positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

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Chelterrar
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positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von Chelterrar »

Moin gute Tier- und Baumfreunde,

Das Problem ist bekannt, auch hier im Forum gibt es einen schönen Beitrag dazu (zu Bibern), kaum wird ein ausgerottetes Tier gesichtet, welches versucht, mit oder ohne Hilfe des Menschen sich wieder auszubreiten, werden jene Gründe offenbart, weshalb es dereinst ausstarb. Die Leidtragenden sind so unterschiedlich, wie die Essgewohnheiten der "Neuen", die doch eigentlich die älteren sind. So stehen die Schäfer im Konflikt mit dem Wolf, die Fischer mit dem Kormoran und eben der Biber mit den Förstern, die ihre Bäume am Flusse angepflanzt haben.

Es ist schon erstaunlich, da begradigt man seit Jahrhunderten Flüsse und entwässert Auenbereiche und wundert sich dann, wieso die Zahl der Reptilien und Amphibien derart in den Keller geht, dass viele Arten aufgrund eben dieses Prozesses der Habitat Zerstörung akut vorm Aussterben bedroht sind. Es ist geradezu ironisch, wenn es dann jene Menschen sind, die sich darüber aufregen, wenn dann bei Großbauprojekten das gefühlt letzte nationale Vorkommen einer stark bedrohten Art geschützt, oder umgesiedelt werden muss, wobei sie es doch waren, die einerseits dem Rückgang traurig entgegensehen, aber auch dafür gesorgt haben, dass es soweit kommen musste.

Der Biber ist letztlich die Rettung dieser besonderen und seltenen Arten, denn durch seine Landschaftsgestaltung schafft er ideale Lebensräume, indem er Flüsse aufstaut und langsamer und breiter fließen lässt und so einerseits den Frevel der Menschen an der Natur rückgängig macht und ein Refugium für allerhand Frösche, Schildkröten, Kröten, Unken, Libellen usw. erschafft. Doch hört bei vielen Menschen die Liebe zur Natur dort auf, wo sie eigene Einschränkungen hinnehmen müssen. Und so passt es vielen gar nicht, wenn ihr monotoner Forstbestand direkt am Fluss als Nahrung und Bauholz vom Biber verwendet wird, um aus der artenarmen Gehölzansammlung ein seltenes und artenreiches Biotop zu schaffen.

Und so ergreifen sie Maßnahmen, die einen schlagen die Biber tot oder erschießen sie heimlich, was illegal und wenig zielführend ist, andere bauen Fallen oder zerstören die Biberburg, was nicht besser ist und wiederum andere installieren geräuschquellen, wie bei der Abwehr von Maulwürfen.

Doch es gibt auch Menschen, welche an langfristigen, nachhaltigen Lösungen interessiert sind und sich nach Bäumen erkundigen, denen der Biber nichts anhaben kann. Doch sind solche Bäume rar und die Erfahrungsberichte erst recht. So werden nahezu fast alle heimischen Bäume, welche dort wüchsen, vom Biber benutzt. Letztlich fiele mir nur die Robinie ein, welche als Baumart eventuell aufgrund ihrer Giftigkeit verschmäht werden könnte.

Doch wie seht ihr das? Was haltet ihr von der positiven Wirkung der Biber auf das Ökosystem, inwiefern erachtet ihr die Schäden als größeres/kleineres Übel? Und welche Baumart des gemäßigten Klimas hätte am ehesten die Chance, vom Biber verschont zu bleiben?

LG Chelterrar

biloba
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von biloba »

Chelterrar hat geschrieben:
08 Dez 2019, 01:32
Doch wie seht ihr das? Was haltet ihr von der positiven Wirkung der Biber auf das Ökosystem, inwiefern erachtet ihr die Schäden als größeres/kleineres Übel?
Die Antwort auf diese Frage hängt ganz sicher sehr davon ab, wo Du wohnst und wie Du Deinen Lebensunterhalt verdienst, um die Familie zu ernähren.

Ich persönlich kann von mir sagen, dass ich weit genug von Wasserläufen entfernt wohne, dass ich hoch genug wohne. Und auch mein Job wird auch nicht von der Bautätigkeit irgendwelcher Biber tangiert, wenn die sich mal hier ansiedeln würden. Aus diesem Grunde kann ich mir diese Position leisten: "Die Wiederansiedlung des Bibers halte ich für eine feine Sache! Es ist wunderbar, dass die Natur wieder in Ordnung kommt, indem sie dem ursprünglichen Zustand wieder angenähert wird."


Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein Landwirt, der einen Bauernhof in zweiter oder dritter Generation bewirtschaftet, ganz anders sehen wird, wenn dazu ein nennenswerter Bestand an Wiesen gehört, die vom Biber unter Wasser gesetzt werden. Oder wenn dieser Landwirt zum Beispiel einige Pappeln für den schnellen Holzertrag kultiviert hat. Selbst wenn dieser den Biber nicht abschießen, sondern nur vergrämen will, wird der blöd angemacht.
Wenn sich ein solcher Landwirt in dieser Woche auf den Traktor gesetzt hat, dann habe ich vollstes Verständnis.


Ähm, sag mal Chelterrar, inwieweit wärest Du eigentlich davon betroffen, wenn sich in Eurer Gegend Biber oder Wölfe wieder ansiedeln würden?


Gespaltene Grüße!

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LCV
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von LCV »

Ich sehe das Problem grundsätzlich in der Einmischung des Menschen in das natürliche Gleichgewicht.

Man hat z.B. Wölfe und Bären systematisch ausgerottet. Die hatten dafür gesorgt, dass Beutetierarten
nicht so dominant werden, dass das System aus dem Gleichgewicht gerät.

Wenn jetzt Wölfe und hin und wieder mal ein Bär auftauchen, ist das Geschrei groß. Man traut sich
nicht mehr in den Wald, wo aber lärmende Kinderhorten ohnehin nichts zu suchen haben.
Ich bin überzeugt, dass ein Wolf hierzulande keine Menschen angreift. Wir haben keine Verhältnisse
wie in Alaska oder Sibirien im strengsten Winter.

Die Ansiedelung von Bibern muss man aber auch unter dem Aspekt betrachten, ob noch natürliche
Feinde da sind, um eine Überpopulation zu vermeiden. Ansonsten müssen Jäger dafür sorgen.
Keine Sonntagsjäger, die für die Abknallerei Geld hinlegen, sondern verantwortungsbewusste
Pfleger des Waldes.

Wohin es führt, wenn als natürlicher Feind bestenfalls noch ein Auto sein kann, sieht man an den
Wildschweinen.

Bäume, die von Bibern verschont werden? Wenn die nicht das passende Baumaterial vorfinden,
gehen sie woanders hin.

fockea
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von fockea »

Realist trifft ??????????????

Spinnich
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von Spinnich »

Das größte Problem ist tatsächlich der Mensch, Unwissenheit, Hetzkampagnen und naturschädliches Verhalten gestern und (leider noch) heute.
Probleme mit dem Biber gibt es tatsächlich und wird es auch immer geben, aber das Lebensrecht dieser Art wegen unserem mißbräuchlichen Umgang mit der Natur massiv einschränken zu wollen lehne ich ab. Durch angepasstes Verhalten und vernünftiges Bibermanagement lassen sich Voraussetzungen schaffen, die für Mensch und Biber ein gedeihliches Zusammenleben ermöglichen und nur wenige Eingriffe erfordern. Dann können beide Spezies profitieren und viele weitere Arten ein Revival erleben, die derzeit vom Aussterben bedroht sind.
Noch gibt es auch bei mir im Freistaat Probleme, die in erster Linie Menschen gemacht sind, aber hoffentlich bald gesetzlich (zum Besseren) geregelt werden.
"Probleme treten aber meist nur dort auf, wo der Mensch das Land bis an die Gewässergrenzen hin nutzt: durch Ackerbau, Fischteiche oder Kläranlagen. Die Analyse der bisherigen Konflikte zeigt, dass etwa 90 Prozent der Konflikte weniger als zehn Meter entfernt vom Wasser auftreten. Das heißt, Biber beschränken ihre Aktivitäten meist auf einen schmalen Streifen entlang der Gewässer. Viele Probleme lassen sich also vermeiden, indem ein etwa 20 Meter breiter Streifen entlang von Flüssen, Bächen und Seen nicht genutzt wird – was aus Sicht des Trink- und Hochwasserschutzes übrigens ohnehin sehr wünschenswert wäre. Alle Bundesländer bis auf Bayern haben in ihren Gesetzen bereits eine derartige Schutzzone entlang von Fluss- oder Seeufern verankert, etwa um die Einträge von Pestiziden und Dünger aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Der BN fordert seit langem, dass der Freistaat endlich solche ungenutzten Pufferstreifen an allen Fließgewässern einführt. Die Umsetzung in Bayern steht über das Volksbegehren "Rettet die Bienen und die Artenvielfalt" jetzt endlich an".
So kann es funktionieren: Miteinander leben: Bibermanagement in Bayern

Wer kann das ernsthaft in Abrede stellen?

fragt Dieter/Spinnich :o
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

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LCV
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von LCV »

Hier haben wir das Thema schon mal diskutiert:

https://www.baumkunde.de/forum/viewtopi ... r&start=45

Chelterrar
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von Chelterrar »

Moin,

Es stimmt, es existiert bereits ein relativ ausführlicher und illustrierter Eintrag zu diesem Thema, ich wollte ursprünglich auch nur erfragen, ob jemand über Kenntnis einer Baumart mit Immunität gegenüber des Bibers verfüge. Allerdings finde ich die Meinungen diesbezüglich auch in diesem Beitrag recht interessant.

biloba,

Ich bin tatsächlich unabhängig vom Biber, er tangiert mich nicht und ich finde ihn lediglich als Wiederhersteller des Ursprünglichen sehr interessant. Ich kann Menschen, die ihr Leben darauf ausgerichtet haben, durch Umweltfrevel (Begradigung eines Flusses) ihr Geld zu verdienen, durchaus verstehen, dass diese ihre berufliche Situation und potenziellen Profit durch die Tätigkeiten des Biber gefährdet sehen. Doch halte ich den daraus resultierenden Hass und das Unverständnis darüber, dass es ökologisch weitaus besser ist, wenn der Biber die Landschaft gestaltet und dies auch angesichts des Artensterbens mehr als nur nötig ist, für unangebracht.
Am wenigsten kann ich den Staat verstehen, warum er die Flächen nicht einfach abkauft, statt ein aufwendiges und teures "Bibermanagement" zu betreiben. Dann müssten die Biber auch nicht reguliert werden, da sie dies eben selbst tun, da ihr Wirkungsbereich aufgrund der Bindung an die Flüsse begrenzt ist.

LCV:

Das Problem des Wolfes liegt darin, dass es in einem hochentwickelten Land wie Deutschland, augenscheinlich nicht möglich ist, sein Eigentum sicher zu umzäunen. Es gibt wolfssichere Zäune, doch die liegen weder bei 1.20m noch bei 1.80m. Wo sie liegen, ist vom Individuum der Art abhängig und nicht von irgendeinem "Lernprozess". Ein Wolf, der in der Lage ist, ein 2m Zaun zu überspringen, wird dies auch tun, diesen dann abzuschießen, hat außer Schlagzeilen keinen lösungsorientierten Effekt, denn der nächste Wolf wird sich wieder finden, der diese Höhe überspringen kann. Ergo muss die maximale Sprunghöhe des Wolfes ermittelt werden und alle Zäune nach diesem Wert angelegt werden. Dann gäbe es auch keine Risse mehr. Aber dies scheint weder dem Schäfer, noch dem Politiker einzuleuchten und so schießt man wieder sogenannte Problemwölfe (die gibt es nicht) ab und die Meute beruhigt sich, obwohl es nichts gebracht hat.
Wölfe sind in der Lage Menschen zu töten. Die Tatsache, dass ein Ausflug in den Wald mit Gefahren verbunden sein kann, mag viele erschrecken, doch dies ist eben der Preis für eine intakte Natur. Dafür könnte man sich an vielen Standorten die Jäger sparen. Es stimmt, dass der Einzelwolf keine wirklich Gefahr ist und sich notfalls auch leicht abwehren lässt. Bei einem Rudel ist dann trotzdem Schluss, doch die Wahrscheinlichkeit, solch einem zu begegnen, welches dazu noch aggressiv ist, wird nicht sehr hoch sein. Es bringt nichts, die Gefahr klein zureden, es wird irgendwann Tote geben, doch die Frage ist, muss man dann alle Wölfe wieder abschießen, schießt man ein paar ab oder stuft man es als ein selten eintretenden Fall ein, der keiner irrationalen Entscheidungen bedarf? Was bringt der Abschuss einiger Wölfe danach? Die können weder was damit anfangen, noch irgendwie "lernen". Die tun das, was in ihren Instinkten liegt und der Mensch sollte dies auch so bewerten. Der einzige Effekt wäre das Erheben des aufgeklärten Menschen über ein Tier, welches nicht mal ein Selbstbewusstsein hat, nur um Genugtuung ohne irgend einen langfristigen sinnvollen Effekt zu erzielen.
Der Bär ist dann noch einmal ein anderes Kaliber. Den kann man schlecht abwehren und wenn man nicht sterben möchte, muss man entweder gut klettern können oder das Totstellen perfektioniert haben. Den Bären würde ich nur in einem kleines Gebiet, welches gesichert ist, existieren lassen, da dieser eine tatsächliche realistische und tödliche Gefahr für jeden ist, der keine Waffe dabei hat.

Spinnich:

Die Menschen haben vielerorts, augenscheinlich gerade auf dem Lande, keinen Sinn für Natur und ihre Zusammenhänge. Sie denken in erster Linie an ihr eigenes Wohlergehen und da ist der Biber ein großer Störfaktor. Diesen Menschen ist der Erhalt der Artenvielfalt gleichgültig, ja sie sind sogar bereit, die positiven Eigenschaften des Bibers zugunsten ihrer eigenen Situation zu leugnen und ihn als Schädling zu brandmarken, da er ja Bäume fälle. Jene Bäume, die von ihnen nicht als fühlende und ökologisch wertige Lebewesen, sondern als wachsende Geldanlagen betrachtet werden. Dass der Lebensraum, welcher der Biber erzeugt für die Tierwelt weitaus wichtiger ist, als die vorherige Plantage, ist für die Menschen unbegreiflich.
Wozu braucht es überhaupt dieses "Bibermanagement"? Hat der Biber keine natürlichen Feinde und wie sah es dann davor aus? Ich halte sämtliches "Management" für rausgeschmissenes Geld, was man eher für den Abkauf von Flächen investieren sollte.
Den breiten Streifen am Flusse finde ich als Möglichkeit ziemlich gelungen.

Tja, ganz schön abgeschweift vom eigentlichen Thema. Ich wäre ja fast dafür, diese Beiträge, sofern sie thematisch passend sind, in den ursprünglichen Beitrag zu überführen. Dennoch ist meine eigentliche Frage noch nicht beantwortet.
Also was meint ihr, gibt es Bäume, an denen der Biber zumindest eher weniger nagt?
Ich werfe nach wie vor die Robinie in die Runde.

LG Chelterrar

biloba
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von biloba »

Hallo Chelterrar,
Chelterrar hat geschrieben:
11 Dez 2019, 20:04
Am wenigsten kann ich den Staat verstehen, warum er die Flächen nicht einfach abkauft, statt ein aufwendiges und teures "Bibermanagement" zu betreiben.
das ist eine ganz neue Herangehensweise, wie Naturschützer an die Sache herangehen wollen.
Bisher kenne ich deren Wirken nur in der Weise, dass diese den jeweiligen Grundstückseigentümern Vorschriften und Auflagen machen, wie sie mit ihrem Eigentum umgehen sollen. Die denken gar nicht daran, sämtliche Gewässer aufzukaufen, in denen zum Beispiel Kormorane Schaden anrichten könnten. Schau Dir einfach mal an, wie vernünftig die Berufsfischer den Kormoranbestand regulieren wollten und wie vehement der NABU diese Maßnahmen torpediert, um diese streng geschützte Art vor dem Aussterben zu bewahren! Die haben nicht im Geringsten daran gedacht, den Berufsfischern das erforderliche Kormoranfutter abzukaufen. Und ihnen alle gefährdeten Teiche abzukaufen, geht irgendwie auch nicht. Dann könnte in Deutschland kaum noch Fisch zu erschwinglichen Preisen produziert werden.
http://lfv-brandenburg.de/pages/posts/k ... 10246.html

Den relativ neuen Ansatz, den Betroffenen die erforderlichen Flächen abzukaufen, begrüße ich aus diesem Grunde ausdrücklich!

Chelterrar hat geschrieben:
11 Dez 2019, 20:04
Was bringt der Abschuss einiger Wölfe danach? Die können weder was damit anfangen, noch irgendwie "lernen".
Es bringt gar nichts, hier nur in Schwarz/weiß zu denken - in diesem Falle zwischen Abknallen oder leben lassen.

Viel zu wenig ist in der Diskussion, zum Beispiel mit Gummigeschossen zu arbeiten. Das könnte den getroffenen Wölfen sehr gut deutlich machen, dass man diverse bewohnte Gebiete oder diverse eingezäunte Schafherden lieber meiden sollte. Und da Wölfe sehr kommunikative Wesen sind, könnten sich solche Botschaften auch im ganzen Rudel herumsprechen, so dass die Wölfe sich hoffentlich lieber wieder um überzählige Frischlinge kümmern werden.


Hoffnungsvolle Grüße!

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stefan
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von stefan »

Chelterrar hat geschrieben:
11 Dez 2019, 20:04
... Dennoch ist meine eigentliche Frage noch nicht beantwortet.
Also was meint ihr, gibt es Bäume, an denen der Biber zumindest eher weniger nagt?
Ich werfe nach wie vor die Robinie in die Runde.

LG Chelterrar
ich habe entlang von Flüssen und Kanälen in Mecklenburg-Vorpommern einige Biber-Spuren gesehen:
Weiden und wohl auch Pappeln durchgenagt und gefällt; Eichen angenagt und offenbar aufgegeben = vermutlich zu hart

Gruß
Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

Spinnich
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von Spinnich »

Der Biber bevorzugt zwar das Weichholz und vor allem jüngere Bäume, aber letztendlich verschmäht er auch die Eichen nicht und kann auch dicke Eichen bewältigen. Es hilft also nur die Bäume mit geeigneten Maßnahmen zu schützen!
https://www.mdr.de/sachsen/bautzen/goer ... k-100.html
https://naturwald-akademie.org/waldwiss ... -den-wald/
https://www.volksstimme.de/lokal/havelb ... sen-eichen
als Nahrung werden allerdings neben Zweigen und Rinde besonders im Sommer etliche andere Pflanzen und Früchte genutzt (bis zu 300 Arten):
https://www.biberschutz.de/lebensweise1

LG Spinich :wink:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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biloba
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von biloba »

Hallo Chelterrar,
Chelterrar hat geschrieben:
11 Dez 2019, 20:04
Wozu braucht es überhaupt dieses "Bibermanagement"? Hat der Biber keine natürlichen Feinde und wie sah es dann davor aus?
doch doch! Der Feind etabliet sich ja. In der Lausitz funktioniert das Gleichgewicht schon wieder.

Chelterrar hat geschrieben:
11 Dez 2019, 20:04
Ich halte sämtliches "Management" für rausgeschmissenes Geld, was man eher für den Abkauf von Flächen investieren sollte.
Den breiten Streifen am Flusse finde ich als Möglichkeit ziemlich gelungen.
An manchen Stellen sind die betroffenen Flächen aber einfach nicht entbehrlich und nicht verkäuflich. Hier zum Beispiel. Seinen wir froh, dass hier nicht aus Naturschutzgründen eine Verlegung der Trasse gefordert worden ist!

Ja bei manchen Dingen, wie zum Beispiel Kläranlagen, liegt es einfach mal in der Natur der Sache, dass sich diese zumeist dicht an einem Fluss unterhalb einer Stadt befinden. Alles Andere wäre kaum ökonomisch vertretbar. Neben den zahlreichen Naturschutzgebieten erscheint es an manchen Stellen vernünftig, mal ein Menschenschutzgebiet einzurichten. Dort soll der Mensch seine kulturellen Errungenschaften mal voll entfalten können.


Kompromissbereite Grüße!

Chelterrar
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von Chelterrar »

Moin biloba,

Stimmt, Kläranlagen und Ähnliches habe ich vergessen. Da sollte tatsächlich die Funktionsfähigkeit gewährleistet sein, wofür das Bibermanagement doch noch einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Das Menschenschutzgebiet existiert übrigens in nahezu fast jeder Stadt im Größeren und in fast jedem Dorf im Kleineren. Doch der Urwaldanteil und der Anteil an Naturschutzgebieten, die ohne menschlichen Einfluss geschützt werden, ist wohl eher im Promillebereich. Dahingehend gibt es einen riesigen Graben zwischen der Fläche für Naturschutz und jener der Zersiedelung oder gar Zerstörung von Natur. In Bhutan z.B. ist das wesentlich optimaler geregelt, aber die haben auch deutlich mehr zu schützen/zu verlieren (endemische Arten), als wir es haben.

LG Chelterrar

Spinnich
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von Spinnich »

...das hat zwar jetzt nur noch ganz am Rande mit dem Biber zu tun, aber der Vergleich mit Bhutan hinsichtlich der Umsetzung von Naturschutz und der Verweis auf die größere Zahl schützenswerter Arten (sehe ich übrigens anders) verleitet mich jetzt aber auch zu einem Exkurs und zu einem Vergleich von Weltanschauungen, politischen- und Umweltzielen.

In Kanada wird seit einigen Jahren Ölschiefer, bzw. Ölsande abgebaut.
Die Flüsse sind verseucht und Krebs erregend. Es gibt riesige Giftseen, die sich in die Umgebung entleeren. Das Wasser ist stark mit z.B Arsen belastet. Die indigene Bevölkerung kann und darf dort keine Fische mehr fangen und verliert ihre Lebensgrundlage.
Es dürfen dort zwar noch Robben gefangen und gegessen werden. Die Felle dürfen aber nicht mehr verkauft werden, dank Greenpeace.
In den Ortschaften die von der Umweltzerstörung am stärksten betroffen sind, haben die Leute neue größere Häuser und meist 3 PKW und mehrere Quads, Fernseher usw. Es gibt aber keine Straßen zu anderen Orten! Nur eine Innenortsstraße. Die Kindersterblichkeit hat stark zugenommen, viele Menschen sterben an ganz seltenen Krebsarten. Die Menschen leben nur noch von Almosen. Dabei ist das ihr Land und nach den immer noch geltenden Verträgen ist das Land von der kanadischen Regierung nur geliehen.
Die kanadische Regierung beutet das Land aber rücksichtslos aus und verschachert die Überschüsse nach Asien. Reiche Chinesen werden ins Land geholt und angesiedelt, wodurch die Preise in den Zuwanderungsgebieten explodieren.
Wenn demnächst wie geplant durch Eisbrecher die Verbindung zwischen Ölabbaugebieten und Küste ganzjährig frei gehalten werden sollen, wird das verheerende Auswirkung auf die Natur haben. Wann schließlich bei den heute noch riesigeren Öltankern dann ein ähnliches Malheur zu verzeichnen ist, wie bei der Havarie der Exxon Valdez, die nur 2000 km Küste verseucht hat, kann man sich aber ausrechnen.

Hier gilt wohl das Motto: "Wer einen Schritt vor dem Abgrund steht, sollte zügig voranschreiten"

Dass diese Art der "Zivilisation" und des "Fortschrittes" die Menschen glücklich macht ist eher nicht anzunehmen.

Dagegen ist Bhutan ein einmaliger Sonderfall:
Als der König von Bhutan in einem Interview (1979) mit der „Financial Times“ nach dem „Gross National Product“ (Bruttoinlandsprodukt) seines Landes gefragt wurde, antwortete er, dass in Bhutan „Gross National Happiness“ (Bruttonationalglück) wichtiger sei.
Tatsächlich ist das Glück der Bevölkerung in der Verfassung Bhutans festgeschrieben: „Wenn die Regierung nicht in der Lage ist, das Volk glücklich zu machen, dann hat die Regierung keine Existenzberechtigung."
Alle Institutionen des Landes sind verpflichtet, das Bruttonationalglück zu fördern.
Um die weitere Verfolgung der Interessen im Sinne des Bruttonationalglücks zu gewährleisten, hat Bhutan mit der Kommission für das Bruttonationalglück eine Staatskommission eingesetzt.
Ziel bzw. Säulen dieser Politik sind neben gute Regierungs- und Verwaltungsstrukturen, sozialer Gerechtigkeit, Bewahrung und Förderung kultureller Werte unter anderem auch Schutz der Umwelt.
Diese Säule impliziert eine nachhaltige Entwicklung, die für den Planeten Erde eine immer höhere Bedeutung gewinnt. Folglich sollen heutige Generationen die Umwelt so behandeln, dass auch noch zukünftige Generationen die eigenen Bedürfnisse auf der Erde befriedigen können.
...Im Bereich Schutz der Umwelt fanden schon im Jahre 1974 Veränderungen statt. Zu dieser Zeit wurde festgelegt, dass die bewaldete Fläche des Landes nicht unter 60 % fallen darf. Dieser Grundsatz wurde auch in der neuen Verfassung Bhutans niedergeschrieben. Derzeit sind über 70 % des Landes bewaldet. Des Weiteren zählen 26 % des Landes zu Nationalparks und es herrschen strenge Regeln für die Abholzung....

Davon sollten viele Staaten etwas lernen und es gibt wohl auch Ansätze bzw. Nachahmer:
Einen ähnlichen Weg gingen Ecuador und Bolivien mit der Verankerung des indigenen Prinzips des Sumak kawsay („gutes Leben“, spanisch „buen vivir“) in der ecuadorianischen Verfassung von 2008 und der bolivianischen Verfassung von 2009.

In einem vom New Economic Foundation’s Centre for Well-Being in London erstellten Happy Planet Index, der Lebenserwartung und Zufriedenheit der Bevölkerung in Relation zum ökologischen Fußabdruck (Ressourcenverbrauch) setzt, belegt Costa Rica 2012 den ersten Platz, gefolgt von Vietnam. Die Vereinigten Staaten stehen in dieser Liste auf Platz 105, noch hinter einigen Entwicklungsländern.

Seit 2011 bemisst zudem der World Happiness Report der UNO, welcher von Bhutan mit initiiert wurde, die Lebenszufriedenheit der meisten Völker der Erde.

In Deutschland nahm im Januar 2011 die Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität des Bundestages die Arbeit auf, welche nach einer möglichen neuen Messzahl für Wohlstand und Fortschritt jenseits des Bruttosozialprodukt suchen soll.
Ein Ergebnis der Kommission sind die W3-Indikatoren, die im Gegensatz zum BIP ganzheitliche Wohlstands- und Fortschrittsindikatoren sind.
Diese beinhalten neben wirtschaftlichen Faktoren auch Indikatoren über Soziales und Teilhabe sowie zur Ökologie.
2 von den 10 Indikatoren zu diesen drei Gruppen sind jetzt auch Treibhausgase und Artensterben.

Man kann nur hoffen das sich diese Ziele global durchsetzten lassen.

LG Spinnich :roll:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
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Chelterrar
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Re: positive Seiten des Bibers und Gehölze mit Immunität gegen Biber

Beitrag von Chelterrar »

Moin Spinnich,

Ich wusste gar nicht, dass das sich nach außen hin so fortschrittlich gebende Kanada in Sachen Umweltschutz noch eine größere Niete ist, als es die USA sind. Ich finde, gerade ein jedes Land in den Tropen, mit einer einzigartigen Natur (im Gegensatz zu Deutschland, alles was man hier findet, findet man auch in Polen oder Frankreich), sollte die Naturschätze so bewahren, wie es Bhutan tut. Leider explodieren gerade in Ländern, die wirklich wertvolle Naturschätze haben die Bevölkerungen, die so gar keinen Sinn dafür verspüren, was es eigentlich auch zukünftig bedeutet, einen Quadratkilometer Regenwald für Reisanbau oder Viehhaltung zu roden. Würde die Welt auch nur halb soviel Geld, wie aktuell gegen den Klimawandel ausgegeben wird, in den Arterhalt, Begrenzung des hemmungslosen Vermehrens der Menschen der Tropen und in die notfalls auch militärische Verhinderung der Abholzung, Brandrodung und sonstiger Lebensraumzerstörung investieren, dann wäre der Artenschwund nur noch ein Bruchteil dessen, was er heute ist.

Doch dazu müsste man definieren, dass der Regenwald in all seiner Komplexität und Bedeutung kein Privatbesitz von archaischen rückständigen, oder teils entwickelten Ländern ist, sondern ein Erbe aller, dass geschützt werden solle. Doch ehe dies geschieht, wird der Regenwald wohl schon 80% seiner Arten verloren haben und genauso trist und monoton sein, wie der Fichtenforst oder zumindest wie der Rotbuchenwald.
Da kann man nur hoffen, dass die Genetiker diese ganzen arten wieder auferstehen lassen, doch wie soll man eine Art wiederauferstehen lassen, von der man entweder kein Material hat oder dessen Existenz nicht vor deren Ausrottung erfasst hatte?
Ein bitteres Thema.

Aber gar nicht das Thema des Threads, ich glaube ich werde hierzu eventuell nochmal ein neues Thema aufmachen.

LG Chelterrar

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