Baumerhalt einer historischen Allee

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Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von BaumkontrolleimNetz » 28 Mai 2019, 17:05

Hallo in die Runde,
ich bräuchte mal fachliche Unterstützung, da ich bei artenschutzrechtlichen Prüfungen, nicht genau weiß, ab wann eine Fällung verhindert werden kann.
Es geht um eine historische Pappelallee (Genanalyse ist angefordert, wird aber noch dauern) in Bayern.
Das Gutachten ist sehr gut und detailreich aufgesetzt vom Umweltbüro und enhält u.a. einige Fledermausarten der Kat 2 der Roten Liste.

Jetzt ist meine Frage, kann ich auf Grundlage einer der ausgewerteten Arten einen Antrag stellen, der die Fällung verhindert?
Was muss bei der Genanalyse der Pappeln genau rauskommen?
Reicht der Nachweis der Art Schwarzpappel, oder müssen die Genorte zusätzlich eine hohe gen. Vielfalt aufweisen?
(Photo im Anhang)

Würde mich über viele fachliche Antworten freuen.
LG Daniela
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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von LCV » 28 Mai 2019, 17:18

Hallo Daniela,

gibt es eine Begründung für die beabsichtigte Fällung? Nun ist es ja Populus nigra 'Italica', also sicher nicht so
kritisch wie breitkronige Pappeln, von denen gern bei Sturm größere Äste herunterfallen. Das kann direkt am
Straßenrand eine Gefährdung sein und die Gemeinde oder wer auch immer zuständig ist, muss Haftungsansprüche
vermeiden. Wenn allerdings die Bäume insgesamt umsturzgefährdet sind, wird man nichts machen können.
Da helfen nicht einmal die Fledermäuse.

Gruß Frank

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von BaumkontrolleimNetz » 28 Mai 2019, 17:24

Hallo Frank,
vielen Dank,
die Bäume sind weder bruchgefährdet und verkehrssicher (jährliche Baumkontrolle nebst sorgfältig ausgeführter Pflegemaßnahmen), noch gibt es wurzelbürtige Pilze.
Also auch die Standsicherheit ist gewährleistet.
Es geht mir hier rein um die Fragestellung in Bezug auf das Gutachten.
Auch Säulenpappeln können als Schwarzpappel klassifiziert werden und mWn ist die Wuchsform da nicht ganz so relevant, aber da bin ich leider nicht sicher.

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von BaumkontrolleimNetz » 28 Mai 2019, 17:26

Achso, die Begründung...die gibt es noch nicht.
Es soll auf "Einzelbaumentscheidungen" kurz vor Beginn der Baumaßnahme hinauslaufen.
Aber da die Pappel ein schlechter Abschotter ist und die ersten Eingriffe in weniger als 3 m zum Stamm stattfinden sollen, werden nicht allzuviele nach DIN18920 und Ras-lP4 übrig bleiben.

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von LCV » 28 Mai 2019, 17:33

Die klassische Populus nigra ist wegen der Einführung der P. canadensis und der starken Hybridisierungsneigung
nur noch selten reinrassig anzutreffen (nur sehr alte Bäume). In letzter Zeit versucht man, wieder reine
Schwarz-Pappeln anzupflanzen. Aber alle breitkronigen Pappeln sind kritisch und deshalb haben die nichts an
Straßen und Wegen zu suchen.

Die Säulenform hat schon wegen der steil aufsteigenden Äste nicht das Gefährdungspotenzial, z.B. durch Schneebruch.
Wenn also keine Gefährdung besteht, müssen andere Interessen vorliegen.

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von BaumkontrolleimNetz » 28 Mai 2019, 17:52

Jetzt sehe ich erst, dass ich das Wichtigste im Eingangspost vergessen habe. :roll:
Die Fahrbahn soll 4-spurig werden.
Hinter der Pappelreihe soll der Ausbau erfolgen (deswegen auch mein Hinweis auf die DIN und die RAS-LP4).

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von biloba » 29 Mai 2019, 17:31

BaumkontrolleimNetz hat geschrieben:
28 Mai 2019, 17:05
Was muss bei der Genanalyse der Pappeln genau rauskommen?
Natürlich muss dadurch genau die Art herausgefunden werden, um die es sich bei den gezeigten Bäumen handelt. Andernfalls wäre eine solche Genanalyse wertlos.
(Kannst Du dem Institut vorher ein Wunschergebnis mitteilen?)

Selbstverständlich musst Du natürlich damit rechnen, dass bei dieser Analyse nicht das erhoffte Ergebnis heraus kommt.


Hoffnungsvolle Grüße!

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von BaumkontrolleimNetz » 30 Mai 2019, 10:27

Danke Biloba,
meines Wissens nach, spielt die Variabilität eine weitere Rolle, falls die Schwarzpappel bestätigt werden sollte.
Deswegen meine Eingangsfrage:
"Reicht der Nachweis der Art Schwarzpappel, oder müssen die Genorte zusätzlich eine hohe gen. Vielfalt aufweisen?"

In diesem Punkt bin ich mir wie gesagt nicht sicher, da ich nicht auf Artenschutz spezialisiert bin.
Eventuell weiß hier ja noch Jemand etwas genaueres?
LG

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von LCV » 30 Mai 2019, 12:08

Hallo,

die Säulenform ist ja weit verbreitet und dürfte bezüglich Schutzstatus
kaum vergleichbar sein mit der breitkronigen Populus nigra.
Diese ist durch die Einführung der kanadischen Pappel nahezu verschwunden.
Es gibt also fast nur noch "Bastarde".

Als reinrassige P. nigra sind in der Regel nur noch sehr alte Bäume vorhanden,
die ohnehin meist als Naturdenkmal ausgewiesen wurden. Außerdem eben
Neuanpflanzungen seit kurzem, wobei diese Bäume noch relativ klein sind.

Im Umkreis von 50 km bei mir kenne ich eine einzige Populus nigra,
die bei einem Aussiedlerhof steht. Nicht einmal in den diversen Kurparks und
Botanischen Gärten habe ich welche gesehen.
Von der Säulenform sind dagegen einige hundert in der Region zu finden.
Diese in Italien entstandene Mutation ist männlich, Vermehrung nur
vegetativ möglich. Deshalb gibt es auch keine Bastarde.

Ich fürchte, eine Genanalyse bringt nichts und kostet nur unnötig Geld.
Da könnte man eher auf eine etwaige historische Bedeutung als Allee abzielen.

Gruß Frank

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von Mostviertler » 31 Mai 2019, 00:16

Eine Frage von einem Laien im Bezug auf Alleen. Was ist an dieser Allee historisch? Nach dem Foto zu schließen sind diese Bäume noch nicht in einem "historischen" Alter. Ich würde sie jetzt einmal auf 50 bis maximal 70 Jahre schätzen, was bei pappeln zwar schon ein gutes Alter darstellt, aber historisch?

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von Spinnich » 08 Jun 2019, 04:18

Es ist eine Schande, wenn man darüber diskutieren muss, ob diese schöne Baumallee erhaltenswert ist, oder dem weiteren Wahnsinn immer größeren Flächenfraßes geopfert werden soll. Gerade Bayern ist das Bundesland mit dem größten Flächenverbrauch. Wenn man das Volksbegehren zur Rettung der Insekten Ernst nehmen würde, dann hätte man genügend Argumente gegen diesen Straßenausbau. Autos scheinen hier ja gerade auch nicht viele unterwegs zu sein. Aber leider ist man in Bayern nicht gerade einsichtig, und plant gerade sogar alle Feld und Flurwege zu befestigen und zu betonieren oder zu teeren, und mit der Breite wie Bundestrassen auszubauen. Das wird der größte Kahlschlag und Flächenverbrauch an Restnatur der letzten Jahrzehnte.
Wenn es keine Unterstützung durch einflussreiche finanziell gut ausgestattete Naturschutzvereine (wie BUND) gibt, die auch mit der Möglichkeit ausgestattet sind, den Klageweg zu beschreiten, alle Instanzen zu durchlaufen und ggf. Eilverfahren einzuleiten, wird man den Wahnsinn wohl nicht abwenden können.
Es sei den es sind regionale, kommunale Hirngespinste einer kleinen Kommunalverwaltung, und es gibt breit aufgestellte Proteste regionaler Bürgerinitiativen, die den kleinen Möchtegern-Angebern Paroli bieten .

LG Spinnich :x
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

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Re: Baumerhalt einer historischen Allee

Beitrag von LCV » 08 Jun 2019, 10:43

Vor vielen Jahren wurden im Zuge der Flurbereinigung nicht
nur Straßen begradigt. Ich hatte noch das "Vergnügen", jeden
Tag mit dem Fahrrad eine in Schlangenlinien verlaufende
Straße befahren zu müssen. Die ging quasi um jeden Acker herum.
Irgendwann wurde das bereinigt, die alte Straße durch eine
schnurgerade Verbindung ersetzt, die nur noch 1/3 der Länge
hatte, zwar etwas breiter angelegt, trotzdem nahm die weniger
Platz ein als die alte Straße. Auch jedes Auto hatte nun die
verkürzte Distanz und damit wurde der Schadstoffausstoß auf
dieser Strecke um ca. 60% reduziert, auch wenn das in den
50er/60er Jahren noch kein Thema war.

Nun gab es aber jedes Jahr Fördermittel, die bis zum 31.12. d.J.
verbraucht werden mussten. Man konnte die nicht für ein größeres
Projekt auf das nächste Jahr verschieben. Nicht genutzte Gelder
sind nicht nur verfallen, sondern man leitete daraus ab, dass der
Bedarf zu hoch angesetzt war und im nächsten Jahr gab es weniger.
Bürokratenschwachsinn!!! Die Folge war, dass auf Teufel komm raus
das Geld irgendwie ausgegeben wurde. Da hat man in den Weinbergen
alle Wege betoniert (Platten wie früher auf der Autobahn) oder auch
asphaltiert. Dadurch wurde das Regenwasser beschleunigt und die
Hochwasserprobleme z.B. in Köln auch dadurch verschärft. Man
hat dem Wasser quasi Autobahnen gebaut, es konnte nicht mehr
versickern. Dazu kam die Kanalisation der Bäche. Alles nicht richtig
durchdacht. Heute muss man mit Trockendämmen die Dörfer vor
Überflutung schützen.

Nachdem es doch diese Erfahrungen gibt, wieso will man nun den
gleichen Fehler wieder machen? Es geht ja nicht nur um Hochwasser.
Durch die Beschleunigung des Wasser werden auch die Böden trotz
starker Regenfälle nicht mehr gut durchfeuchtet.

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