Häretischer Thread - Häßliche Bäume

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$crooge
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Häretischer Thread - Häßliche Bäume

Beitrag von $crooge »

Wir reden hier immer von schönen und erhaltenswerten Bäumen.

Jetzt mal was anderes: Kennt Ihr Bäume, bei deren Anblick Ihr Euch ertappt, wie Ihr im Geiste schon die Axt ansetzt?

Damit meine ich jetzt keine üblen Neophyten, keine Bäume, die offensichtlich tot sind, und auch keine Bäume, die ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Ich rede von Bäumen, die so reppig ausschauen, oder an so grotesken Stellen gepflanzt wurden und so offensichtlich an ihrem Standort fehl am Platz sind, daß man am liebsten die Säge auspacken würde?


So ein Exemplar habe ich nämlich vor ein paar Tagen gesehen - falls es mich mal wieder dorthin verschlägt, mache ich ein Photo.

Aber vielleicht habt Ihr ja auch Bilder in der Richtung, dann könnt Ihr sie hier einstellen - und diskutieren: es gibt ja schließlich auch Bäume, die sind so häßlich, daß sie schon wieder hübsch sind....

Andreas75
Beiträge: 3946
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Beitrag von Andreas75 »

Ich sage mal, mancher Mensch ist auch derart häßlich, ob körperlich oder geistig, daß man am liebsten gleich die Flinte zücken würde, aber tut man es ^^?

Ich würde einen Baum höchstens aus Mitleid killen (von der manchmaligen Notwendigkeit mal abgesehen...), nicht aber, weil er "häßlich" ist... Manche sind tot wirklich besser dran, aber dafür würde ich "häßlich" als Maßstab nur sekundär anlegen ;).

Habe dazu ein gutes, nicht alltägliches Beispiel...
Für die Begriffe ihrer Art völlig daneben, so würde ich sie doch nie fällen, weil man sowas echt selten hat.
Fragliche Birke steht nahe meiner ehemaligen Grundschule am lokalen Regenwasserauffangbecken. Zu meinen Schulzeiten war der Stamm noch gerade und der damals noch weit kleinere Bogen hing freischwebend in der Luft. Die Terminale der Birke war abgestorben, und aus einem bereits hängenden Ast entwickelte sich, ungewöhnlich, die neue.
Mit dem Wachstum und damit steigenden Gewicht neigte sich der Stamm, wie zu sehen, immer mehr. Der Auflagepunkt des Bogens liegt heute auf der obesten Stufe der im Bild zu erkennenden arg zugewucherten Treppe, die vom oberen Rand des Beckens auf deren Sohle führt (das Becken ist de facto eine große Wiese, auf der sich zwei große Regenwasserrohre vereinigen, und halt bei Stark- oder Dauerregen den größten Teil des anfallenden Wassers auffangen.)

An und für sich als Birke auch eine häßliche Krücke, die im städtischen Bereich eigentlich nicht tragbar ist, und so außerhalb der Wiese auch maximal in einem unbesuchteren Park am Leben bleiben würde. Früher war das Becken noch zugänglicher, da führte rings ein Jägerzaun herum, und Generationen von Kindern/ Schülern nutzten alltäglich zweimal die Abkürzung über die Wiese, um in die Schule zu kommen (welche in den frühen 70ern gebaut wurde).
Zum Ersatz des Jägerzaunes kam später ein grauer, dann ein grüner Metallzaun um die Wiese, wie auf dem Bild zu sehen, nur niedriger, und die Wiese war weiterhin für jedermann offen zugänglich. Bis dann letztes Jahr an einer Stelle am Tegeler See (im selben Bezirk gelegen, aber weiter weg), die genau dieselbe Uferböschung hat, ein Mädchen ertrank...
Die Böschung an der Unfallstelle (die vorher seit etwa 60 Jahren offen war) wurde umgehend abgezäunt, so daß keiner mehr ans Wasser kommt, und dito geschah es mit der Wiese, die nun wirklich nur ein sehr temporäres "Gewässer" bildet. Für ca. 350 Tage im Jahr ist es blanke Wiese, nur dann und wann bildet sich maximal 0,5 m Wasserstand (über einen Meter hohe Überschwemmung kam seit 1982 nur zweimal vor), ansonsten führen nur zwei flache Gräben (etwa 15- 30 cm tiefes Wasser) hindurch. Die äußerst seltene Ansammlung höheren Wassers reichte indes den Verantwortlichen bereits, massenhaft ertrunkene Kinder zu wähnen, so daß im Frühjahr diesen Jahres die Wiese wie zu sehen hoch und geschlossen umzäunt wurde, mit nur noch einem abschließbaren Zugang (nachdem seit 1950 bis heute an Ort und Stelle just gar nix passierte)... Damit steht die Birke nun absolut abgeschottet, und wird sicherlich solange stehen, bis sie eines Tages von selber umfällt.

Grüße, Andreas
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baumlaeufer
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Re: Häretischer Thread - Häßliche Bäume

Beitrag von baumlaeufer »

$crooge hat geschrieben: Jetzt mal was anderes: Kennt Ihr Bäume, bei deren Anblick Ihr Euch ertappt, wie Ihr im Geiste schon die Axt ansetzt?
......
Aber vielleicht habt Ihr ja auch Bilder in der Richtung, dann könnt Ihr sie hier einstellen - und diskutieren: es gibt ja schließlich auch Bäume, die sind so häßlich, daß sie schon wieder hübsch sind....

Ja, ich hätte nen Beitrag.. aus der Ästetik..
... ne Fichtenschonung .. jede beliebige .. kurz vor der Durchforstung...aus der Sichthöhe eines Menschen gesehen in die verdörrten Äste und das unterholz .. damit wir später mal nutzenswertes Holz daraus wird.
Oder interessiert irgendein Lebewesen sich für diesen düsteren, mit Nadeln übersäten Bereich??
Foto wird nachgereicht, wenn es nicht genügend beschrieben ist in seiner Häßlichkeit.
Wie gesagt, es geht hier nicht gegen das Endprodukt, die forstliche Nutzung des Holzes. Da brauchen wir nun mal.
Baumlaeufer-Wolfgang

P:S da entsteht bestimmt kein Baumveteran raus. 8) Spätestens der erste kräftige Sturm wird das verbleibende alleinstehende Exemplar umlegen.
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

$crooge
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Beitrag von $crooge »

@ Kiefer: die Birke ist ja auch nicht häßlich, sondern cool... 8)

vielen Dank für die schönen Photos




@ baumlaeufer: ich weiß genau, was Du meinst. Ich kenne aber auch Nadelwälder (überwiegend Fichte), die sehr schön sind - relativ hell und mit "Leben". Ist ein Problem bei den berüchtigten "Schonungen" vielleicht, daß die Bäume sehr eng gepflanzt werden - gerade so, daß die Bäume es verkraften, aber der Boden darunter nicht; so was in Richtung optimale Nutzholzbewirtschaftung, oder so.... :?:

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LCV
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Beitrag von LCV »

Hallo,

da es hier rein um optische Eindrücke geht, muss ich gestehen, dass der Mann mit der Baumsäge oft auch nicht schöner ist. Ich zücke dennoch kein wie auch immer geartetes Werkzeug, um auch ihn in bessere Welten zu befördern.

Gruß Frank

Sebastianii
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Beitrag von Sebastianii »

Mir fällt da so eine veredelte Hochstämmchen-Kugel ein - keine Ahnung welches Gehölz. Jedenfalls ist deren schnurgerade gezogener Stamm bis so 1,75m ca. 15cm breit und dann kurz unter der Krone mit einer Stufe plötzlich nur noch 10 oder noch weniger. Das sieht noch ätzender aus als diese Stecknadel-Bäume sowieso meistens.

kurt
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Beitrag von kurt »

Hallo

Zu diesem Thema kann ich auch einen Beitrag leisten. Es geht um meine einzige Elsässer Quetsche (Zwetschgenbaum). Er hat letztes Jahr und auch die Jahre davor so viele (und herrlich schmeckende) Früchte getragen, dass sich die Zweige darunter so bogen, dass alle nicht abgestützten brachen. Da liess ich ihm nach vorausgehendem Studium von "Fachliteratur" einen Schnitt angedeihen mit dem Ziel, die Hauptäste durch Einkürzen um ca. 1/3 stärker werden zu lassen. Den Erfolg seht ihr auf nachstehendem Foto. Mehrere Aeste sind dürr geworden, andere trieben Wasserschosse wie verrückt, die zentrale Partie abgestorben. Ein Mitleid erregendes Bild eines einst schönen und gesunden Zwetschgenbaumes. Natürlich nicht ein einzige Frucht. Bei einer Eiche wäre diese Reaktion nicht eingetreten. Ansonsten ist es der einzige hässliche Baum, den ich habe.

Gruss
Kurt
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Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Bei so reichem Ertrag würde ich eher die Sysiphusarbeit auf mich nehmen, und die Fruchtansätze ausgeizen, damit die Äste nicht so schwer tragen müssen.
Schnitt zur Stärkung der Stämme hat ja den Zweck, den Ast zu verkürzen, und dessen Schwer- bzw. Knackpunkt mehr in Richtung Stamm, also dickeres Holz zu verlegen, welche Maßnahme aber dann jährlich ausgeführt werden müsste, da ja stets neues Material zuwächst, und damit den kritischen Punkt immer wieder verschiebt...
Stärker, also dicker, wird der Stamm nach Schnitt nur, indem viele Wasserreiser austreiben, die ein enormes Dickenwachstum nach sich ziehen, und damit halt den Stamm stärken. De facto müßte man alle Wasserreiser entfernen, nochmal ein Jahr neue wachsen lassen, dann kann der Stamm teils um 3- 4 cm dicker sein.
Hernach müsste man dann mit dem Neuaufbau der fruchttragenden Zweige aus einigen ausgewählten Wasserreisern beginnen, was wahrscheinlich nicht im Buch stand =/...

Ist auf jeden Fall eine langwierige Sache, diese Methode.
Und wie man sieht, dem Baum nicht immer zuträglich, so daß ich wirklich nen Kasten Apfelsaft und eine Leiter schultern würde, und mich dann ans Fruchtansatz auskneifen machen würde. Macht man in der Tafelobstgewinnung eigentlich auch so. Da hat es die Aufgabe, den meist mickrigen Bäumchen zu viele Tracht zu ersparen (unter der leicht das ganze Bäumchen zusammenbrechen könnte), und andererseits zB top Äpfel zu bekommen, da der Baum die verbliebenen Fruchtansätze dann besonders gut und groß ausbilden kann.

Grüße, Andreas

kurt
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Beitrag von kurt »

Also, der Baum verzweigt sich ca. 50cm über dem Boden in 6 etwa gleich starke "Stämme". Der zentrale, auf dem 1. Bild, ist vermutlich hinüber. Auf dem zweiten und dritten Foto sieht man, wie einer der anderen eine grosse Anzahl senkrecht nach oben strebender Schosse gebildet hat. Andreas, willst du in deinem Beitrag sagen, dass ich an diesem und den anderen Stämmen alle neu gebildeten Schosse abschneiden soll? Kann ich mir nicht so recht vorstellen.

Gruss
Kurt

Andreas75
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Beitrag von Andreas75 »

Das wäre so die Vorgehensweise, um den Stamm schnell dick zu kriegen, habe es nur beschrieben, machen sollst du es freilich nicht!

Es bleibt dir nur, ein paar der Wasserreiser auszuwählen, und daraus die Krone neu aufzubauen =/...

Grüße, Andreas

kurt
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Beitrag von kurt »

Upps

Da habe ich die Bilder vergessen. Hole ich hiermit nach.

Gruss
Kurt
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$crooge
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Beitrag von $crooge »

@ Kurt:

ich finde das Ding sieht (von dem Stumpen in der Mitte mal abgesehen) alles in allem wie ein sehr ordentlicher Strauch aus. Solange Du keinem verrätst, daß es eigentlich ein Baum sein soll, ist das also doch optisch gar kein Problem. :wink:

$crooge
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Beitrag von $crooge »

So, hab' noch mal einen Abstecher gemacht, wegen der Photos.

Ich finde den Baum so schon nicht sonderlich hübsch - aber irgendwo im Wald, oder auf einer Wiese, würde er mich wahrscheinlich nicht stören. Nur wirkt er in dieser Umgebung so grotesk....
...fast wäre man geneigt zu sagen: das Sein bestimmt das Bewußtsein, und die Pflanze hat sich der häßlichen Architektur angepaßt....


Ich bin - so weit es ging - einmal um den Baum rumgelaufen, damit Ihr seht, daß das arme Ding aus wirklich jeder Perspektive häßlich wirkt.
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$crooge
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Beitrag von $crooge »

...und weiter geht's....
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Sebastianii
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Beitrag von Sebastianii »

autsch!

"schöne" Fotos! ;)

Und da fällt mir noch diese Gattung hier ein:
http://i4.photobucket.com/albums/y104/d ... _34322.jpg
Picea omorica 'Pendula Bruns'
- Bei den Kameraden geht mir auch die Kettensäge in der Hose an.

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