warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

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fockea
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warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von fockea »

Mal ganz einfach gefragt:
warum sollte man nur mit einheimische Gehölzen aufforsten ?
Wäre nicht eine Beimischung dem Klimawandel verträglichere Gehölze möglich ?
Was spricht dagegen ?
Gesetzlich verboten ? Keine gute Idee bezüglich der Insekten ?
2 te Frage:
ist die Douglasie einheimisch ?
Lass mich da gern mit Fakten belehren !
Fockea

nobbi
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von nobbi »

Es gibt Gehölze, die schon seit Jahrhunderten hier eingebürgert sind. Z.B. die Roteiche und der Silberahorn. Beide stammen aus Nordamerika, haben die heimischen Arten aber nicht beeinträchtigt oder verdrängt. Auch die Douglasie stammt aus Nordamerika und scheint sich hier wohlzufühlen. Auf jeden Fall kommt sie besser mit dem jetzt schon veränderten Klima zurecht. Man könnte aber befürchten, dass sie die heimische Fichte verdrängt. Das würde zumindest auf unsere Mittelgebirge zutreffen. Die Fichte ist aber eher ein Hochgebirgsbaum und wurde in den Mittelgebirgen schon vor Jahrhunderten angepflanzt, da sie schnell wächst. Das rächt sich jetzt besonders nach den zwei Dürrejahren. Es gibt aber auch schon Forstwirtschaft mit der Douglasie bei uns, sie wächst schneller und ihr Holz ist härter als das der Fichte. Ob sie aber durch unkontrollierte Vermehrung zum Problem in natürlichen heimischen Mischwäldern werden könnte ist mir nicht bekannt.

Was andere nicht heimische Baumarten angeht die hier auch schon wachsen, da weiß ich wenig drüber. Auch wie Insekten und sonstige Tierarten damit zurechtkommen weiß ich leider auch nicht. Wenn ich aber sehe, wie viele nicht heimische Baumarten in vielen Gärten stehen, kann ich mir nicht vorstellen, dass da was verboten ist. Was ich aber mal wohl weiß, ist die Tatsache, dass die immer beliebter werdenden Tujas und Tujenhecken von unseren Vogelarten und wahrscheinlich auch zum Nestbau nicht angenommen werden. Wie die Insekten damit zurechtkommen ist mir nicht bekannt.
Gruß Norbert

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LCV
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von LCV »

Man muss das im Einzelfall testen. Ein Baum im Garten schadet erst
einmal kaum, aber man kann sehen, ob Insekten und andere Tiere ihn
annehmen. Es gibt Pflanzen, die hier eingeschleppt wurden, die aber
hochgradig invasiv sind und einheimische verdrängen. Springkräuter,
die indische Scheinerdbeere, Fallopia, aber auch die Robinie. Die wurde
wegen der Holzqualität eingeführt, ist auch bei Insekten beliebt, unterwandert
aber z.B. die Auwälder am Oberrhein ganz erheblich durch ihre Wurzeln.

Wenn die in meinen Augen langweilige Fichte durch Douglasien dezimiert
würde, wäre mir das ziemlich egal. Sollten sich die klimatischen Bedingungen
weiter so verändern, dann regelt sich das ohnehin. Was nicht mehr klar
kommt, verschwindet. Die Temperaturen werden steigen, egal was unsere
Politiker jetzt tun und welche Restriktionen sie verhängen. Die Natur passt
sich dem an.

Cryptomeria
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von Cryptomeria »

Im Forst gibt es auch schon lokal Versuchspflanzungen. Letztens sah ich einen Beitrag , ich meine aus Bayern, da versucht man sich auf trockenen Standorten an Cedrus libani. Man muss sicherlich dort stark umdenken, wo man zukünftig Holz ernten möchte.
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

nobbi
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von nobbi »

LCV hat geschrieben:
22 Mär 2020, 09:28
Man muss das im Einzelfall testen. Ein Baum im Garten schadet erst
einmal kaum, aber man kann sehen, ob Insekten und andere Tiere ihn
annehmen. Es gibt Pflanzen, die hier eingeschleppt wurden, die aber
hochgradig invasiv sind und einheimische verdrängen. Springkräuter,
die indische Scheinerdbeere, Fallopia, aber auch die Robinie. Die wurde
wegen der Holzqualität eingeführt, ist auch bei Insekten beliebt, unterwandert
aber z.B. die Auwälder am Oberrhein ganz erheblich durch ihre Wurzeln.

Wenn die in meinen Augen langweilige Fichte durch Douglasien dezimiert
würde, wäre mir das ziemlich egal. Sollten sich die klimatischen Bedingungen
weiter so verändern, dann regelt sich das ohnehin. Was nicht mehr klar
kommt, verschwindet. Die Temperaturen werden steigen, egal was unsere
Politiker jetzt tun und welche Restriktionen sie verhängen. Die Natur passt
sich dem an.
Jetzt fällt mir doch noch etwas zur Robinie ein. Sie wurde wegen ihrer Wurzeln auch eingeführt, um Bahndämme zu befestigen. Im Bereich längst stillgelegter Bahnlinien hat sie sich auch in der Nähe meines Wohnortes tatsächlich ganz schön ausgebreitet.
Auch das Problem mit den eingeschleppten Kräutern im Bereich der Ruhr beobachte ich schon seit miner Kindheit und Jugend.
Gruß Norbert

biloba
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von biloba »

fockea hat geschrieben:
22 Mär 2020, 01:24
Keine gute Idee bezüglich der Insekten ?
Doch!
Die sind eine gute Idee, gerade wegen ihres Verhältnisses zu heimischen Insekten.

Ginkgo, Platane usw. gelten vor allem deshalb als so robust, weil sie für heimische Insekten nahezu nutzlos sind und von denen kaum angeknabbert werden. Hat schon mal jemand Blattläuse auf denen gesehen?

Lange Zeit galt das auch für die Kastanien, die relativ robust waren. Doch vor einigen Jahren hat die Miniermotte den Sprung über die Alpen geschafft und bereichert die hiesige Fauna. Wie es ausging, ist Dir bekannt.

Bei Platanen und Gingkos ist zu erwarten, dass irgendwann hier in Mitteleuropa irgendein Fressfeind hier heimisch wird. Der Ginkgo hat schon einen Feind gefunden. Dann werden die auch angefressen, wie heute die Rosskastanien.


Optimistische Grüße!

Spinnich
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von Spinnich »

Na ja ich sehe das von 2 Seiten.

Nicht einheimische Gehölze sind vielleicht auch schon mal hier gewachsen - vor den Eiszeiten - oder vieles was wir als heimischen sehen, ist ja in Wirklichkeit durch Handelsbeziehungen und Völkerwanderung als Nutzpflanze hier erst eingebürgert worden.
Manche Gewächse, auch Gehölze können solange bedenkenlos als Zier oder als Nutzpflanze (z.B.) forstlich eingesetzt werden, solange sie nicht invasiv sind und/oder in Monokulturen angebaut werden.
Als Nektarpflanzen werden nach einigen Studien viele fremde Arten auch von einheimischen Insekten genutzt.

Leider sieht es aber abgesehen von der Verdrängungsgefahr und der Gefahr mit den Gewächsen auch Parasiten und Krankheiten einzuschleppen anders aus wenn man die Nutzung solcher Pflanzen auf die Nahrungs-Tauglichkeit für viele bedrohte Insekten und Tierarten beleuchtet.

Wenn es schon in der Agrarlandschaft und den Forsten keine Fortpflanzungsmöglichkeiten für bedrohte, seltene Arten mehr gibt, sollte man doch, wo es möglich ist, auch im eigenen (Obst-)Garten ein paar einheimische Wildpflanzen gedeihen lassen. Noch besser wäre natürlich endlich mit Heckenrodung, Umbruch von Wiesen, Uferrandflächen, etc. aufzuhören, weniger Gift zu spritzen und den Flächenverbrauch einzudämmen.

Ich sehe jedenfalls keinen Frevel darin, wenn Osterluzei im Garten gepflegt wird, auch nicht wenn dort Osterluzeifalter angesalbt werden.

Lg Spinnich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Chelterrar
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von Chelterrar »

Moin,

Ich sehe das teilweise ähnlich wie die Vorredner, im Vergleich zu ähnlichen Breitengraden in Asien oder Nordamerika ist Mitteleuropa äußerst artenarm. So sind in den letzten Eiszeiten viele Vertreter (Magnolien, Zypressen usw.) die es zuvor auch in Europa gab, einfach ausgestorben, während sich ein kleiner Teil auf den Balkan und nach Spanien retten konnte. Dieser kleine Teil eroberte durch die Klimaverbesserung dann sehr langsam wieder Mitteleuropa, wobei diese auch immer ihre natürlichen Feinde mitbrachten und so zumindest vielen Tieren einen Lebensraum spenden konnten. Und das ist eben der Punkt, der heimische Pflanzen enorm von den Neophyten abhebt, die Wechselbeziehungen mit der heimischen Fauna.

Was nützen die 1-2 Monate mehr Blütezeit des Buddlejas den seltenen Schmetterlingen, die nicht mehr existieren, weil deren Futterpflanzen verdrängt worden sind und nirgend angepflanzt werden? Was nützt eine Douglasie oder ein Ginkgo irgendeinem Bockkäfer wie z.B. dem großen Eichenbock, der jedoch diese als Lebensraum nicht nutzen kann und nur durch absterbende heimische Eichen oder auch Buchen überleben kann?
Da die meiste Biodiversität bei solchen Nahrungsbeziehungen nur zu erreichen ist, wenn heimische Pflanzen gepflanzt werden, die vielen Tieren einen Lebensraum spenden können und Neophyten dies meist immer nur im geringeren Maße können und seltenen Arten keinen Mehrwert bieten, wäre es im Sinne des Artenschutzes am besten, wenig bis keine Neophyten zu pflanzen.
Es gab hierzu im Forum mal so eine Liste, wo abgelesen werden konnte, wie viele Tierarten auf bestimmten Pflanzen leben können. So konnte auf der Salweide eine Artenzahl von über 100 erreicht werden, während die Walnuss, die auch schon seit "Jahrhunderten" hier zugewandert ist, auf weniger als 5 oder so kam. Das unterstreicht nur nochmal dass es eben um mehr geht, als bloße Herkunft.

LG Chelterrar

fockea
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von fockea »

Ich kam auf meine Frage, weil mich ein Forstmann darauf hingewiesen hat, dass er sich nicht trauen würde ein paar Ginkgo oder Osagebäume oder ähnliches zu seinen Aufforstungen zu stellen. Er rechnet mit Protesten von Rechtgläubigen.( hat er so gesagt)
Ich habe nun die Gelegenheit zu probieren und darf berichten, dass auf sandigen Boden in einer trockenen Ecke Deutschlands z. B. Cedrus atl. libani
Sequoia giganteum , Indigo, Maclura, Gymnocladus , Eucommia ulmoides und einige mehr wunderbar gedeihen, während ich mich um meine Kiefern kümmern mußte.
Die amerikanischen Kastanien ( Aesc. glabra, parviflora, flava) haben keine Probleme mit der Miniermotte, während die Asiaten Aesc. turbinata Aesc.chinensis so sehr gemocht werden,mehr als die einheimische Asc. hipp.Oder haben die ihre eigene Miniermottenart?
Wenn das nun mit den Fichten nicht mehr so klappt ist meine Frage dazu: welche anderen Insekten profitiern denn so von der Fichte ?
Den Borkenkäfer mögen wir ja nun nicht mehr.
Ich möchte hier nicht an heiligen Dogmen rütteln. Nur mal fragen !
Fockea

Cryptomeria
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von Cryptomeria »

Man muss hier, denke ich , ein bisschen differenzieren. Im Forst will man Holz ernten, d.h. möglichst gesunde, astreine Stämme. Je weniger Insektenbefall desto besser. Hier könnte man für die Zukunft Cedrus libani und viele andere gemischt ( Sequoiadendron wird auf trockenem Standort nicht gedeihen, das zeigen viele ältere mit Wipfeldürre ) pflanzen, dazu muss man experimentieren. Und ganz wichtig, der Bevölkerung dies erklären.
Im Naturwald ( die Fläche sollte in Deutschland vergrößert werden ) sollte man keine der genannten Arten einbringen, sondern den Wald sich selbst entwickeln lassen oder einheimische Eichen, Eschen,Erlen usw. ( je nach Standortbedingungen ) einstreuen. Das muss man aber nicht, die Natur regelt das selbst . Dort kommen diese Arten dann den Insekten zugute. Da gibt es dann auch viel Totholz und vor allem gibt es keine Schädlinge. Schadinsekten gibt es nur im Forst, weil eine Baumart das Schlaraffenland darstellt ( ähnlich wie auf Monokultur Acker ). Im Naturwald wird man punktuell auch Holz ernten, aber viel weniger Ertrag erzielen.
Der Forstmann sollte sich trauen , aber einzäunen und ein Hinweisschild "Versuchspflanzung Klimawandel "und die Pflanzung erläutern. Wir brauchen zukünftig Holz und müssen Arten finden, die vor allem mit hohen Temperaturen und Trockenheit in Mittel- und Süddeutschland zurechtkommen werden. ( Im Norden sieht das etwas anders aus) . Ich vermute, dass wir dann zukünftig mehrere Arten gemischt zur Holzgewinnung pflanzen werden, denn die Insekten werden nachziehen und nach einigen Jahrzehnten auch fremdartige Monokulturen " befallen ". Dort wo einheimischen Eichen und Buchen evtl. noch gut gedeihen, streut man diese natürlich auch bei einer Pflanzung ein, so dass man von den reinen Monokulturen weg kommt.
Bei uns hier oben gibt es übrigens auch eine kleine Versuchspflanzung mit Paulownia, denn bei uns wird es möglicherweise mehr regnen.
VG Wolfgang
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Spinnich
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von Spinnich »

Hallo Fockea,
auch wenn der Artenreichtum in einer Fichtenmonokultur (die ja meistens so nicht natürlich vorkommt) im Vergleich zu Laub- oder Mischwäldern eher gering ist, so gibt es doch auch Lebensgemeinschaften mit der Fichte.
Sicher denkt man zunächst an den Borkenkäfer oder andere Forstschädlinge, wie Sitkafichtenalaus, Fichtenröhrenlaus (Aphis abietina; Synonym: Elatobium abietinum = Liosomaphis abietina) oder die Nonne (Lymantria monacha) einen Trägspinner.
Aber wenn man genauer hinsieht, bietet die Fichte Nahrung für immerhin 29 verschiedene Falterarten!
Wieviele Insekten weiterhin unmittelbar von der Fichte profitieren oder gar auf sie angewiesen sind, das kann ich Dir nicht sagen, aber sicher sind es nicht nur Schmetterlinge, sondern auch andere Insekten und Spinnen oder Wirbeltiere wie Eichhörnchen oder z.B. der Fichtenkreuzschnabel und etliche andere Vögel.
Wenn man sich dann die Lebensgemeinschaft mit Mykorrhizapilzen anschaut, wird klar, dass viele Pilzarten von der Fichte pfrofitieren (fakultativ) oder gar auf sie angewiesen sind. Dass noch etliche weitere Lebensformen wiederum auch von der Lebensgemeinschaft der Pilze mit der Fichte profitieren, ist dann wohl auch leicht einzusehen.
Bei Wikipedia ist das auch unter den Überschriften "Die Mykorrhizapilze der Gemeinen Fichte" und "Artengemeinschaft im Fichtenwald" ganz gut angerissen.
Interessant ist sicher auch der Hnweis zur Eindämmung möglicher Forstschädlinge: " ...besonders die Käfer, können in manchen Jahren, besonders in Fichten-Monokulturen zu gefürchteten Schädlingen werden. Die in letzter Zeit wieder verstärkt vorgenommene Aufforstung von Mischwäldern mit einer gesunden Fauna (natürliche Feinde der schädigenden Arten) wirkt dem aber entgegen und vernichtet nicht zusätzlich auch alle anderen Arten..."

Also sollten wir es dabei belassen, frei nach dem Motto: "Jedem Tierchen sein Pläsierchen"

LG Spinnich
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von biloba »

fockea hat geschrieben:
23 Mär 2020, 23:52
Ich kam auf meine Frage, weil mich ein Forstmann darauf hingewiesen hat, dass er sich nicht trauen würde ein paar Ginkgo oder Osagebäume oder ähnliches zu seinen Aufforstungen zu stellen.
Einfach mal ein paar Bäume pflanzen und nicht an die große Glocke hängen! Eventuell an eine unauffällige Stelle, wo kaum jemand spazieren geht. Fertig!

Wie viele Besucher im Wald würden denn überhaupt bemerken, dass da irgendwelche nicht heimischen Bäume im Wald herum stehen, wenn es nicht gerade eine Araukarie ist?


Ermutigende Grüße!

Cryptomeria
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von Cryptomeria »

Das gab es auch schon früher. Ich kann mich gut an Partien im Wald in Hessen erinnern. Dort standen in Parzellen Jahrzehnte alte Thujas, Scheinzypressen usw. Auch alle einfach eingestreut und recht verborgen.
VG Wolfgang
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von nubbel »

nobbi hat geschrieben:
22 Mär 2020, 06:52
Es gibt Gehölze, die schon seit Jahrhunderten hier eingebürgert sind. Z.B. die Roteiche und der Silberahorn. Beide stammen aus Nordamerika, haben die heimischen Arten aber nicht beeinträchtigt oder verdrängt. Auch die Douglasie stammt aus Nordamerika und scheint sich hier wohlzufühlen. Auf jeden Fall kommt sie besser mit dem jetzt schon veränderten Klima zurecht. Man könnte aber befürchten, dass sie die heimische Fichte verdrängt. Das würde zumindest auf unsere Mittelgebirge zutreffen. Die Fichte ist aber eher ein Hochgebirgsbaum und wurde in den Mittelgebirgen schon vor Jahrhunderten angepflanzt, da sie schnell wächst. Das rächt sich jetzt besonders nach den zwei Dürrejahren. Es gibt aber auch schon Forstwirtschaft mit der Douglasie bei uns, sie wächst schneller und ihr Holz ist härter als das der Fichte. Ob sie aber durch unkontrollierte Vermehrung zum Problem in natürlichen heimischen Mischwäldern werden könnte ist mir nicht bekannt.

Was andere nicht heimische Baumarten angeht die hier auch schon wachsen, da weiß ich wenig drüber. Auch wie Insekten und sonstige Tierarten damit zurechtkommen weiß ich leider auch nicht. Wenn ich aber sehe, wie viele nicht heimische Baumarten in vielen Gärten stehen, kann ich mir nicht vorstellen, dass da was verboten ist. Was ich aber mal wohl weiß, ist die Tatsache, dass die immer beliebter werdenden Tujas und Tujenhecken von unseren Vogelarten und wahrscheinlich auch zum Nestbau nicht angenommen werden. Wie die Insekten damit zurechtkommen ist mir nicht bekannt.
Liebe das Forum jetzt schon! So ausführlich und konkret habe ich bis dato diesbezüglich noch keine Erklärung erhalten, danke!

Spinnich
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Re: warum sollte man nicht nichteinheimische Gehölze anpflanzen ?

Beitrag von Spinnich »

Ich sehe die Ausbreitungstendenz der Roteiche durchaus problematisch. Im Hauptsmoorwald bei Bamberg hat sich in einem Teilbereich in Stadtnähe eine kleine Monokultur entwickelt, fast ohne andere Baumarten. So etwas sollte man im Auge behalten. Daher sehe ich die Kritik des BfN an der forstlichen Verharmlosung durchaus berechtigt. Dabei geht es nicht um das Verbot der forstlichen Nutzung, sondern um Abstimmung und Berücksichtgung naturschutzrechlicher Belange. Eine kritische Diskussion ist hier durchaus weiterhin angebracht.

LG Spinnich :roll:
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