Ulme im Schlossweg, Grenzach-Wyhlen (Naturdenkmal)

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bee
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Ulme im Schlossweg, Grenzach-Wyhlen (Naturdenkmal)

Beitrag von bee »

Hallo Baumfreunde,
in den Karten des Landes Baden-Württemberg zu Umwelt und Naturschutz hatte ich eine Ulme in Grenzach-Wyhlen entdeckt, die als Naturdenkmal gelistet ist. Dieser Baum liegt mitten im Siedlungsgebiet von Grenzach und war mir bisher gar nicht aufgefallen, weil er von 4-geschossigen Gebäuden belagert wird...

Ulme, Schlossweg 13

Schutzgebietsnummer: 83361050007
http://rips-dienste.lubw.baden-wuerttem ... 9013000075

bei 47.555257 7.653739 = N47° 33.31542 E7° 39.22433

In der Vergangenheit war diese Ulme und die vorgesehene Bebauung des Areals "Schlossmatten" ein Thema im Südkurier, ein Haus vor allem war sehr dicht am Baum geplant und man fürchtete, die Ulme würde stark geschädigt werden.

http://www.suedkurier.de/region/hochrhe ... 596,282769
http://www.suedkurier.de/region/hochrhe ... 615,177066

Nun ja, die Häuser wurden wie geplant gebaut, die Ulme lebt und scheint sehr vital zu sein. Ob der Baum von den Anwohnern "geliebt" wird, weiß ich nicht, zumindest beschattet sie Haus 13 im Sommer recht stark und verdunkelt vermutlich die Zimmer nach Westen - aber der Baum war ja deutlich früher da!!!!

Als erstes stellten sich mir 2 Fragen:
1. warum "die Ulme" und nicht "die Ulmen"?
Man sieht nämlich eigentlich 2 Bäume, die jeweiligen Stämme sind deutlich (2 m) voneinander entfernt.
Im Artikel s.o. wird von einem 2-stämmigen Baum berichtet. Man kann nicht erkennen, ob beide Stämme aus einem Wurzelstock stammen, oberirdisch sind keine verbindenden Wurzeln zu sehen.
Kann es sein, dass einmal eine Ulme gepflanzt wurde (oder sich ausgesät hat) und zu einem späteren Zeitpunkt ein Wurzelspross in dieser Entfernung sich zu einem so starken Stamm entwickelt hat, dass man 2 Baumindividuen zu sehen meint, beide Stämme aber genetisch identisch sind?

2. "Ulme" ohne botanische Bezeichnung, wie heißt die denn mit "Nachnamen"?
Anhand folgender Merkmale bin ich zu der Auffassung gelangt, dass es sich um eine Feldulme Ulmus minor handeln muss:
Habitus mit überhängenden Zweigen
Blatt deutlich gestielt, Oberseite glatt und glänzend
Junge Zweige unbehaart, mit feiner Längsstreifung und hellen Lentizellen
Winterknospen sehr klein, leicht rötlich und unbehaart, nur am Rande der Knospenschuppen bewimpert
Blüten mit weißen Narben
Früchte mit etwas unterhalb der Mitte liegendem Samen, Einschnitt leicht überlappend

Weitere Daten:
Grundstück (vermutlich) öffentlich, aber im privat wirkenden parkähnlichen Raum zwischen den Häusern Schlossweg/ Schlossgasse, jedoch von den Häusern durch niedrige Hecken abgetrennt.
Zugang neben Schlossweg 13, dort ebenfalls offizieller Zugang zu Häusern Schlossweg 11

Alter lt. Zeitungsartikel über 200 Jahre

2 Stämme, vital
1. dickerer Stamm mit einseitig schräg gestelltem Stammfuß,
BHU in 130 cm ca. 470 cm, ab ca. 4-5 m Höhe und in größerer Höhe stark verzweigt mit mehreren stark aufwärts strebenden dicken Ästen,
im Kronenrandbereich stark überhängende Äste
2. dünnerer Stamm im Ganzen leicht schräg stehend, BHU nicht gemessen

Höhe ca. 24 m
von einem entfernten Standort (in größerer Höhe) geschätzt auf doppelte Höhe der 4-geschossigen Gebäude, überprüft per Google-Satellitenbild (vgl. Kronendurchmesser)

Durchmesser der Gesamtkrone, lt. Satellitenbild ca. 24 m (Höhe und Kronendurchmesser im Foto vom entfernten Standort ungefähr gleich).

Besuch: April 2014

Noch eine Anmerkung am Rande:
Schlossmatten, - gasse, -weg beziehen sich natürlich auf ein Schloss, in diesem Fall auf ein "Schlössle". Dieses Gebäude liegt in einer parkähnlichen Anlage, ist aber seit einigen Jahren wieder in Privatbesitz und wird als privates Wohnhaus genutzt (kein Ausflugsziel).
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Ulmus minor01h_kleine rötliche unbehaarte am Rand bewimperte Knospen_Zweig unbehaart längsrissig helle Lentizellen_10-2013_Schlossweg.jpg
Ulmus minor01h_kleine rötliche unbehaarte am Rand bewimperte Knospen_Zweig unbehaart längsrissig helle Lentizellen_10-2013_Schlossweg.jpg (16.82 KiB) 4362 mal betrachtet
Ulmus minor01g_10-2013_Schlossweg.jpg
Ulmus minor01g_10-2013_Schlossweg.jpg (24.97 KiB) 4362 mal betrachtet
Ulmus minor01f_Blattoberseite mittelgrün glatt glänzend_regelmäßige Nervatur_stark asymmetrisch_deutlich gestielt_10-2013_Schlossweg.jpg
Ulmus minor01f_Blattoberseite mittelgrün glatt glänzend_regelmäßige Nervatur_stark asymmetrisch_deutlich gestielt_10-2013_Schlossweg.jpg (54.98 KiB) 4362 mal betrachtet
Ulmus minor01e_10-2013_Schlossweg.jpg
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Ulmus minor01c_10-2013_Schlossweg.jpg
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Ulmus minor01b_10-2013_Schlossweg.jpg
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Ulmus minor01a_2 Stämme_Naturdenkmal_BHU 470cm_Ab 4-5m Stammvezweigung_Höhe ca 24m_Kronendurchmesser ca 24m_10-2013_Schlossweg.jpg
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aus OpenStreetMap
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Viele Grüße von bee

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bee
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Beitrag von bee »

Frühlingsbilder (aktuell)
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Ulmus minor01n_2 Stämme 2 m Abstand_03-04-2014_Schlossweg.jpg
Ulmus minor01n_2 Stämme 2 m Abstand_03-04-2014_Schlossweg.jpg (77.1 KiB) 4361 mal betrachtet
Ulmus minor01m_Früchte mit überlappendem Einschnitt_Samen leicht unterhalb der Mitte_03-04-2014_Schlossweg.jpg
Ulmus minor01m_Früchte mit überlappendem Einschnitt_Samen leicht unterhalb der Mitte_03-04-2014_Schlossweg.jpg (54.6 KiB) 4361 mal betrachtet
Ulmus minor01l_junge Früchte_03-04-2014_Schlossweg.jpg
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Ulmus minor01k_Blüten mit weißen Narben_03-04-2014_Schlossweg.jpg
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Yogibaer
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Beitrag von Yogibaer »

Hallo bee,
die Antwort auf die Frage, die Ulme oder die Ulmen?, wird ganz einfach sein.
Es ist nur die ältere und daher dickere Ulme als Naturdenkmal ausgewiesen.
Gruß Yogi

captainplanet
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Beitrag von captainplanet »

Das ist eine Flatterulme, deutlich zu erkennen an der extremen Asymmetrie der Blätter die bei den anderen Ulmenarten nicht so deutlich ausgeprägt ist.

Lg Georg

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bee
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Beitrag von bee »

Hallo,

@ Yogi:
wirklich??? Denkbar wäre alles .... aber an diese Theorie kann ich nicht glauben. Weshalb sollte man denn einen großen, aber etwas dünneren Baum "ungeschützt" lassen, wenn doch beide Stämme zusammen das "Gesamtkunstwerk" ausmachen?

In einem der o.g. Zeitungsberichte steht auch: alle Bäume gefällt bis auf die Ulme (vor den Baumaßnamen), man sieht beide Stämme.
Im anderen Zeitungsartikel wird von einem Baum mit 2 Stämmen geschrieben, den dicken Stamm allein kann man nicht als zweistämmig bezeichnen.

Ich habe mal in einem Buch nachgelesen (Enzyklopädie der Laubbäume). Darin steht, dass die Feldulme stark zu Wurzelbrut neigt.
Kennzeichnend für die Art ist die häufige Bildung von Wurzelbrut und Stockausschlägen. Benachbarte Bäume sind oft durch Wurzelfusionen verbunden, so dass sie im unmittelbaren Stoffaustausch miteinander stehen. Wird ein Baum entnommen, treiben Stock und Wurzel dank des Stofftransportes von benachbarten Individuen sogleich aus.
Ich gehe inzwischen davon aus, dass es sich tatsächlich um "einen" Baum" handeln kann.

@ Georg:
nein, es ist keine Flatterulme, diese Art hätte deutlich gestielte Blüten und Früchte. :wink:
(und behaarte Früchte, stark zugespitzte Knospen und noooooch asymmetrischere Blätter)
Noch ein bisschen frisches Grün
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Ulmus minor_Austrieb_GW_04-2014.jpg
Ulmus minor_Austrieb_GW_04-2014.jpg (48.58 KiB) 4287 mal betrachtet
Viele Grüße von bee

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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer »

Bee, schon wieder ein Baum im Register von Dir:

http://www.baumkunde.de/baumregister/36 ... ch_wyhlen/

Baumlaeufer
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

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