Hainbuche und Fliegenpilz

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JDL
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von JDL » 21 Okt 2019, 18:31

Was ist eigentlich mit dem Titel gemeint?
"Hainbuche und Fliegenpilz"

grtjs

Jan

Spinnich
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von Spinnich » 21 Okt 2019, 19:42

JDL hat geschrieben:Was ist eigentlich mit dem Titel gemeint?
"Hainbuche und Fliegenpilz"
Sehr gute Frage eines aufmerksamen Lesers! :idea:

Der Fliegenpilz geht eine (Ekto-) Mykorrhiza-Symbiose mit der Birke, aber auch mit der Fichte ein.
In Heidekrautlandschaften Calluna-Flächen, saures Milieu, schaffen Förster im ersten Schritt kaum eine Aufforstung mit anderen Baumarten als der Birke, weil nur deren Mykorrhiza-Partner, nämlich Der Gemeine Birkenpilz (Leccinum scabrum) und der Fliegenpilz (Amanita muscaria) in diese Flächen eindringen können und sich dort gegen die Ausscheidungen (pilzhemmend gegen viele Arten) der Calluna - Mykorrhiza-Symbionten durchsetzten und somit das Birkenwachstum in diesen nährstoffarmen Böden begünstigen können.

Auch Carpinus Betulus lebt als natürlicher Baum wohl immer mit Mykorrhiza-Symbiose - Partnern, wenngleich es im Labor möglich ist die Art ohne solche Partner heranzuziehen. Als Symbionten sind rund 25 Arten von Ständerpilzen bekannt, aber nur wenige Schlauchpilze und Deuteromyceten, die Fliegenpilze gehören aber wohl nicht dazu, da die Hainbuche auch ganz andere Böden bevorzugt.
Lediglich ein nah Verwandter des Birkenpilz, der Hainbuchen-Rauhfuß (Leccinum griseum) bandelt wohl gerne (sogar auf verschiedenen Böden) mit der Hainbuche an, aber auch mal mit deren Vettern den Haseln.
Während die Hainbuche je nach Boden beliebig zwischen ihren dort lebenden Pilzpartnern wählen kann, ist wohl nur der kalkliebende Hainbuchen-Täubling (Russula carpini) strikt an die Hainbuche gebunden.

Diese vielschichtigen Zusammenhänge wollte uns Baumlaeufer/Wolfgang mit der Titelwahl wohl mal unter die Nase reiben. :P :P :P

LG Spinnich :roll:
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von baumlaeufer » 21 Okt 2019, 23:11

JDL hat geschrieben:
21 Okt 2019, 18:31
Was ist eigentlich mit dem Titel gemeint?
"Hainbuche und Fliegenpilz"

grtjs

Jan

Gut beobachtet ,

Jan,

natürlich kenne ich die Kombination Fliegenpilze und Birken .

Die Birke ist auch der Hauptbaum im Venner Moor, der ist auf dem letzten Foto ganz oben auch in der markanten Rinde zu sehen. Das farbige Laub im Hintergrund ließ mich zu dem Namen des Threads hinreißen :wink: ... ohne Hintergedanken... Spinnich. 8)

Aber es freut mich sehr, eine rege Diskussion losgetreten zu haben. Das Lob gebührt auch einem Fotofreund aus unserer Münsteraner NABU Foto-AG ,der mich erst durch eine Rundmail auf die Fliegenpilz- Schwemme im Venner Moor hingeweisen hat.

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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von JDL » 21 Okt 2019, 23:26

Ich habe das gefragt, weil ich dachte, etwas wäre meiner Aufmerksamkeit entgangen, mit der deutschen Sprache, die ich überhaupt nicht beherrsche, passiert das manchmal.
Entschuldigung, wenn ich einen dummen Kommentar oder Rechtschreibfehler mache.

grtjs

Jan

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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von baumlaeufer » 22 Okt 2019, 00:04

alles Gut,
Jan !
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AndreasG.
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von AndreasG. » 22 Okt 2019, 08:09

Wobei das Thema "welcher Pilz mit welchem Baum" durchaus interessant ist. Gehört meiner Meinung nach in die Baumlisten, die möglichen Mykorrhizapartner zu erwähnen.

Totto
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von Totto » 22 Okt 2019, 09:26

Wie finden die Pilze den Baumsamen. Wenn man selbst Bäüme zieht.
Gruß
Totto
Im Mittel haben Pendler 17km Arbeitsweg. Wenn 10 % aller Pendler auf Motorräder umsteigen würde sich 40% der Staus verringern. Da hat es sich dann mit dem Feinstaub. Bei 25 Prozent gäbe es gar keine Staus mehr.

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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von Spinnich » 22 Okt 2019, 12:07

Totto hat geschrieben:
22 Okt 2019, 09:26
Wie finden die Pilze den Baumsamen. Wenn man selbst Bäüme zieht.
Tatsächlich wirken hier verschiedene Faktoren.
Zum einen ist normale gesunde Erde immer vom Myzel verschiedenster Pilzarten durchzogen, so dass jedenfalls neben parasitischen Pilzen (z.B.: Hallimasch) immer einige verschiedenartige Symbiosepartner vorhanden sein werden. Bäume die nicht von Symbiosepartnern geschützt werden, werden dann leicht ein Opfer von mikrobiellen und pilzlichen Parasiten und können ihren Stoffwechsel auch nur unter günstigsten Umgebungs- und Nährstoffbedingungen aufrecht erhalten.
Die meisten Ständerpilze können nur Fruchtkörper bilden, wenn sie in einer intakten Symbiose mit (gesunden) Baumpartnern oder anderen Symbiospartnern leben.
Neben unseren Bäumen gehen auch fast alle Gräser und z. B. Orchideen (zu mindest zeitweilig) so eine Symbiose ein.
"Für die Etablierung einer Mykorrhiza ist die gegenseitige Erkennung der beiden Partner entscheidend. Sie wird vor allem über Wurzelexsudate (Wurzelausscheidungen) vermittelt. Bei der Besiedlung sind pflanzliche und pilzliche Enzyme beteiligt, welche das Eindringen der Pilzhyphen erleichtern."
Sehr ausführliche Infos zu Mykorrhiza bei Spektrum.de
Bedeutung von Mykorrhiza im Forst auf Waldwissen.net
Von Seiten der Pilzsammler auf passion-pilze-sammeln.com findet man dieses informative Thema: Die Mykorrhiza - Schlüssel zum Erfolg für den guten Pilzsammler
Dazu gibt es dort auch folgende Übersicht: Mykorrhizapilze und ihre Baumpartner, alphabetisch geordnet
Auch ein Blog für Hobbygärtner beschäftigt sich mit der Frage wie man zu den passenden Symbiosepartnern für seine Pflanzen gelangt:
So gelingt die Pflanzenpracht mit Mykorrhiza
zu den verschiedenen Mykorrhiza Erscheinungen ihrer physiologischen Besonderheiten und ihren Partnern gibt es auch eine ganz gute Übersicht bei Wikipedia.
Schon unser guter alter Hans Joachim Fröhlich hatte sich in dem Buch "Vitalisierung von Bäumen", mit dem Thema Mykorrhiza-Symbiose und dem forstlichen Ergebnis der Mykorrhiza Behandlung von Bäumen befasst:

Veröffentlichung Bonn : Monumente-Publ. der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, 2005, und hier zu finden über ISBN - Suche: 9783936942491

in der "Weltweite Verbunddatenbank" WorldCat

bzw. bei der Deutschen Nationalbibliothek im Lesesaal Leipzig und Frankfurt ausliegend.

Im Vorwort ein schönes Zitat:

Ein alter Baum ist ein Stück Leben.
Er beruhigt. Er erinnert.
Er setzt das sinnlos
heraufgeschraubte Tempo herab,
mit dem man unter großem
Geklapper am Ort bleibt.
Und diese alten sollen dahingehen, sie,
die nicht von heute auf morgen nachwachsen?
Die man nicht nachliefern kann?
Kurt Tucholsky

LG Spinnich :)
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von stefan » 22 Okt 2019, 13:23

AndreasG. hat geschrieben:
22 Okt 2019, 08:09
Wobei das Thema "welcher Pilz mit welchem Baum" durchaus interessant ist. Gehört meiner Meinung nach in die Baumlisten, die möglichen Mykorrhizapartner zu erwähnen.
Theoretisch gerne.
In der Bestimmungsliteratur habe ich allerdings noch nie einen entsprechenden Hinweis gefunden.
Gruß
Stefan
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(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von Palme » 22 Okt 2019, 15:57

Hallo Spinnich,
vielen Dank für deinen sehr interessanten Beitrag.
Jetzt ist mir noch klarer geworden was passieren kann, wenn man Bäume anschüttet, oder in Ruhezonen des Gartens unbeherrscht rumhackt und Erde verteilt. Und wenn ich mal wieder Pilze sehe, dann schaue ich mir die Bäume dazu an.
:) Martin

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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von Spinnich » 22 Okt 2019, 23:59

Habe mich heute noch weiterhin den Pilzen gewidmet und mich auf die Suche gemacht.
Etwas störend, wenn man gerade Probleme mit dem Bewegungsapparat hat, aber auf dem Waldboden geht man ja weich.
Da war das Fahren lästiger für das überanstrengte Beinchen.
Insgesamt hat sich die Suche an 2 verschiedenen, aber überschaubaren Waldgebieten durchaus gelohnt und neben "gewöhnlichen" Röhrlingen, Lärchen spezifischen Goldröhrlingen, konnte ich auch einige gute Steinpilze sammeln. Einen Kiefern- und mehrere Fichtensteinpilze.
Ohne besondere Abhängigkeit, aber besonders in feuchtem Moos gingen mir noch etliche Lila Lackporlinge ins Netz.
Einen Fliegenpilz konnte ich auch aufspüren, wenige Meter neben dem einzigen Birkenstamm der dort zu finden war.

Am Fuß einer Fichte (sonst meist an Kiefer) konnte ich noch ein Krause Glucke ernten. Die Ausrichtung nach Norden war wohl auch typisch, da dieser Pilz am ehesten an West und Südhängen entsprechend mit Ausrichtung nach Ost oder Nord gedeiht.

LG Spinnich :wink:
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von bee » 23 Okt 2019, 01:00

stefan hat geschrieben:
22 Okt 2019, 13:23
AndreasG. hat geschrieben:
22 Okt 2019, 08:09
Wobei das Thema "welcher Pilz mit welchem Baum" durchaus interessant ist. Gehört meiner Meinung nach in die Baumlisten, die möglichen Mykorrhizapartner zu erwähnen.
Theoretisch gerne.
In der Bestimmungsliteratur habe ich allerdings noch nie einen entsprechenden Hinweis gefunden.
Gruß
Stefan
Hallo,
so richtig schöne Listen scheint es nicht zu geben, denn viele Bäume können mit vielen Pilzen ...
Wenn man den Pilznamen kennt, findet man in den Pilzbüchern und in den Wiki-Einträgen o.ä. meist die Angabe, mit welchen (beispielhaften) Bäumen die Mykorrhiza gebildet wird. Ob das immer vollständig ist ...?

Ein interessantes Dokument habe ich gefunden, eine wissenschaftliche Untersuchung zu Stadtbäumen in Karlsruhe, da wurden unsere einheimischen Bäume mit "exotischen" (aber ähnlichen) Bäumen verglichen.
Im Anhang gibt es u.a. eine Liste, welche Pilzarten BEI DIESER UNTERSUCHUNG bei welcher Baumart vorkamen. Diese Liste ist selbstverständlich nicht gleichbedeutend damit, dass NUR diese Pilze mit diesen Bäumen Mykorrhiza bilden können.

"Exotische Gehölze und Diversität der Ektomykorrhiza-Pilze im urbanen Grünflächenbereich" von 2017
http://fachdokumente.lubw.baden-wuertte ... 03-N30.pdf
Viele Grüße von bee

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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von bee » 25 Okt 2019, 14:02

Hallo,
eine Liste habe ich hier gefunden:
http://www.pilzkunde-ruhr.de/baumpartner.html
Viele Grüße von bee

Spinnich
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von Spinnich » 25 Okt 2019, 19:28

Hi bee,

Auch diese Aufstellung ist für unsere Zwecke nur bedingt brauchbar, viele Arten fehlen,
wie etwa die Reizker, oder werden vielleicht nicht genannt, weil sie nicht spezifisch nur Fichte oder nur Kiefer bevorzugen.
Tanne ist nicht genannt, o.k. nicht gar so häfig gepflanzt.
Die vielen Pilzarten die im Mischwald bei Laub oder Nadelgehölz einen Partner finden sind da natürlich auch ausgeschlossen.
So etwa auch der Fliegenpilz, der ja 2 Vorlieben hat.
Vielleicht kennen die Fachleute bei der DGfM eine umfangreichere Übersicht, die frei zugänglich wäre?

LG Spinnich :?:
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Re: Hainbuche und Fliegenpilz

Beitrag von bee » 25 Okt 2019, 20:49

Hallo Spinnich,
diese Liste ist sicherlich nur ein Ansatz. Vermutlich wurde sie mal erstellt wegen der PSV-Prüfungsfragen (für die es keinen konkreten Antwortkatalog gibt ... es gab nur Gruppen, die alles durchgearbeitet haben.)
Da heißt es ... z.B. "Nennen Sie 4 Pilzarten, die mit Buche (oder Fichte oder Eiche oder Birke) Mykorrhiza bilden". Oder "Nennen Sie drei Arten von Mykorrhizapilzen und ihre jeweiligen Baumpartner." Oder "Nennen Sie fünf Mykorrhizapilze, die jeweils spezifisch an eine Baumart gebunden sind, sowie die zugehörige Baumart."

Auf der DGfM-Seite, unter den abrufbaren Dokumenten, gibt es jedenfalls keine Liste.
Viele Grüße von bee

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