt, die dann auch noch abgeschrieben und weiter verbreitet werden. Da gibt es im rein botanischen Bereich genügend Ansätze für Korrekturen. Im personellen Bereich findet man mit Sicherheit auch viele Falschaussagen, deren Überprüfung aber sehr schwierig ist. Es fällt ja nicht unbedingt auf. Aber da ja die Quelle R/B4 (Roloff/Bärtels, Flora der Gehölze, Ulmer-Verlag, 4. Ausgabe) angegeben wurde, könnte man ja einen Hinweis an den Verlag senden, damit es in der nächsten Auflage richtig gestellt wird.

Gruß Frank

pgs
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Beitrag von pgs » 13 Sep 2016, 14:22

Danke, Olga und Frank.
Wikipedia hat geschrieben:Nikolai Fjodorowitsch Rusanow, dem Sohn des Gründers des Botanischen Gartens, ist es im Jahr 1962 gelungen, Catalpa bignonioides mit Chilopsis linearis zu kreuzen
.
Immerhin steht es schon richtig in Wikipedia!!
beste Grüße von Holger/PGS

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Beitrag von stefan » 13 Sep 2016, 16:37

pgs hat geschrieben:Danke, Olga und Frank.
Wikipedia hat geschrieben:Nikolai Fjodorowitsch Rusanow, dem Sohn des Gründers des Botanischen Gartens, ist es im Jahr 1962 gelungen, Catalpa bignonioides mit Chilopsis linearis zu kreuzen
.
Immerhin steht es schon richtig in Wikipedia!!
... und jetzt auch richtig bei uns! (http://www.baumkunde.de/Chitalpa_tashkentensis/)

Gruß, Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

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Beitrag von Olgi » 13 Sep 2016, 17:04

Hallo Frank, wie schon erwähnt, ich möchte niemanden auf die Füße treten. Mir gings darum, die Information aus erster Hand weiter zu geben.

Den Wikipedia-Artikel habe ich verfasst. Ich denke, es wäre nicht gut angekommen, wenn ich bei Wiki geschrieben hätte, dass ich die Information von Rusanov selber habe.
Ich habe noch ein paar Artikel eingescannt, die Rusanov hatte und seine Beschreibung in einer kleinen Ausgabe bzw. eine Art Protokoll, in der er das Ergebnis seiner Kreuzung aufgeschrieben hat. (auf Russisch).
Glücklicherweise gibt es ein pdf, in dem Elias die Herkunft der Pflanze beschreibt. Siehe Links bei Wikipedia.

Ich kann mich noch erinnern, dass er die internationale Veröffentlichung seiner Arbeit gerne selber gemacht hätte. Ich vermute, dass es in dem damals herrschenden System nicht machbar war.

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Beitrag von pgs » 13 Sep 2016, 17:19

Klasse, Olga! Jetzt fehlt nur noch die Englische Wikipedia und Roloff-Bärtels!
beste Grüße von Holger/PGS

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Beitrag von LCV » 13 Sep 2016, 19:04

Hallo Olga,

hier fühlt sich sicher keiner auf die Füße getreten. Konstruktive Kritik und Berichtigungen sind immer willkommen. Wir wollen ja möglichst nichts Falsches verbreiten.

Gruß Frank + спасибо

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Beitrag von pgs » 14 Sep 2016, 08:12

Auch die Russische Wikipedia enthält schon den Namen des Sohnes:
aber die Jahreszahl 1964 (Jahr der Publikation).Русанов, Николай Фёдорович
Bisher findet man x Chitalpa nur in den Wikipedien auf Deutsch, English und Russisch.
beste Grüße von Holger/PGS

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Beitrag von Olgi » 14 Sep 2016, 19:59

Das Thema mit dem Entstehungsjahr hat mich irgendwie nicht losgelassen. So habe mich auf eine Internet-Reise begeben und war total überrascht, dass ich Nikolai Rusanov auf Facebook gefunden habe. Hab ihn gleich angeschrieben und hoffe, dass er auch mal online ist.
Wer wenn nicht er kann das genau sagen.

Es gibt wenige Informationen über ihn, aber anscheinend hatte er gesundheitliche Probleme und wurde 2014 aus dem Botanischen Garten entlassen...ob das tatsächlich so war, kann er vielleicht auch richtig stellen.
Er ist jetzt 78 Jahre alt.

LG,
Olga

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Beitrag von pgs » 19 Sep 2016, 15:54

pgs hat geschrieben:Klasse, Olga! Jetzt fehlt nur noch die Englische Wikipedia und Roloff-Bärtels!
von Andreas Roloff, dem ich kürzlich einen Link zu dieser Seite sandte (mit dem Hinweis: Betrifft R/B5*!) bekam ich jetzt die Antwort:"Hallo Holger,
vielen Dank, werde ich berücksichtigen.
Beste Grüße
Andreas"
*nächste Auflage des Roloff-Bärtels, derzeit R/B4
beste Grüße von Holger/PGS

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