Servus
Ich bin neu hier und wollte fragen, ob ihr mir weiterhelfen könnt. Ich gehe nächste Woche nach Italien und möchte dort unter anderem Zistrosenblätter für Tee sammeln. Nun meine Frage, es gibt ja verschiedene Arten, ist eine davon giftig, ungesund, ungeniessbar? Oder kann ich einfach drauflos sammeln?
Liebe Grüße Jaro
Zistrosenarten giftig?
Moderatoren: LCV, stefan, tormi
Re: Zistrosenarten giftig?
Hierzu ist eine differenzierte Betrachtung nötig, de zu unterschiedlichen Meinungen führen kann.
Zunächst mal gibt es keine wirklich stark giftigen Pflanzenteile der ca. 24 Cistusarten, daher sind diese nicht in der mehr als 1000 Pflanzen aufführenden Liste des GIFTPFLANZEN.COMpendium aufgeführt. Auch bei Wikipedia wird keine der Arten in der Auflistung "[urlhttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_giftiger_Pflanzen]Liste giftiger Pflanzen[/url]" geführt.
Anders ist die Bewertung der Verbraucherzentrale die sich an der Veröffentlichung des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und deren Stoffliste des Bundes und der Bundesländer - Kategorie „Pflanzen- und Pflanzenteile“ orientiert.
Demnach sind regelmäßig stark beerntete Bestände durch Anreicherung von Abwehrstoffen Pyrrolizidinalkaloide nur eingeschränkt als Nahrungsergänzungsmittel zu empfehlen bzw. ist davon bzw. von der Verwendung als Tee (In Nahrungsergänzungsmitteln kommen die graubehaarte Zistrose (Cistus incanus) und die kretische Zistrose (Cistus creticus) zum Einsatz) ggf. abzuraten.
Hier wird der Nachweis von Qualitätssicherungsmaßnahmen bzw. eine Novel-Food-Zulassung gefordert.
Die werbenden Aussagen für entsprechende Nahrungsergänzungsmittel mit Bezug auf Krankheiten, eine Stärkung des Immunsystems oder besondere antioxidative Fähigkeiten sind für Zistrose in Nahrungsergänzungsmitteln verboten (keine bewiesene Wirkung), andererseits ist die Zistrose eine traditionelle Heilpflanze im Mittelmeerraum.
Auch wenn es (teilweise) Studien dazu (medizinische Wirkungen) gibt – all diese Aussagen gelten nicht für Nahrungsergänzungsmittel. Denn diese dienen weder der Heilung noch der Linderung von Krankheiten, beides ist Aufgabe von Arzneimitteln. Deshalb werden Nahrungsergänzungsmittel auch nicht auf eine mögliche Wirksamkeit geprüft.
Die Zistrose wurde vermutlich schon deutlich vor Christi Geburt im Mittelmeerraum als Heilmittel genutzt. Volkstümlich werden Zistrosenblätter und Zistrosenkraut innerlich bei Durchfall und Erkältungskrankheiten, äußerlich bei Hauterkrankungen wie z.B. Neurodermitis angewendet - als wirksame Inhaltsstoffe gelten die natürlich enthaltenen Polyphenole.
Cistus als traditionelles Arzneimittel enthält einen genau definierten Trockenextrakt aus Zistrosenkraut (4-9:1, Auszugsmittel: Wasser). Er ist in Lutschtabletten enthalten, die zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum (Indikation) angewendet werden. Allerdings muss diese Wirkung, da es sich um ein traditionelles Arzneimittel handelt, nicht mit den für Medikamente vorgeschriebenen Zulassungsstudien nachgewiesen worden sein. Die Registrierung beruht ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung bei der angegebenen Indikation.
Zistrosen gelten in der EU laut Novel-Food-Katalog als neuartige Lebensmittel außer in Nahrungsergänzungsmitteln. Das bedeutet, dass Zistrosen-Zubereitungen aus oberirdischen Pflanzenteilen zwar in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden dürfen, in anderen Lebensmitteln aber nicht, es sei denn, es gibt eine gültige Novel-Food-Zulassung.
Eine solche gibt es, aber nur für Kräutertees, die aus der Varietät Cistus x incanus L. Pandalis (Kraut) gewonnen werden – mit der Maßgabe, dass täglich nicht mehr als 3 g Kraut (2 Tassen pro Tag) verwendet werden.
Nach alldem müsste eine solche Werbung eigentlich strafrechtlich verfolgt werden!
Doch es sollte jeder seine eigene Meinung zu solchen Verodnungen und Bewertungen entwickeln.
LG Spinnich
Zunächst mal gibt es keine wirklich stark giftigen Pflanzenteile der ca. 24 Cistusarten, daher sind diese nicht in der mehr als 1000 Pflanzen aufführenden Liste des GIFTPFLANZEN.COMpendium aufgeführt. Auch bei Wikipedia wird keine der Arten in der Auflistung "[urlhttps://de.wikipedia.org/wiki/Liste_giftiger_Pflanzen]Liste giftiger Pflanzen[/url]" geführt.
Anders ist die Bewertung der Verbraucherzentrale die sich an der Veröffentlichung des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und deren Stoffliste des Bundes und der Bundesländer - Kategorie „Pflanzen- und Pflanzenteile“ orientiert.
Demnach sind regelmäßig stark beerntete Bestände durch Anreicherung von Abwehrstoffen Pyrrolizidinalkaloide nur eingeschränkt als Nahrungsergänzungsmittel zu empfehlen bzw. ist davon bzw. von der Verwendung als Tee (In Nahrungsergänzungsmitteln kommen die graubehaarte Zistrose (Cistus incanus) und die kretische Zistrose (Cistus creticus) zum Einsatz) ggf. abzuraten.
Hier wird der Nachweis von Qualitätssicherungsmaßnahmen bzw. eine Novel-Food-Zulassung gefordert.
Die werbenden Aussagen für entsprechende Nahrungsergänzungsmittel mit Bezug auf Krankheiten, eine Stärkung des Immunsystems oder besondere antioxidative Fähigkeiten sind für Zistrose in Nahrungsergänzungsmitteln verboten (keine bewiesene Wirkung), andererseits ist die Zistrose eine traditionelle Heilpflanze im Mittelmeerraum.
Auch wenn es (teilweise) Studien dazu (medizinische Wirkungen) gibt – all diese Aussagen gelten nicht für Nahrungsergänzungsmittel. Denn diese dienen weder der Heilung noch der Linderung von Krankheiten, beides ist Aufgabe von Arzneimitteln. Deshalb werden Nahrungsergänzungsmittel auch nicht auf eine mögliche Wirksamkeit geprüft.
Die Zistrose wurde vermutlich schon deutlich vor Christi Geburt im Mittelmeerraum als Heilmittel genutzt. Volkstümlich werden Zistrosenblätter und Zistrosenkraut innerlich bei Durchfall und Erkältungskrankheiten, äußerlich bei Hauterkrankungen wie z.B. Neurodermitis angewendet - als wirksame Inhaltsstoffe gelten die natürlich enthaltenen Polyphenole.
Cistus als traditionelles Arzneimittel enthält einen genau definierten Trockenextrakt aus Zistrosenkraut (4-9:1, Auszugsmittel: Wasser). Er ist in Lutschtabletten enthalten, die zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum (Indikation) angewendet werden. Allerdings muss diese Wirkung, da es sich um ein traditionelles Arzneimittel handelt, nicht mit den für Medikamente vorgeschriebenen Zulassungsstudien nachgewiesen worden sein. Die Registrierung beruht ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung bei der angegebenen Indikation.
Zistrosen gelten in der EU laut Novel-Food-Katalog als neuartige Lebensmittel außer in Nahrungsergänzungsmitteln. Das bedeutet, dass Zistrosen-Zubereitungen aus oberirdischen Pflanzenteilen zwar in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden dürfen, in anderen Lebensmitteln aber nicht, es sei denn, es gibt eine gültige Novel-Food-Zulassung.
Eine solche gibt es, aber nur für Kräutertees, die aus der Varietät Cistus x incanus L. Pandalis (Kraut) gewonnen werden – mit der Maßgabe, dass täglich nicht mehr als 3 g Kraut (2 Tassen pro Tag) verwendet werden.
Nach alldem müsste eine solche Werbung eigentlich strafrechtlich verfolgt werden!
Doch es sollte jeder seine eigene Meinung zu solchen Verodnungen und Bewertungen entwickeln.
LG Spinnich
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -
- Georg Christoph Lichtenberg -