Pyramidenpappel in Reifenstein, Register-Nr.: 874

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Klaus Heinemann
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Pyramidenpappel in Reifenstein, Register-Nr.: 874

Beitrag von Klaus Heinemann » 21 Jan 2016, 17:46

Hallo,

am Eingang des ehemaligen Zisterzienserklosters Reifenstein
steht die größte und älteste Pyramidenpappel des Eichsfeldes.
Von den ehemals 32 Meter Höhe sind nach Rückschnitt ca. 27 geblieben.
Ihr starker Eindruck hat darunter aber nur wenig gelitten.
Sie ist trotz des - für Pappeln - hohen Alters von ca. 190 Jahren
in einem vitalen und gesunden Zustand.
Ewald Heerda hat sie vor rund 10 Jahren mit einem Schild versehen.
Heute befindet sich hier das Eichsfeld - Klinikum.
Dateianhänge
Pyramidenpappel-5.jpg
Habitus November 2015
Pyramidenpappel-5.jpg (81.28 KiB) 4193 mal betrachtet
Pyramidenpappel-2.jpg
Rückseite
Pyramidenpappel-2.jpg (109.3 KiB) 4193 mal betrachtet
Pyramidenpappel-1.jpg
vom Parkplatz aus
Pyramidenpappel-1.jpg (78.5 KiB) 4193 mal betrachtet
Pyramidenpappel-3.jpg
Vom ehemaligen Kloster aus
Pyramidenpappel-3.jpg (102.63 KiB) 4193 mal betrachtet
Pyramidenpappel-4.jpg
Beschreibung von Ewald Heerda
Pyramidenpappel-4.jpg (71.48 KiB) 4193 mal betrachtet

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 21 Jan 2016, 18:23

Wird die langsam lästig, oder warum wurde sie zurück geschnitten ^^?
Getreu dem alten Leitspruch:

Willst Du einer Pappel werden bar,
dann schneide sie zurück- na klar :D!
Wartest Du paar Jahre dann,
fängt sie bald zu faulen an.
Worauf sie dann "gefährlich" ist
und Sägezahn durchs Holz sich frisst.
Schon ist man los, das läst'ge Ding,
an dem man ohnehin nicht hing...

Davon abgesehen:
Ein sehr beeindruckendes Exemplar, danke für's Zeigen!
Gemittelt wären es bei ihr also knapp 3,2 cm Umfangszuwachs im Jahr- mal sehen, ob das mit anderen Säulen- Schwarzpappeln zusammenpasst :).

Hilmar
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Beitrag von Hilmar » 21 Jan 2016, 20:34

Hallo Klaus,

gerade heute habe ich mich mit dem Höchstalter von Pyramiden-Pappeln befasst und für Deutschland eigentlich keinen Baum dieser Art, welcher älter als 120 Jahre wäre, gefunden. Es gibt Veröffentlichungen, welche das Höchstalter mit 300 Jahren angeben, jedoch fehlt jeglicher Beweis. Daher würde ich gern wissen, auf welchen Daten die Angaben des Alters für diese Pyramiden-Pappel beruhen.

Gruß Hilmar

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Beitrag von baumlaeufer » 21 Jan 2016, 21:36

alles unter 300 Jahren- Höchstalter für Schwarzpappeln- ist m. E. möglich. Die Umtriebszeit für normale Pappeln ist bei max 50 Jahren.
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Klaus Heinemann
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Beitrag von Klaus Heinemann » 22 Jan 2016, 18:48

Hallo Hilmar,

das Alter wird einmal von Ewald Heerda, NABU Obereichsfeld
und auch in einem Wikipedia-Beitrag erwähnt.

Gruß Klaus

Hilmar
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Beitrag von Hilmar » 22 Jan 2016, 19:10

Hallo Baumläufer,

Du schreibst, alles unter 300 Jahren ist möglich. Das bestreite ich nicht. Jedoch dürfte alles zwischen 150 bis 300 Jahren nur den Schwarz-Pappeln (Populus nigra) zuzuordnen sein. Keinesfalls darf m. E. diese Altersangabe auf die Pyramiden-Pappel übertragen werden, nur weil diese in der lateinischen Bezeichnung auch mit Populus nigra beginnt.

Ich möchte das wie folgt beweisen:
Napoleon ließ zwischen 1800 und 1812 in Deutschland mehrere Heeresstraßen bauen. Diese verliefen und verlaufen zum Teil heute noch relativ geradlinig durch die Landschaft. Im Laufe der Geschichte sind daraus Bundesstraßen entstanden, zum Teil sind diese Straßen aber auch nur noch als Feldwege vorhanden. Damit die Truppenbewegungen nicht in der Prallsonne stattfinden mussten und die Soldaten völlig erschöpft an den jeweiligen Schlachtfeldern ankamen, wurde entlang dieser Straßen die schnell wachsenden Pyramiden-Pappeln gepflanzt.
Diese Pappeln würden heute um die 200 Jahre alt sein. Mir sind nun bei Weitem nicht alle Napoleonischen Heeresstraßen Deutschlands bekannt, aber an den mir bekannten Straßen steht nicht eine Pyramiden-Pappel mehr, auch kein Fragment derselben.

Viel häufiger findet man die Pyramiden-Pappel heute noch an Entwässerungsgräben im Rheingraben. Jedoch sind bei den mir bekannten Beständen keine Bäume mit einem Alter von mehr als 120 Jahren dabei. Der überwiegende Teil der Altbestände dürfte auf den Einsatz des Reichsarbeitsdienstes zurückzuführen sein und somit maximal ein Alter von 80 bis 90 Jahren besitzen.

Eine Reminiszenz erfuhr die Pappel nochmals zu Beginn der 60iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die oftmals durch Fördermittel initiierten Pflanzungen entlang von Feldrainen, aber auch auf Böschungen und Flussufern (zum Teil mit gehobenen Schutzstatus und auch dementsprechend beschildert), erfolgte jedoch mehrheitlich mit der Kanadische Holz-Pappel bzw. Hybriden der Schwarz-Pappel. Nur vereinzelt sind mir Anpflanzungen von Pyramiden-Pappeln,aus dieser Zeit
und das auch nur im elbnahen Raum, bekannt.

Bäume in Zusammenhang mit Deutscher Geschichte sind ein interessantes Thema - man könnte Bücher darüber schreiben, leider fehlt die Zeit.

Gruß Hilmar

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Beitrag von baumlaeufer » 22 Jan 2016, 20:58

@ Hilmar, ich stimme dir völlig zu zu deinen Beobachtungen/ Beschreibung

@ Klaus, dann dürfte aber die Altersangabe bei Wikipedia ziemlich daneben liegen. Ich denke aber, den Altershinweis im Register bis zum Beweis eines anderen Alters so stehen zu lassen.

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Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 22 Jan 2016, 22:41

Hy!

Nun ja, was spräche dagegen, dass sie eine der letzten der napoleonischen "Heerstraßenpappeln" ist?
Die kann natürlich auch weniger als 100 Jahre alt sein, allerdings sind alle Säulenpappeln, die ich aus Berlin kenne (und wo sie in den Nachkriegszeiten sehr gerne verwendet wurden), kaum dicker als maximal 2,5 bis 3 m im Umfang.
Und diese Pappeln sind/ waren altersmäßig sehr gut bestimmbar, weil die dazugehörigen Strukturen (wie Siedlungen) in einem eng definierten Zeitrahmen errichtet wurden und inzugedessen auch die Pappelpflanzung erfolgte.

Falls Du das hier mitliest, pgs/ Holger: Hast Du eventuell auch Wuchsdiagramme zu Schwarz- und Säulenschwarzpappeln zu bieten?
Würde mich vor folgendem Hintergrund interessieren:
Wie oben gesagt sind alle Säulenpappeln, die ich aus Berlin kenne, in der Nachkriegszeit gepflanzt worden, im Zuge der Expandierung der Stadt.
Das war vor allem in dem Zeitraum um 1955- etwa Mitte 1970 der Fall- keine davon wie gesagt umfänglicher als max. 3 m ...

Nun kannte ich aber eine echte Schwarzpappel von meinem "Haussee", die ich zwar nie gemessen habe, die aber ganz sicher um die 6 m Umfang hatte. Also vergleichbar der Säulenpappel hier.
Die sah zwar gewaltig und riesenalt aus, war aber doch definitiv nicht älter als etwa 100 Jahre, wenn man nicht sogar nur knappe 70 Jahre, als sie 2011 gefällt wurde.
Bedauerlicherweise NACH meinem Wegzug aus Berlin, so dass ich das genaue Alter des vollholzigen Stammes nicht ermitteln konnte (man sah auf Google Maps eine Zeitlang ein Bild von unmittelbar nach der Fällung, sogar noch die Sägespanstreifen auf der Wiese von der Stammzerstückelung), jedoch offenbarten zwei begleitende, jüngere Pappeln, die Kyrill oder Lothar angekippt hatten, dass der ganze Borsigdamm, an dessen Anfang die Pappeln in einem kleinen Park standen, auf Trümmerschutt stockt.

Jede Menge Backsteine und Kram im Boden unter kaum 50 cm Oberboden, und da vermute ich stark, dass die Trümmer eher aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg stammen.
Die echte Schwarzpappel also sicher 6 m Umfang nach nur etwa 70 Jahren... Heute ist der Stumpf noch zu sehen, Durchmesser ist per Google Maps gemessen etwa 2,3 m- was in der Taille, die etwa auf Bauch-/Hüfthöhe lag, einen Umfang von sicher etwas über 6 m ergab.

Säulenpappeln in dem ungefähren Alter sind anscheinend nur halb so dick, doch darum meine Frage an Holger/ pgs, ob er da eventuell auch Daten zu hat...

Wäre es der Fall, dass Säulen- Schwarzpappeln nur den halben Umfangszuwachs wie richtige Schwarzpappeln haben, wäre das Alter unserer Säulenpappel von etwa 140 Jahren, also über dem Durchschnitt, schon glaubhaft. Rechnet man da noch die übliche Varianz ein, wären auch 180- 200 Jahre durchaus drinnen, und so hätte man hier eventuell nicht nur ein Natur-, sondern auch ein lebendes Kulturdenkmal vor sich...

Spinnich
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Beitrag von Spinnich » 23 Jan 2016, 01:04

Sicherlich noch keine 100 Jahre hatten 2 dennoch schöne Pyramidenpappeln am Ortseingang zur Gartenstadt, OT von Bad Neustadt/Saale gestaden, an die ich mich gut erinnern kann, weil ich beim stromern immer diese beiden "Wachtürme" passieren musste.
Weshalb die beiden tollen "Baumsäulen" gerodet wurden, bleibt mir bis heute ein Rätsel.
Offensichtlich haben sie nicht überall die Wertschätzung gefunden, die normal denkende und einfühlsamere Menschen unserer Natur in ihrer vielfältigen und oft genialen Ausprägung entgegen bringen können.

Beruhigend, dass es wenigstens hier im Forum Viele gibt, denen diese Natur und besonders die einprägsamen langlebigen Bäume etwas mehr zu sagen haben, als "Festmeter-Brennholz" oder Hindernisse beim Straßenausbau.

Gruß Spinnich :)
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

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Beitrag von Klaus Heinemann » 23 Jan 2016, 16:45

das wird ja eine echte Ermittlung...
Einige Indizien habe ich auch noch gefunden: Die Schwarzpappel in Heilbad Heiligenstadt
ist nach Heerda´s Auskunft die einzige noch vorhandene, die zur Zeit Napoleons gepflanzt wurde.
(Wobei er sie - im Gegensatz zu Fröhlich - als Kanadapappel bezeichnet)
Diese steht 17 km Luftlinie entfernt von der Pyramidenpappel auf einer West-Ost Achse.
Damit wäre die Pappel in Heiligenstadt (mit einer Angabe von 170 Jahren) vermutlich 30 Jahre älter.

Schöne Grüße
Klaus

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Beitrag von Rainer Lippert » 23 Jan 2016, 17:43

Hallo,

am Lilienstein, in Sachsen, gibt es die Kaiserallee. Diese Allee ist von Pyramidenpappeln gesäumt und soll von Napoleon angelegt worden sein. Vor ein paar Jahren war ich mal dort. Da stehen schon ein paar ordentliche Brummer rum, aber auch viele jüngere. Man sieht die Allee auch schön von oben, vom Tafelberg aus. Aber ob die alten Pappeln um 200 Jahre alt sind, vermag ich nicht zu sagen.

Viele Grüße,

Rainer

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Klaus Heinemann
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Beitrag von Klaus Heinemann » 23 Jan 2016, 18:05

Hallo Rainer,

das sind dann wohl die hier.
Da habe ich mich im Mai 2013 mit dem Fahrrad vom Elbufer einen Waldweg hochgequält.
War dann zu erschöpft für weitere Einzelheiten...


Gruß Klaus
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Rainer Lippert
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Beitrag von Rainer Lippert » 23 Jan 2016, 18:29

Hallo Klaus,

ja, genau das sind sie. Im Hintergrund sieht man den Lilienstein. Vom Lilienstein aus habe ich damals die Allee gesehen und bin dann auch direkt hin. Irgendwo auf einem Schild habe ich dann gelesen, dass die Allee noch von Napoleon stammt. Irgendwo habe ich auch noch Bilder dazu, ist aber schon beinahe 10 Jahre her.

Viele Grüße,

Rainer

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Nachtrag zur Altersdiskussion

Beitrag von Klaus Heinemann » 21 Feb 2016, 23:00

eben habe ich zufällig beim Blättern in "unsere 500 ältesten Bäume" der Brüder Kühn
einen Altersnachweis gefunden:
Von dem Historiker Carl Deval wurde die Pyramidenpappel 1840 gezeichnet.


Gruß Klaus

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Beitrag von baumlaeufer » 22 Feb 2016, 00:08

Rainer Lippert hat geschrieben:Hallo,

am Lilienstein, in Sachsen, gibt es die Kaiserallee. Diese Allee ist von Pyramidenpappeln gesäumt und soll von Napoleon angelegt worden sein. Vor ein paar Jahren war ich mal dort. Da stehen schon ein paar ordentliche Brummer rum, aber auch viele jüngere. ...
Rainer
Klaus Heinemann hat geschrieben:eben habe ich zufällig beim Blättern in "unsere 500 ältesten Bäume" der Brüder Kühn
einen Altersnachweis gefunden:
Von dem Historiker Carl Deval wurde die Pyramidenpappel 1840 gezeichnet.

Gruß Klaus
....die sollten wir ins Register aufnehmen, finde ich.

Wer machts und stellt sie ein ? ich weiß nicht genau, wo sie ist..

Baumlaeufer
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