Pilzbefall an alter Buche

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Jumadri
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Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von Jumadri »

Hallo,
kann mir jemand sagen was für ein Pilzbefall das ist? Finde nur Horrormeldungen im Netz aber die Bilder der Pilze stimmen nicht überein. Der Pilz ist erst seit wenigen Tagen da und schon riesig wie man sieht, wächst aus den Wurzeln. In der Krone gibt es Kahlstellen (ein sehr großer Ast, ca 1/20 der Krone) plus etliche kahle Spitzen an kleinen Zweigen. Können wir irgendwas tun? Pilze abschneiden, bringt das was?
DANKE vorab
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bee
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von bee »

Hallo,
das sind ganz junge Riesenporlinge, Meripilus giganteus.
Sie kommen farblich etwas intensiv daher, das liegt aber im Rahmen des Möglichen.
Ganz sicher wäre es (und zur Überprüfung), ein kleines Stück abzumachen und dann müsste man eine Schwarzfärbung an den Schnittkanten, aber auch auf der Oberfläche sehen können (innerhalb von kurzer Zeit, manchmal dauert es auch viele Minuten bis ca. 1 Stunde).
https://de.wikipedia.org/wiki/Riesenporling

Das Myzel sitzt im Holz, der Baum ist geschwächt, da kannst du leider gar nichts machen. Man kann aber (wenn die Bestimmung sicher ist) den Pilz essen (wenn einen die Schwärzung nicht stört). Entfernen hilft aber nicht dem Baum.
Mein erster Fund des Pilzes war an einer alten Buche auf dem örtlichen Friedhof, das war 2008, und der Baum steht immer noch und sieht auch normal (d.h. vital, zumindest bei oberflächlicher Betrachtung) aus.
Viele Grüße von bee

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bee
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von bee »

Jetzt habe ich doch noch was gelesen (kenne mich aber nicht damit aus): die Behandlung des Pilzes mit einem "Gegenpilz". Trichoderma.
Müsste man sich mal schlau machen ...
Viele Grüße von bee

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bee
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von bee »

Viele Grüße von bee

Jumadri
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von Jumadri »

Mega, vielen Dank! Lese mir das gleich mal alles durch

Yogibaer
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von Yogibaer »

Der bzw. die (?) Bäume weist/weisen schon Kronenverlichtung/en auf. Das Ausmaß der Stamm/Wurzelschädigung durch die Weißfäule kann man aber anhand von Bildern von außen nicht erkennen. Da muss ein Baum-Gutachter mit entsprechenden Gerät hinzugezogen werden um das Ausmaß festzustellen.
Meine persönliche Meinung und langfristig günstigste Lösung wäre den Baum demnächst zu fällen bevor er Schaden anrichten kann und einen neuen zu pflanzen.
Gruß Yogi

Jumadri
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von Jumadri »

Danke Yogi. Die Buche ist ca. 200 Jahre alt, ich finde sowas fällt man nicht einfach mal eben ohne zu versuchen sie zu retten. Der Baum ist die Heimat eines Buntspechtpärchens, Eichhörnchen und zahllose Vögel sind ständig im Baum. Der Baum gehört zum Haus. Ein kleiner könnte ihn zu meinen Lebzeiten unmöglich ersetzen. Und bei dem was ich gelesen habe, würde der Pilz auf einen neuen Laubbaum wohl auch gleich wieder losgehen :-/

Jumadri
Beiträge: 5
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von Jumadri »

Ergänzung: In zwei Wochen kommt ein Spezialist

Yogibaer
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von Yogibaer »

Dann berichte bitte mal was die Diagnose ergeben hat.
Gruß Yogi

Jumadri
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von Jumadri »

Hallo @bee und @Yogibaer,
viele Wochen später sind wir etwas schlauer. Dank der Trichoderma Links von bee habe ich eine Schweizer Firma gefunden, die Trichoderma herstellt und zb. in HongKong schon drei heilige Lebensbäume damit gerettet hat.
Diese Firma habe ich kontaktiert, nachdem ich bei uns am Ort vergeblich versucht habe, einen Baumpfleger zu finden der sich damit auskennt. Die 'normalen' Gärtner die den Baum gesehen haben wollten einfach gleich fällen.
Die Firma MycoSolutions (https://mycosolutions.swiss/ ) hat mir dann einen Kontakt in Deutschland vermittelt, zu unserem großen Glück sogar ganz in der Nähe, Dr. Kutscheidt. Herr Dr. Kutscheidt (www.dergesundebaum. de) macht u.a. auch für die Städte hier Gutachten zur Standfestigkeit von Bäumen und kennt die Behandlung mit Trichoderma.
Nach einer Erstbesichtigung bestätigte er bees Vermutung dass es sich um Riesenporling handelt und schlug erstmal einen Zugtest vor, um zu ermitteln wie standfest die befallene Buche noch ist und ob es Sinn macht sie zu behandeln. Der Zugtest fand knapp zwei Wochen später statt, es wurden mehrere Messgeräte am Baum befestigt und dann wurde nacheinander in zwei Richtungen gezogen. Einer der Vorteile dieses Tests ist, dass keine Wurzeln oder Stücke aus dem Stamm herausgeschnitten werden müssen und so der Baum nicht noch weiter geschwächt wird, zudem bekommt man sehr präzise Angaben. Allerdings gibt es weltweit wohl nur 35 dieser Geräte bisher. Wir bekamen anschließend ein Gutachten, es wurde genau berechnet welche Kronenfläche der Baum hat, wieviel Windlast er aushalten muss und wie er sich bei Windstärke 12, also einem Orkan, verhalten würde. Die eine Zugrichtung war komplett im grünen Bereich, die andere bewegte sich in Richtung gelb, also noch nicht Fällen aber Handlungsbedarf.
Die Empfehlung:
- ein Kronenrückschnitt um 4-5m, um auch in der kritischeren Zugrichtung schnell den Druck zu nehmen. Bei 19,5m Höhe können wir das verschmerzen
- eine 4jährige Behandlung mit Trichoderma um den Riesenporling zu verdrängen bzw. "aufzufressen" (4x in Jahr, 4 Jahre lang)
- einmalige Gabe von Mycorrhiza zur Stärkung des Baums (www.mycorrhiza. de)
@Yogibaer hatte insofern Recht, dass Fällen und einen neuen Baum zu pflanzen wohl günstiger gewesen wäre (je nach Größe des neuen Baums :-)), aber wir sind einfach nur froh dass wir die alte Buche retten können wies aussieht. Und wenns so richtig stürmt bin ich jetzt auch wieder entspannt.

Die Kosten sehen wie folgt aus:
- 1.100 Euro Zugversuch
- ca. 1.500 Euro Kronenrückschnitt (hätten aber eh das Totholz entfernen müssen)
- 220 Euro Trichoderma pro Jahr, also 880 Euro
- 40 Euro Mycorrhiza

Was wir uns (hoffentlich) sparen ist das Fällen des Baums, was natürlich auch kräftig zu Buche geschlagen hätte.

Hab mir sagen lassen der Klimawandel schädigt und stresst sehr viele Bäume... ich hoffe der Post hilft den ein oder anderen nicht gleich aufzugeben.

DANKE an dieses Forum und besonders an @bee

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bee
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Registriert: 17 Okt 2008, 17:38
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Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von bee »

Hallo,
dann wünsche ich gutes Gelingen!
Vielleicht gibt es ja auch mal Neuigkeiten oder Erfolge zu berichten.

Ich selbst kenne mich - wie gesagt - nicht damit aus, auch nicht mit Kronenreduktion oder mehr oder weniger radikalem Rückschnitt. Ich habe nur letztens fast einen Entsetzensschrei losgelassen, als ich eine ehemals wunderschöne Buche sah (Privatgelände, Stamm sehr dick, aber von der Straße nicht einsehbar), die radikal ... ja muss man sagen ... ver.... wurde. Die Gründe kenne ich natürlich nicht, die Zweige ragten auch sehr über eine öffentliche Straße - vielleicht haben Vorschriften und Verkehrssicherheit das notwendig werden lassen.
Die stark beschnittenen "Stummelreste" hatten auch zum Teil im Frühjahr nicht richtig ausgetrieben.
Keine Ahnung, wie das da weitergeht - ich habe gar nicht mehr hingeschaut.
In voller Pracht:
http://www.baumkunde.de/forum/viewtopic ... len#p97471
Viele Grüße von bee

biloba
Beiträge: 1739
Registriert: 07 Nov 2005, 10:38
Wohnort: Gera

Re: Pilzbefall an alter Buche

Beitrag von biloba »

Herzlichen Dank dafür, dass Du uns auf dem Laufenden gehalten hast. Insbesondere die Kostenaufstellung war mal sehr lesenswert.

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