Insektenzählung

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Spinnich
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Insektenzählung

Beitrag von Spinnich »

Selbst auf meinem Balkon mit einem bunten Blütenmix aus Geranien, Pelargonien, Wildpelargonie (P. reniformae), Blaue Mauritius (Convolvulus sabatius), Küstenstrandstern (Pallenis maritima), Delosperma cooperi, Aptenia cordifolia, Portulaca grandiflora, Fuchsien, Bougainvillea, Basilikum, Agastache und Wunderblume, ist die Anzahl der Blütenbesucher doch eher übersichtlich sprich eher rückläufig.
Nur die Honigbiene ist derzeit etwas häufiger vertreten, nachdem sich ein Bienenvolk im Kamin des Nachbarhauses eingenistet hat.
Gut 12 Bienen (Apis melifera) aber nur eine Hummel, eine Holzbiene, einige (sehr klein und wuselig, daher schwer zu zählen) Wildbienen, vermutlich Scherenbienen (Chelostoma), aber auch kaum mehr als ein Dutzend, wobei wegen der aufgesuchten Blüten Convolvulus, Delosperma und Pallenis unterschiedliche Arten wahrscheinlich sind. Dann 2 Schwebliegen, 1 Kohlweißling und einige weitere Fliegen (Schweißfliege, Stubenfliegen, Goldfliege) war das Gesamtresultat meiner Zählung vor einigen Minuten.
Die Hummeln waren schon mal zahlreicher, aber dieses Jahr meist nur 2-3 gleichzeitig (max. 5) und die Holzbienen waren nur im Frühjahr mit bis zu 3 Tieren normal vertreten. Kleinere Wildbienen sind noch eher zu beobachten, da wechseln sich die verschiedenen Arten ab. Käfer(z. B. Bienenwolf), Wanzen, Heuschrecken und weitere Schmetterlingsarten sieht man auch ab und an, jedoch nie zahlreich. Erschreckend finde ich die geringe Anzahl der Schwebfliegen, die vielleicht in 4-5 Arten in diesem Jahr aufgetreten sind, aber noch nicht mal ein halbes Dutzend gleichzeitig zu sehen waren.
In den Vorjahren konnte man durchaus ein bis zwei Dutzend aus verschiedenen Arten herumwuseln sehen.
Das stimmt mich doch sehr nachdenklich.

Im Garten an Buddleja und an Ysop sieht es bei Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen auch so aus, als wäre die Anzahl der Besucher mindestens halbiert.

Könnt ihr ähnliche Rückgänge beobachten.
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

quellfelder
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Re: Insektenzählung

Beitrag von quellfelder »

Hallo Spinnich,

bei den Schwebfliegen kann ich Deine Beobachtungen teilen. Es gibt nur eine überschaubare Anzahl von Arten. Bei den Bienen sind es noch weniger. Von den Wespen will ich ganz schweigen. Insgesamt ist das Ergebnis niederschmetternd!

Viele Grüße

quellfelder

Spinnich
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Spinnich »

Bei den Wespen sind zumindest die Feldwespen bei mir noch häufiger zu finden. Gerne schwirren sie zur Zeit in meinen Wohnräumen, wo sie aber weniger lästig sind, als die Gemeine oder die Deutsche Wespe. In 3 Räumen sehe ich sie auch regelmäßig an 3 Exemplaren meiner Safranmalven = Turnera ulmifolia naschen, die an den Blättern ein klebriges zuckersüßes Sekret absondern.
Nebenbei sind Wespen zwar selten auf den Balkonpflanzen, aber treue Bestäuber und Besucher meines Kletter-Spindelstrauch (Euonymus fortunei) und auch an Weinraute sind sie gerne an den Blüten.
Derzeit sehe ich sie regelmäßig im Garten auf der späten Doldenblüte des Bronzefenchel.
Vor einigen Wochen haben sie auch die Doldenblüten des Bischofskraut (Ammi visnaga) in meinem Gewächshaus regelmäßig beflogen.
Dort hat es ihnen wohl so gefallen, dass sie gleich am Giebel an der Front und an der Rückseite Waben gebaut haben. Zunächst war es mir gar nicht aufgefallen, denn diese Wespen verhalten sich doch sehr friedfertig (habe auch schon aggressive Wespennester beobachtet).
Mal sehen, wie es dieses Jahr um die Hornissen steht.
Da fand ich häufig Nester bei den spät-sommerlichen Fledermauskasten-Kontrollen.
Da braucht es dann manchmal etwas Fingerspitzengefühl, wen man einen Kasten öffnet, denn nicht immer machen sich die Hornissen schon vorher bemerkbar.

Ein kleines Insektenfund-Highlight war vor wenigen Tagen ein Kellerbesucher, den ich erstmals beobachten konnte, ein Schwarzes Ordensband, Mormo maura hatte sich dort hin verflogen. Wie viele der früher noch weit verbreiteten und häufiger vorkommenden Arten ist leider auch dieser beeindruckend große Falter (Flügelspannweite von 63 bis 74 Millimetern) inzwischen schon in vielen Bundesländern als gefährdet eingestuft. Weiter im Norden kommen diese Falter allerdings ohnehin schon immer nur vereinzelt vor.

LG Spinnich :)
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Cryptomeria
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Cryptomeria »

Bei uns gab es dieses Jahr sehr wenige Schmetterlinge, sehr viele Hummeln, Feldwespen + soziale Faltenwespen ( germanica + vulgaris ) geringer aber vorhanden, keine Hornissen, Schwebfliegen auch wenige.
VG Wolfgang
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Spinnich
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Spinnich »

Da die schlechten Lebensgrundlagen für die meisten Insektenarten sich schon seit einigen Jahren 'Bestands mindernd' auswirken, denke ich schon, dass zusätzlich diese letzten trockenen Hitzejahre bei einigen angeschlagenen Populationen verheerende Auswirkungen hatte.
Trotz der diesjährigen Julitrockenheit war es dieses Jahr nicht ganz so extrem und daher hoffe ich, dass es nächstes Jahr wieder eine leichte Regeneration der eingebrochenen Bestände geben könnte.

LG Spinnich :|
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AndreasG.
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Re: Insektenzählung

Beitrag von AndreasG. »

Richtige Magnete für diverse Arten (meistens Schwebfliegen) waren bei mir verschiedene Doldenblütler wie Fenchel oder Petersilie.
Die habe ich blühen lassen und da kamen auch viele Gäste.

Dieter_
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Dieter_ »

Mir kommt es so vor, als hätten wir in diesem Jahr tatsächlich wieder eine etwas größere Vielfalt an Insekten im Garten.
Das Etwas ist allerdings bewusst vorsichtig gewählt, weil man selbstredend nicht von der Diversität und Menge vergangener Jahre sprechen kann.
Es bleibt die einfache und bekannte Regel - dort, wo Vielfalt an Pflanzen zugelassen wird, findet sich eben auch Insektenvielfalt.
Wenn man im Umland lediglich auf abgemähte Wiesen schaut, darf es nicht verwundern, dass keine Hummel zu sehen ist.
Viele Hummeln lassen sich auf den auch von dir aufgezählten Garten- und Balkonpflanzen nieder.
Auch Falterarten und Wespen sind vertreten.
Und dort, wo es das Habitat hergibt, lassen sich auch einige Spinnenarten entdecken (bspw. zwischen Uferbefestigungssteinen am Gartenteich).
Gerade die Hummeln sind in diesem Jahr zahlreicher vertreten.

Fazit: Nach meiner bescheidenen „Laienbeobachtung“, finden sich in klimatisch etwas besseren Jahren (Regen...) auch zum Teil „verschollen“ geglaubte Arten wieder. Bspw. vermisste ich besonders in den vergangenen zwei regenlosen (!) Jahren die Schwalbenschwärme in unseren Straßen. In diesem Jahr ist die damals gewohnte Zahlenstärke beinahe erreicht.

Gruß Dieter.

Cryptomeria
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Cryptomeria »

Ich kann Dieter nur zustimmen. Dort , wo Nektarspender ( Blüten ) und Raupenfutterpflanzen ( Gräser usw. ) in Gärten und im Umland vorkommen, findet man auch verhältnismäßig häufig noch viele Insektenarten. Da dies aber in vielen Gegenden nicht der Fall ist, ist dort auch die Insektendichte gering.
VG Wolfgang
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Dieter_
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Dieter_ »

Ich möchte noch hinzufügen, dass in diesem Jahr zahlreiche Taubenschwänzchen an meinen Balkonpflanzen zu beobachten sind.
Wie übrigens auch im letzten, regenlosen, Jahr.

Vor einigen Jahren, als das Gesamtklima in unseren Breiten noch wesentlich rauer war, kamen diese Falter kaum vor.

Gruß Dieter. :)

Spinnich
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Spinnich »

Fazit: Nach meiner bescheidenen „Laienbeobachtung“, finden sich in klimatisch etwas besseren Jahren (Regen...) auch zum Teil „verschollen“ geglaubte Arten wieder. Bspw. vermisste ich besonders in den vergangenen zwei regenlosen (!) Jahren die Schwalbenschwärme in unseren Straßen. In diesem Jahr ist die damals gewohnte Zahlenstärke beinahe erreicht.

Gruß Dieter.
Die Schwalben waren auch bei uns vor wenigen Jahren stark rückläufig und in meiner Region waren nicht nur die beiden letzten Jahre sehr warm und niederschlagsarm. Seit Anfang Juli hat es schon fast gar nichts mehr geregnet. Trotzdem sind bereits seit letztem Jahr die Bestände an Schwalben deutlich gestiegen. Im letzten Jahr hatte ich (relativ spät) 2 wieder besiedelte Schwalbennester (vermutlich hatten diese Nachzügler an begehrteren Nistplätzen keinen freien Platz mehr gefunden. In diesem Jahr gab es regelrechte Kämpfe um diese beiden Nester, derartige innerartliche Aggressionen hatte ich nie zuvor bei Schwalben beobachtet.
Auch ein altes Rotschwänzchennest auf einem Brett in der Nähe wurde sorgfältig durch die Schwalben geräumt. Die unterlegenen Schwalben Paare haben dann notgedrungen an meiner Hausfassade 2 weitere neue Nester errichtet. Soweit ich beurteilen kann waren alle 4 Bruten erfolgreich.
Am Haus einer Verwandten ging die Aggression der Schwalben soweit, dass zuerst ein Sperling samt Gelege (Eier und Jungvögel!) aus einem zuvor okkupierten Schwalbennest rausgeworfen wurde.
Dann wurde später auch noch ein Schwalbengelege aus einem anderen umkämpften Brutplatz von den aggressiven Artgenossen aus dem Nest befördert.
Bei den Kämpfen verbissen sich die Schwalben häufig in die Schwanzfedern der Kontrahenten, wenn diese ein Nest anflogen.

Ich würde daher bei der Ab- bzw. Zunahme der Schwalbenpopulation andere Faktoren vermuten.
Beobachten konnte ich z. B., dass nach einem sogenannten Mäusejahr, welches die Bruten der Greifvögel begünstigte, im darauf folgenden Jahr nach dem völligen Einbruch der Mäusepopulation unsere zahlreichen Turmfalken gezielt Jagd auf Schwalben machten und besonders gerade erst flügge gewordene Jungtiere regelmäßig erbeuteten.

Das Taubenschwänzchen ist bei uns schon sehr lange immer mal im Hochsommer/Spätsommer zu sehen. Durch die Klimaänderung allerdings nun auch schon mal früher im Jahr.
Die Bestände sind aber bei diesem Wanderfalter von der Anzahl der regelmäßigen jährlichen Zuwanderung abhängig, wie bei etlichen Schwärmerarten.

Ohne solche von Süden zuwandernden Schwärme kommen dagegen Kiefer- u. Pappelschwärmer aus und auch das Abendpfauenauge.
Auch die großen blauen Holzbienen sind nach strengen, frostigeren Jahren immer noch von einem Zuwachs/Nachschub aus Süden abhängig.

Bei uns könnten hier zahlreiche Holzbienen dem Starkfrost Mitte Mai zum Opfer gefallen sein.
Zuletzt habe ich aber wieder vermehrt diese Art im Garten, besonders an Cosmea gesehen (im Frühjahr hatten sie noch in den Mohnblüten "gebadet").
Ob die frühen Holzbienen jetzt durch Zuzug ersetzt wurden ist möglich, aber auch, dass es sich um Nachkommen handelt, denn diese fliegenab August und paaren sich im Folgejahr. Dann fliegen Weibchen in den Monaten April (Jan./Feb) bis August (und wohl auch länger).

LG Spinnich :)
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Merkur
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Merkur »

In diesen Jahr haben wir hier eine extreme Wespenplage, der Garten Indem ein großer Birnbaum steht ist komplett von der gelb schwarzen Brigade eingenommen worden. Ist schon lange her das es so schlimm war, wer mag kann ja Mal zählen :D
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Cryptomeria
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Cryptomeria »

Oh, das sieht ja ( fast ) beängstigend aus. Bei uns dagegen in Angeln weniger Wespen + Hornissen als in den letzten Jahren.
VG Wolfgang
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Spinnich
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Spinnich »

Etwa die doppelte bis 3-fache Anzahl siedelt in meinem Gewächshaus, allerdings brave Feldwespen, die niemanden wirklich stören.
Man muss also differenzieren.
LG Spinnich :roll:
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Cryptomeria
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Re: Insektenzählung

Beitrag von Cryptomeria »

Hier das dürfte Vespula germanica sein und damit ist in Nestnähe Vorsicht geboten. Keine Erschütterungen, nicht in die Einflugschneise stellen, nicht zu nah dran, sollte alles gut gehen bis das Nest im Herbst zugrunde geht.
VG Wolfgang
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