Bücher über Bäume

Hier findet ihr Platz für sonstige Themen

Moderatoren: LCV, stefan, tormi

Kiefernspezi
Beiträge: 8539
Registriert: 12 Jan 2009, 10:08
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Beitrag von Kiefernspezi »

Es lag auf der Hand, dass Du keine Kenntnisse und Kontakte hast. Die Situation ist leider von den Ingenieurwissenschaften grundverschieden. Das kannst Du aber leicht selbst schlussfolgern. Ein Ingenieur forscht immer in Bereichen, in denen es um Konstruktionen oder Produktionen geht. Da gibt es durchaus viele Firmen, die ein Interesse haben, Forschungen zu unterstützen. Die haben ja auch was davon. In der Forstwissenschaft ist das nicht so. Es werden derzeit auch massiv Lehrstühle und Lehrthemen zurückgebaut.
Du hast leider eine Boom-branche mit einer Buh-branche verglichen. Den besten Jungwissenschaftler der letzten Jahre haben wir an die Schweiz verloren, wo er weiter forschen darf.
Optimismus ist nur insofern angebracht, als dass neue Erkenntnisse vielleicht neue Märkte entstehen und den Bedarf steigen lassen. Das ist jedoch derzeit nicht absehbar.

Viele Grüße

pgs
Beiträge: 3423
Registriert: 16 Nov 2012, 20:44
Wohnort: KA
Kontaktdaten:

Beitrag von pgs »

Kiefernspezi hat geschrieben:Es lag auf der Hand, dass Du keine Kenntnisse und Kontakte hast.
Mein lieber Spezi, wenn ich jetzt empfindlich wäre würde ich dir überhaupt nicht mehr antworten.
Natürlich wird in Deutschland überall gejammert auch unter Hochschullehrern, vielleicht sogar in Bochum. Es gibt aber zum Glück immer noch Leute die Grundlagenforschung machen!

Mir fehlt es keineswegs an Kontakten. Was Kenntnisse angeht magst du mit "keine" vielleicht Recht haben. Aber diese weise Erkenntnis betrifft dann die Menschheit insgesamt.

Da hast du leider auch wieder etwas missverstanden:
Die Drittmittel für die Forschung in den Ingenieurwissenschaften kommen zum allergrößten Teil nicht aus der Industrie!
Die DFG fördert zum Beispiel Grundlagenforschung. Meine eigenen Forschungsarbeiten hatten immer ingenieurwissenschaftliche Grundlagen, also eher physikalische Probleme zum Inhalt. Das Geld der DFG kommt aus Bundes- und Ländermitteln. Ich bin ziemlich sicher, dass es in den naturwissenschaftlichen Fächern Physik, Chemie, Biologie mit der Forschungsfinanzierung ähnlich aussieht.

Die im Buch von Wohlleben angesprochenen neuen Forschungsergebnisse kommen ja keineswegs nur aus der Forstwissenschaft!

Aus den Quellenangaben auf den letzten 4 Seiten ist das so ohne weiteres nicht erkennbar.
Da sind aber wohl eher die klassischen Naturwissenschaften gefragt.

Beispiel:
Nr. 15 Nehls, U.: Sugar Uptake and Channeling into Trehalose Metabolism in Poplar Ectomycorrhizae, Dissertation vom 27. 4. 2011, Universität Tübingen

https://publikationen.uni-tuebingen.de/ ... sequence=1

((Prof. Nehls, Botanik, Bremen war Erstgutachter, nicht Autor der Diss! da sollte
also Fajardo, Monica: stehen))

Die Arbeit entstand am Institut für Physiologische Ökologie der Pflanzen, das von Professor Rüdiger Hampp geleitet wird.
beste Grüße von Holger/PGS

Kiefernspezi
Beiträge: 8539
Registriert: 12 Jan 2009, 10:08
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Beitrag von Kiefernspezi »

Hallo pgs, das ist manchmal das Problem an der betonungslosen Wortverständigung. Ich meinte nicht, dass Du keine Kontakte besitzt, sondern konkret in Richtung Forstwissenschaften. Darüber haben wir gesprochen. Da geht es nicht um das übliche Meckern am Stammtisch, sondern um Konkrete Mißstände wie unterdurchschnittliche Bezahlung, zeitlich befristete Jobs, Arbeitslosigkeit und Planungsunsicherheit.
Es ist eben eine komplett andere Branche, die schlicht und einfach tendenziell eher ausstirbt

Viele Grüße

pgs
Beiträge: 3423
Registriert: 16 Nov 2012, 20:44
Wohnort: KA
Kontaktdaten:

Beitrag von pgs »

Kiefernspezi hat geschrieben:Hallo pgs, das ist manchmal das Problem an der betonungslosen Wortverständigung. Ich meinte nicht, dass Du keine Kontakte besitzt, sondern konkret in Richtung Forstwissenschaften. Darüber haben wir gesprochen. Da geht es nicht um das übliche Meckern am Stammtisch, sondern um Konkrete Mißstände wie unterdurchschnittliche Bezahlung, zeitlich befristete Jobs, Arbeitslosigkeit und Planungsunsicherheit.
Es ist eben eine komplett andere Branche, die schlicht und einfach tendenziell eher ausstirbt

Viele Grüße
Zeitlich befristete Bezahlung ist überall an Hochschulen üblich, auch in der vermeintlichen Boom-Branche Ingenieurwissenschaften. Da soll man ja auch nur hängen bleiben, wenn man in der Lage ist, eine größere Gruppe durch Einwerbung von Drittmitteln angemessenen zu bezahlen und zu Leiten. Forschung funktioniert an den Hochschulen generell über Master- und Doktorarbeiten. Beamtete Hochschullehrer kümmern sich hauptsächlich um Drittmittel-Einwerbung für ihre befristet bezahlten jungen Mitarbeiter. Und dank der DFG nimmt die Wirtschaft und die Politik zumindest im DFG-geförderten Bereich keinen Einfluß auf die Inhalte der Forschung.

So völlig ohne Kontakte zu Forstwissenschaftlern bin ich übrigens auch nicht.
Mit dem erstgenannten Autor von R/B4 (Forstbotanik, TU Dresden) bin ich seit längerem in Email-Kontakt. Habe ihn gerade gebeten sich diese Diskussion mal anzuschaun. Aber er wird vermutlich Wichtigeres zu tun haben ;-)
beste Grüße von Holger/PGS

pgs
Beiträge: 3423
Registriert: 16 Nov 2012, 20:44
Wohnort: KA
Kontaktdaten:

Antwort von Andreas Roloff

Beitrag von pgs »

...nach vier bis fünf Emails zu unserer "Diskussion" über die Situation der Grundlagenforschung im Bereich der Forstwissenschaften in Deutschland hin und her zwischen Karlsruhe und Tharandt schrieb Andreas Roloff schließlich:

"...habe gerade mal ins Forum reingeschaut - bin erschüttert über die dort geäußerten Vorurteile zu den Forstwissenschaften, die vollkommen an der Realität vorbeigehen. Möchte mich an dieser Art von Diskussion lieber nicht beteiligen, da ich solche festgefahrene Meinung sowieso nicht mehr verändern könnte, ggf. empfehle ich aber einen Blick auf unsere Tharandter Homepage...
Beste Grüße
Andreas"


Text aus der letzten Email, wie vom Absender zur Verwendung hier auf der Website ausdrücklich genehmigt.

Hier ein Link zu den Publikationen des Lehrstuhls für Forstbotanik, Tharandt, nur für 2015:
http://tinyurl.com/onqkckc
beste Grüße von Holger/PGS

Kiefernspezi
Beiträge: 8539
Registriert: 12 Jan 2009, 10:08
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Beitrag von Kiefernspezi »

Hallo,

ja, Tharandt ist eine gute Adresse. Dann werde ich direkt mal meinen Bekannten empfehlen, sich dort zu bewerben. Vielleicht funktioniert das sogar. Wäre echt super.

Viele Grüße

Rainer Lippert
Beiträge: 2948
Registriert: 19 Mai 2009, 17:56
Wohnort: Untererthal
Kontaktdaten:

Beitrag von Rainer Lippert »

Hallo,

das besten Baumbuch was ich kenne ist die Kosmos Enzyklopädie der Bäume. Über 2.000 Bäume, beinahe 6.000 tolle Zeichnungen. Ist allerdings nicht ganz billig. Gibt es auch nicht mehr neu. Die knapp 300 Euro lohnen sich aber, meine ich. Die Enzyklopädie der Gartengehölze ist für knapp 200 Euro auch sehr empfehlenswert. Mit beiden Büchern ausgestattet entgeht einem kaum noch ein unbekannter Baum. Das Buch von Spohn, was weiter vorne empfohlen wird, ist auch nicht schlecht. Ich habe wohl so um die 50 Baumbücher, aber diese hier sind neben den Baumbüchern von Mitchell, die auch alle recht gut sind, am beliebtesten.

Viele Grüße,

Rainer.

pgs
Beiträge: 3423
Registriert: 16 Nov 2012, 20:44
Wohnort: KA
Kontaktdaten:

Beitrag von pgs »

@Kiefernspezi: Na, da konnte ich dich ja vielleicht doch noch davon überzeugen, dass Forschung auch in den Forstwissenschaften in Deutschland keineswegs ausstirbt!
2005 ist an der TU Dresden ein Instituts-Kollege aus Karlsruhe zum Rektor gewählt worden.

@Rainer: Ja, diese Enzyklopädie der Bäume könnte mich schon reizen, aber ich hoffe, dass nach 7 Jahren nun bald mal eine Neuauflage kommt.
beste Grüße von Holger/PGS

Rainer Lippert
Beiträge: 2948
Registriert: 19 Mai 2009, 17:56
Wohnort: Untererthal
Kontaktdaten:

Beitrag von Rainer Lippert »

pgs hat geschrieben: @Rainer: Ja, diese Enzyklopädie der Bäume könnte mich schon reizen, aber ich hoffe, dass nach 7 Jahren nun bald mal eine Neuauflage kommt.
Ich habe vor einiger Zeit mit dem Verlag mal gesprochen. Es ist keine Neuauflage geplant.

pgs
Beiträge: 3423
Registriert: 16 Nov 2012, 20:44
Wohnort: KA
Kontaktdaten:

Beitrag von pgs »

Rainer Lippert hat geschrieben:...
Ich habe vor einiger Zeit mit dem Verlag mal gesprochen. Es ist keine Neuauflage geplant.
Danke für den Hinweis! Ja, das lohnt sich vermutlich nicht mehr für den Verlag, die Herstellungskosten kommen durch die relativ wenigen verkauften Exemplare nicht rein. Schade.
Vielleicht kommt ja irgendwann die Ebook-Version in pdf?

Habe gerade ein angeblich "sehr gut" erhaltenes Exemplar bei ZVAB (Zentral-Verzeichnis Antiquarischer Bücher) bestellt.
beste Grüße von Holger/PGS

Rainer Lippert
Beiträge: 2948
Registriert: 19 Mai 2009, 17:56
Wohnort: Untererthal
Kontaktdaten:

Beitrag von Rainer Lippert »

Ich habe mein Exemplar vor Jahren auch mal als sehr gut gekauft. Ich konnte keinen Mangel erkennen, war eigentlich neu. Du kannst ja dann mal berichten, wie dir das Buch gefällt. Würde mich mal interessieren.

Viele Grüße,

Rainer

pgs
Beiträge: 3423
Registriert: 16 Nov 2012, 20:44
Wohnort: KA
Kontaktdaten:

BAUMDIAGNOSTIK

Beitrag von pgs »

Ja, das werde ich dann gerne tun.

Heute wurde mir ein anderes neueres Buch über Bäume geliefert:

Andreas Roloff
Handbuch
Baumdiagnostik

Baum-Körpersprache
und Baum-Beurteilung


305 Farbfotos und -Zeichnungen
2 Tabellen 206 S.
ISBN 978-3-8001-8360-9
Verlag Ulmer (2015) Preis: 39,90 €.

Nach einem ersten Durchblättern denke ich, der Kauf hat sich gelohnt. Ich werde mehr berichten, wenn ich es richtig gelesen habe.
beste Grüße von Holger/PGS

Kiefernspezi
Beiträge: 8539
Registriert: 12 Jan 2009, 10:08
Wohnort: Velbert
Kontaktdaten:

Beitrag von Kiefernspezi »

Es kommen wirklich interessante Bücher auf den Markt. Vor allem sehr innovative. Ich bin sehr gespannt, was Du zu berichten hast.

Viele Grüße

campoverde
Beiträge: 1185
Registriert: 25 Okt 2008, 17:28
Wohnort: Bremen

Beitrag von campoverde »

Hallo,
meine forstliche Zeit liegt lange zurück, zu der Situation in der Forschung kann ich nichts sagen, insbesondere, inwieweit sich die Situation in den Fortwissenschaften von der in anderen Fächern unterscheidet.
Das Zitat von A.Roloff könnte man aber auch auf die Forstwirtschaft beziehen:
Kiefernspezi hat geschrieben: Echter Umweltschutz wird ausschließlich auf Druck der Bürger betrieben. Jeder Regenwaldstaat, den wir überheblich kritisieren, weil dort Bäume gerodet werden, hat immer noch prozentual und absolut mehr naturbelassene Waldfläche als Deutschland. Und die Menschen dort sind bettelarm und betreiben ihre schreckliche Arbeit mangels Alternativen.
Wir in Deutschland hätten eine Wahl, aber die Waldbauern bestehen auf Ihre Kiefern und Fichten Monokulturen. Seit dem Durchbruch der Pellets werden massiv Kleinholzbestände abgeholzt. Beispiele finden sich entlang der Straßen, wo oftmals Hänge freigestellt werden. Erosion lässt Grüßen. Das zieht definitiv Folgeschäden nach sich! Das ist aber der Holzwirtschaft egal..
1. Mangel an ursprünglichen Naturwäldern: da ist die Forstgeschichte zu berücksichtigen!
2. „Fichte- und Kiefer-Monokulturen“etc, : Hier sollte man den jahrelangen Umbau hin zu mehr zu Laubholz und Änderung der Waldbaumehtoden schon zur Kenntnis nehmen. Als Ergänzung zu subjektiven Eindrücken: www.bundeswaldinventur.de
Kiefernspezi hat geschrieben: Die Situation ist leider von den Ingenieurwissenschaften grundverschieden. … In der Forstwissenschaft ist das nicht so. Es werden derzeit auch massiv Lehrstühle und Lehrthemen zurückgebaut. Du hast leider eine Boom-branche mit einer Buh-branche verglichen.
Durch Themen wie Klimawandel, nachwachsende Rohstoffe und Naturschutz, aber auch durch die veränderte (gestiegene) ökonomische Bedeutung, hat die Forstwirtschaft schon an allgemeiner Beachtung gewonnen.
Gruß,
Stephan

pgs
Beiträge: 3423
Registriert: 16 Nov 2012, 20:44
Wohnort: KA
Kontaktdaten:

Beitrag von pgs »

Zur Buchbesprechung: Andreas Roloff Handbuch Baumdiagnostik

Siehe Buchinformationen 3 Kommentare weiter oben.

Das in diesem Jahr erschienene Buch "wendet sich an Baumkontrolleure und -verantwortliche aber ebenso an Bauminteressierte und -liebhaber."

Es enthält sehr viel an praktischem Fachwissen, das naturgemäß viele fachspezifische Wörter benutzt. Ein besonderer Vorteil dieses Buches liegt darin, dass diese speziellen Fachwörter am Ende in einem fast 5-seitigen Sachregister stehen. Dabei sind jeweils Seitenzahlen (eine oder auch mehrere) angegeben, auf denen man die genaue Bedeutung des Fachwortes nachlesen kann. Taucht dieses Wort (hier als Beispiel: Wurzelverwachsungen) an irgend einer anderen Stelle im Buch auf, so wird es mit einem vorangestellten Stern *Wurzelverwachsungen markiert.

Man kann dann im Sachverzeichnis nachsehen, dass dieses Fachwort auf S. 124 erläutert wird, wo man dann auch etwas über den Austausch von Information ("wood-wide-web") und Nahrung zwischen den Bäumen gleicher oder verwandter Art über die Wurzeln erfährt!

Gleichungen, wie zum Beispiel zur Berechnung des wahrscheinlichen Baumalters aus dem Umfang oder Durchmesser sucht man in diesem Buch vergebens. Der Autor weist darauf hin, dass eine solche "Berechnung" bei der Vielzahl der Einflußgrößen auf die Konstanten in solchen Formeln wenig Aussicht auf Erfolg hat.

Der größte Teil des Buches (120 von 206 Seiten) befaßt sich mit der Biologie der Bäume. Ökologie (33 S.), Verwendung, Behandlung von, Umgang mit Bäumen (28 S.) und Baum und Mensch (10 S.) machen die anderen Kapitel aus. Alle Teile des Buches sind mit sehr guten Farbfotos - fast alle vom Autor selbst - mit Diagrammen und mit zwei Tabellen versehen.

Eine der Tabellen, S. 67, ist ein Phänologischer Kalender der Gehölze, in dem die drei Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst, jeweils noch in drei Abschnitte: Vor-, Erst-, Voll-Frühling, Früh-, Hoch-, Spät-Sommer, Früh-, Voll-, Spät-Herbst unterteilt sind. Diesen, ohne Monatsangabe genannten 9 Perioden werden jeweils charakteristische Gehölze zugeordnet, die dann blühen, Blätter austreiben, die Fruchtreife erreichen, oder die Herbstverfärbung zeigen.

Diese Beispiele lassen erkennen, dass man aus dem neuen Buch sehr Vieles lernen kann, was geeignet ist aus der äußeren Erscheinung von Gehölzen auf den Zustand, speziell auch die Vitalität und auf mögliche vom Baum ausgehende Gefahren zu schließen.

Fazit: Sehr empfehlenswert, die knapp 40 € sind gut angelegt!
beste Grüße von Holger/PGS

Antworten