Pechkiefer

Ihr habt einen Nadelbaum/ Strauch (Konifere) in Deutschland oder Europa gesehen, könnt ihn aber nicht bestimmen? Fragt hier einfach danach.

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irisgermanica
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Pechkiefer

Beitrag von irisgermanica »

Hallo Zusammen :D ,
es geht mir um Pinus rigida, also Pechkiefer. Nicht so weit von meinem Haus, in einer ehemaligen Parkanlage (Hof- oder Villa-Park (?)), wachsen 15 (gestern hab ich mit Entsetzen entdeckt, dass leider nur noch 14… :( ) alten Bäume (Brusthöhenumfang von 100-193 cm).
Für mich ist diese Art sehr interessant. Spannend ist es, dass sich der Baumbestand nicht erneuert. Irgendwann hab ich 3 jungen Bäumchen gefunden, die aber rasch abstarben. Ich hab sogar versucht die Samen zum Keimen bringen – das hat gut geklappt, aber nach ein paar Tagen waren die Keimlinge alle tot… Pilzkrankheit oder Mangel an Mykorrhiza-Pilzen? Keine Ahnung…
In „Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft“ (vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre) hab ich gelesen, dass damals (also am Anfang des 20. Jahrhunderts) diese Art massenhaft und großflächig in ganz Deutschland (u.a. in Niederschlesien) gepflanzt wurde, in Mischkulturen mit gewöhnlicher Kiefer (wegen düngenden Eigenschaften der Pechkiefer) oder in Reinkulturen. Die Anbauversuche haben aber nicht befriedigt, weil eigentlich alle Anlagen, die lediglich 25-30 Jahre alt waren, ihre Entwicklung beendet hatten.
Meine Frage heißt: haben sich irgendwo in Deutschland die größeren Bestände von dieser Art erhalten? (In Niederschlesien nicht mehr, und die einzelnen Bäume in verschiedenen Parkanlagen stammen auch aus der Vorkriegszeit). Pflanzt man noch diese Art?

Grüße aus Breslau :)
irisgermanica
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Spinnich
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Re: Pechkiefer

Beitrag von Spinnich »

Diese Baumart war mir noch gar nicht bekannt.

bei den Mitteilungen der DDG Nr.31,1921 finden sich 33 Einträge zum Suchstring rigida, davon etwa 31 zu Pinus rigida, 2 zu anderen Gattungen.

Der Anbau war durch eine Verwechslung mit großen Hoffnungen begonnen worden:

"Die größte Enttäuschung bei ihren Anbauversuchen erfuhren die Versuchs-
anstalten bekanntlich mit der ostamerikanischen

Pech- Kiefer, Pinus rigida,

die sich in der Tat als »Pech-Kiefer« erwies. Man glaubte, daß dieser Holzart das
auf dem deutschen Markte so sehr geschätzte Pitch pine-Holz eigen sei, jedoch war
dies ein Irrtum, denn in Amerika wird die Bezeichnung Pitch pine einer anderen,
weiter südlich heimischen und in Deutschland nicht gedeihenden Kiefer, der Pinus
australis, beigelegt.

In dem Arbeitsplan der Versuchsanstalten war die Pinus rigida an erster
Stelle aufgeführt und neben nur noch vier anderen Holzarten (Douglasie, Nord-
mannstanne, Weißer Hickory und Schwarze Walnuß) zum Anbau in der ersten An-
bauklasse empfohlen. Grund genug also für die Versuchsanstalten, die Pech- Kiefer,
von der man ein überaus wertvolles Nutzholz erwarten durfte, bei den Versuchen
in hervorragendem Maße zu bevorzugen. Die hiesige Versuchsanstalt baute die
Pech- Kiefer in 16 Forstamtsbezirken an, verteilt über das ganze Land, auf 10,87 ha,
also nur auf einer nur um 3 ha geringeren Fläche als die meist begünstigte Douglasie.

Die Kulturen der Pech- Kiefer entwickelten sich in folgender Weise: rasche Ent-
wicklung des Höhen- und Stärkezuwachses ungefähr bis zum achten Jahre, dann
rasch nachlassend, Stämme kurz und krumm. Wuchs sperrig; oft werden die Be-
stände auf größeren Flächen durch Schnee völlig zu Boden gedrückt; vielfach haben
sie an Pfählen befestigt werden müssen, aber gute Nadeldecke. Auf einer Brandfläche
haben die Stockausschläge eine durchschnittliche Höhe von 5 — 6 m erreicht, über
die übrigens auch Kernstämme nicht allzuweit hinausgegangen sind. Eine Nutz-
holzausbeute werden die Bestände nicht ergeben.

Nachdem dies erkannt war, Prof. Mayr auch in seinen »Waldungen von
Nordamerika«, 1890, die Verwechslung der beiden Arten rigida und australis
aufgeklärt hatte, wurde der weitere Anbau der Pech-Kiefer selbstverständlich ein-
gestellt und damit das unerfreuliche Kapitel über diese Holzart geschlossen. Mögen
andere Versuchsanstalten sich damit abquälen, sie auf geringen Böden als Misch-
holz und Dünger für die Anzucht der Gemeinen Kiefer zu verwenden; für uns liegt
hierzu keine Notwendigkeit vor.

...Pinus rigida, die Pech-Kiefer, hat sich als vollkommener Fehlschlag auf
gutem Waldboden erwiesen. Auf ganz schlechten Flugsanden, wie in der Haardt bei
Schwetzingen, mag man sich allenfalls noch mit ihr befreunden. Bis auf ganz wenige
Ausnahmen sind die Stämme in schraubenartigen Windungen gewachsen und geben
nur Brennholz; als einzigen Vorteil kann man höchstens den stark ausgeprägten
Nadelwurf bezeichnen, wodurch schnell eine gute Humusdecke entsteht, und Möglich-
keit für Nachwuchs anderer Pflanzen geschaffen wird.

...Von Pinus densiflora wurden 1910 etwa loooo Stück 2jährig zum Anbau
auf Kahlflächen verwendet. Ihre Entwicklung ist bis jetzt sehr gut. Ich verdanke
sie Herrn Alfred Unger,
Die andern Kiefernholzarten, von denen Pinus cembra und Pinus peuce
zu weitständiger Pflanzung in Felspartien verwendet wurden, haben forstlich keine
Bedeutung. Wegen ihrer malerischen Wirkung sind jedoch Pinus Jeffreyi, austriaca,
Lambertiana, excelsa, rigida
für den Wald, in dem auf Berücksichtigung der
Waldschönheit Wert gelegt wird
, von bleibender Bedeutung.

...5. Pinus Jeffreyi.

6. Pinus ponderosa.

7. Pinus rigida.

Die drei Kiefernarten sind in den sämtlichen Berichten gar nicht erwähnt,,
ein Zeichen, daß die Kulturen überhaupt eingegangen und verschwunden sind oder
der weiteren Beobachtung nicht für wert gehalten wurden.

...Nach den vorstehend angegebenen Berichten läßt sich das Ergebnis der Ver-
suche für Ostpreußen, wie folgt zusammenfassen:
...Pinus Jeffrey! und P. ponderosa haben von Anfang an versagt, P. rigida
gedeiht wohl, aber es spricht nichts dafür, sie zur Berücksichtigung irgendwie zu
empfehlen."

Es scheint, dass P. rigida nur auf sehr armen Böden für Humusbildung oder als Zierbaum Wertschätzung erlangen konnte.
Das Holz des meist kurzlebigen Baumes ist nur von Brennholzqualität.
Die Versuche wurden möglicherweise mit einer wenig geeigneten Selektion durchgeführt, nicht alle Bäume müssen krumschäftig sein.

viewtopic.php?t=8019

https://www.monumentaltrees.com/de/welt ... nusrigida/
Alter 91 ± 10 Jahre
https://www.monumentaltrees.com/de/nld/ ... erg/44094/

https://www.ddg-web.de/index.php/rekordbaeume.html
Sachsen, Landkreis Görlitz, Kromlau: Alt ca. 131 Jahre
https://www.ddg-web.de/index.php/rekord ... ardId=1070

Man kann nach wie vor diese Art als Zierbaum erwerben (Hinweis auf Astbruchgefahr bei Schneelast), forstbauliche Versuche dagegen dürfte es keine mehr geben.


LG Spinnich :mrgreen:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

irisgermanica
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Re: Pechkiefer

Beitrag von irisgermanica »

Hallo :) ,
danke sehr. Heft Nr. 31 von Mitteilungen der DDG hab ich gerade nicht gelesen, aber darin, was wir in der Bücherei haben, hab ich auch ein bisschen Daten gefunden. Besonders im Heft Nr. 20 (Jahrgang 1911) gelten manche Beiträge für Pinus rigida, z. B.:
- Schwappach A. 1911. Die weitere Entwicklung der Versuche mit fremdländischen Holzarten in Preußen. Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, 20: 3-37:
„38. Pinus rigida (Mill.), Pechkiefer. Nach dem überstimmenden Urteil aller Versuchsreviere, das ich nach dem Ergebnis meiner Besichtigung bestätigen muß, haben die nun 25-30jährigen Anlagen ihre Entwicklung beendet. Die meisten sind abgestorben, vom Schnee zusammengedrückt oder durch Pilze getötet. Nur vereinzelte Anlagen haben sich noch unversehrt erhalten, allein auch diese machen mit Höhen von 10-12 m und abgewölbten Kronen keinen günstigen Eindruck. Sie werden nur im wissenschaftlichen Interesse noch weiter beobachtet. Jedenfalls scheidet diese Art aus der Zahl der in reinen Beständen anzuziehenden Holzarten schon aus biologischen Gründen aus, abgesehen davon, daß die Namensverwechslung, die wegen der vermuteten Güte des Holzes eigentlich zu ihrem Anbau geführt hat, inzwischen längst aufgeklärt ist.
Trotzt dieses wenig günstigen Verhaltens besitzt Pinus rigida dennoch eine ungemein wertvolle Eigenschaft, die ihren ferner Anbau, aber allerdings nur zu diesem besonderen Zweck, als höchst empfehlenswert erscheinen läßt, sie bildet nämlich ein außenordentlich vorteilhaftes Mischholz für die Kiefer auf armem Boden (IV. Kl.). Die Beobachtung der Versuchskulturen , unter denen sich auch mit Pinus sylvestris gemischte Anlagen vorfanden, sowie weiterhin auch die systematischen Düngungsversuche beweisen schlagend den außenordentlich günstigen Einfluß der Pechkiefer auf die beigemischte gemeine Kiefer. In der Jugend ist die Pechkiefer vorwüchsig, düngt durch ihren reichen Nadelabfall den Boden, und verhütet sein Flüchtigwerden, aber vom 7. Jahre beginnt sich die gemeine Kiefer kräftiger zu entwickeln, holt mit 10-12 Jahren die Pechkiefer ein, überwächst sie dann und bringt sie zum Absterben. Die zusammenbrechenden Pechkiefern bilden dann nochmals einen guten Dünger für die beigemischten Kiefern. Hinzu kommt noch der wichtige Umstand, daß durch das Absterben der Pechkiefern unsere Kiefer den nötigen Entwicklungsraum erhält und das auf armen Böden das Häufig zu beobachtende verhängnisvolle Stocken der Deckung infolge zu großer Stammzahl vermeiden wird.
Die vergleichenden Ergebnisse über die Entwicklung einer solchen Mischkultur mit jener einer Anlage von Pinus sylvestris habe ich aus meiner „Kiefer“ in der Anlage I (Nr. 12) übernommen.
Ergebnis. Pinus rigida eignet sich zum Anbau in reinen Beständen überhaupt nicht, sondern nur als Mischholz und Dünger für die Anzucht der einheimischen Kiefer auf geringem Boden. Sie stellt etwas höhere Ansprüche an den Boden als Pinus banksiana.“,
oder:
- von Reichenau 1911. Ausländische Holzarten in den Forsten des Reg.-Bez. Danzig. Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, 20: 109-114:
„Pinus rigida. Die Anbauversuche mit der Pechkiefer, besonders in der jetzigen Oberförsterei Deutschheide auf etwa 25 ha, haben nicht befriedigt. Auch auf den Dünen der Oberförsterei Steegen hat sie versagt; sie ist dort hinter der gemeinen Kiefer und auch hinter der Schwarzkiefer erheblich zurückgeblieben. Überall beginnt sie jetzt im Alter von 20-25 Jahren abzusterben und zusammenzubrechen, wenn sie nicht schon früher verschwunden ist. Ihre bodenbessernde Eigenschaft soll aber nicht verkannt werden.“,

oder auch die anderen.

Es ist eigentlich schade :( , dass man diese Art nicht mehr in die Parkanlagen oder auf ähnlichen Stellen pflanzt (hauptsächlich bei uns), weil die sehr malerisch aussieht. Besonders die großen Exemplare mit den zahlreichen Zapfen sehen sehr attraktiv aus. Es ist mir aber lieber, dass die Wälder und Forste von den fremden Arten frei bleiben. :D

Liebe Grüße
irisgermanica

PS. Noch zwei Fotos dazu, die bei meiner ersten Nachricht noch immer schwarz „leuchten“…
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Kiefernspezi
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Re: Pechkiefer

Beitrag von Kiefernspezi »

Die arme Kiefer hat aber auch wirklich Pech...

Nun, es gibt vor allem sehr unterschiedliche Klimarassen. Sehr gute Bestände kann man in der Nähe von Cuxhaven in Wäldern ganz nah an der Nordseeküste bestaunen. Dort haben die Bäume gerade Stämme und einen kräftigen Wuchs hingelegt. Allerdings wirken diese Wälder doch reichlich finster. Und barfuß sollte man auch nicht gehen. Tritt man auf einen Zapfen, ist die Waldesruhe dahin.

Aber privat im Garten ein toller Baum. Insbesondere, wenn die Nadeln aus dem Stamm sprießen.

PS.: Ganz junge, frisch geöffnete Zapfen sind sogar richtig attraktiv.

PPS: Sollte sich das Klima so stabilisieren, wie es die letzten 3 Jahre gewesen ist - große, lang anhaltende Dürre- und Hitzeperioden und steigende Temperaturen - muss man sich zwangsläufig über fremdländische Baumarten Gedanken machen, die auf das kommende Klima eingestellt sind. Zudem braucht man einen Ersatz für die ausgefallenen Holzlieferanten. Denn Holz wird ein gefragter Rohstoff bleiben.
Allerdings wird auch dann die Pechkiefer keine Rolle spielen. Wieder Mal Pech gehabt. Aber da gibt es besser passende Bäume.

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