Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

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Alice
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Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Alice »

Liebe Forums-Teilnehmer,

ich bin ganz neu hier und nicht wirklich erfahren mit Bäumen, aber Baum-Liebhaberin.

Auf der Grundstücksgrenze steht eine mächtige alte Robinie mit V-förmiger Stammformation. Nah dem Baum sind natürlich die Nachbarn unterwegs, was schon das Thema Gefahren verschärft. Ich meine, dass nennt V man Zwiesel!?
Der schwächere Stamm am V ist vor einer Woche abgebrochen. In meiner Not habe ich einen Baumpfleger bestellt. Er schreibt:

Der Zwiesel ist annähernd bis zum Boden aufgerissen, sodass das Innenleben sehr gut sichtbar ist. Es zeichnet sich hier eine stark fortgeschrittene Weißfäule ab, die die Zellulose im Holz abbaut. Weiterhin findet sich auf der Stammrückseite eine starke Einfaulung im Stammfuß-Bereich. Der Baum wurde außerdem bereits stark und unfachgerecht geschnitten und ist von schlechter Vitalität.

Ich habe Euch Fotos eingefügt. Die Riss-Stelle ist "nur" ganz unten. Das was da an der Rinde so komisch aussieht bzw. die große Zone, war gar keine Rinde ist, die war schon lange so. Der Baum war da nie zusammengewachsen.

Wir sehen das alles überhaupt nicht an Fäule, außer die Bruchwunde - aber gut, wir sind ja auch Laien. Der Baum hat diese Jahr mehr geblüht denn je. Der Baumpfleger hat mich derart unter Druck gesetzt, dass ich den Auftrag sofort erteile für Fällung im Herbst ... So bin ich irgendwie stutzig geworden und der Kampfgeist in mir erwachte, dem Baum eine Chance zu geben.

Andererseits bin ich mir bewußt, dass so ein Baum auch Gefahren für die Nachbarn und das Haus und damit für meine Existenz bedeuten kann. Ich hafte ja als Eigentümerin.

Ich habe ein Robinien-Zwiesel-Gutachten im Netz gefunden, da sind Fotos von schlimmerem Zwieseln und der Gutachter hat befunden, dass der Baum trotzdem Standsicher ist. Und dass galt, obwohl in den Baumstamm fleißig Ameisen in den unten sitzenden Zwiesel rein und raus marschierten mit Holzteichen beladen ... laut Gutachten. Wieso soll jetzt meine Robinie gleich abgesägt werden, denke ich mir da insgeheim.

Meine Fragen an Euch:

1. Ist mein Robinien-Fall ein soooo eindeutig klarer Fall für eine Fällung in Euren Augen in puncto

a. Diagnose Baumpfleger (sind das Schlimme Fäulniserkrankungen? Todesurteil?)
Der Mann hat keinen Ultraschall oder ähnliches gemacht, nur geschaut.

b. Fotos

2. Was gäbe es an Alternativ-Maßnahmen, die wenigstens den Versuch eines Baumerhaltes leisten (Rückschnitt, Kronensicherung, Bruchwunde verarzten ... jährlich einen Baumpfleger holen? Ich habe gar keine Ahnung davon und alles nur aus dem Internet aufgeschnappt)

3. Darf man wirklich erst im Oktober schneiden bei Robinien? Zum Teil lese ich sogar November bis Januar für Robinien. Wäre es schädlich den Schnitt jetzt im August/ September aus Sicherheitsgründen zu machen?

Vielen Dank für Eure Geduld und hoffentlich Ratschläge
Liebe Grüße
Alice
Dateianhänge
Akazie nach Stammbruch des schwächeren Stamms
Akazie nach Stammbruch des schwächeren Stamms
2018-07-13 Akazie nach Astbruch (10).JPG (231.25 KiB) 1925 mal betrachtet
V-förmige Stammformation
V-förmige Stammformation
2018-07-13 Akazie nach Astbruch (14).JPG (207.85 KiB) 1925 mal betrachtet
Stelle ohne Rinde war lange vorher - Baum war da nicht zusammengewachsen
Stelle ohne Rinde war lange vorher - Baum war da nicht zusammengewachsen
2018-07-13 Akazie nach Astbruch (19).JPG (228.84 KiB) 1925 mal betrachtet
eigentliche Riss-Stelle nur ganz unten,  Rest war vorher
eigentliche Riss-Stelle nur ganz unten, Rest war vorher
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Yogibaer
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Yogibaer »

Den unfachmännischen Schnitt des Baumes kann man anhand der Bilder nicht beurteilen. Fakt ist jedoch das eine Weißfäule das Lignin in den Zellen abbaut und nicht die Zellulose. Ob nun der Fäuleprozeß so weit fortgeschritten ist das der verbliebene Stamm ebenfalls stark geschädigt ist kann man auch nicht erkennen. Eine Robinie kann eine ganze Menge wegstecken. Mein Vorschlag wäre, wenn der Baum unbedingt erhalten werden sollte, einen Sachverständigen hinzuzuziehen und den Baum begutachten lassen.
Gruß Yogi

Alice
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Alice »

Hallo Yogi,
vielen Dank für Deine Zeilen.

Tja, ich dachte, mit einem zertifizierten Baumpfleger so einen Sachverständigen zu haben. Ich habe ja , fairerweise erwähnt, auch keine Indizien, dass der Baumpfleger das Falsche sagt. Man will halt etwas Anderes hören, wenn man einen so tollen Baum nicht aufgeben mag als Baumliebhaber. Das spielt sicher auch etwas mit bei meiner Skepsis.

Unter Sachverständiger versteht man vermutlich einen richtigen Baum-Gutachter. Das wird bestimmt teuer. Aber ich werde das Mal googeln und überlegen.

Ich denke nun nach weiterem Abwägen: Wenn der Baum auf die Hälfte runterzuschneiden WÄRE (ich kenne mich nicht aus, was geht - aber die Höhe muss nicht bleiben, nur dass der Baum überhaupt bleibt ... das ist mein Wunsch), wäre doch die Last kleiner und wenn der Baum wegen des schlechten Stammzustandes umfiele, so wäre dies eine Schadensbegrenzung. Aber ich bin totaler Laie und denke quasi ohne das Wissen, dass die Fachleute haben.

Also Mal schauen, wer noch einen Hinweis für mich hat zu meinen drei Fragen.
Viele Grüße und besten Dank
Alice

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LCV
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von LCV »

Hallo Alice,

einen Baum derart zu verstümmeln, ist auch keine Lösung, obwohl
es sicher Firmen gibt, die das machen. Man kann ja eine Rechnung
schreiben. Es müsste jemand beurteilen (vor Ort natürlich), der
kein Geschäft machen will.

Wenn der Baum so geschädigt ist, dass nur noch Verstümmelung
möglich ist, dann evtl. doch lieber fällen und einen neuen pflanzen.
Es geht ja von dem Baum auch eine Gefahr aus, wenn er so beschädigt
ist. Abgesehen von der Haftung, es wäre doch furchtbar, wenn
jemand von einem herabfallenden Ast erschlagen würde. Ob eine
solche Gefahr besteht, kann man den Bildern nicht entnehmen.

Falls es bei Euch eine Baumschutzverordnung gibt, könnte eine
Ersatzpflanzung angeordnet werden. Ich glaube aber nicht, dass
Robinien in Deutschland besonders geschützt werden. Die sind
ja eingeführt und ziemlich invasiv. Ich habe ein etwas zwiespältiges
Verhältnis zur Robinie. Große Bäume wirken durch die zerklüftete
Rinde sehr attraktiv, aber in unseren Auwäldern verdrängt die
Robinie viele einheimische Gehölze. Im Garten ist das kontrollierbar.
Ich würde statt der Robinie etwas anderes pflanzen.

Gruß Frank

Alice
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Alice »

Hallo Frank,
vielen Dank für Deine Meinung und zutreffenden Hinweise zur Baumschutzverordnung.
Wir haben jetzt noch jemand bestellt, der vor Ort den Baum beurteilt. Dann waren ein zertifizierter Baumpfleger und ein Herr aus der Forstarbeit da.
Ganz klar, es darf niemand gefährdet werden. Deshalb rühre ich so viel, um schnell zur "richtigen" Entscheidung zu gelangen.
Viele Grüße
Alice

Hessekopp
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Hessekopp »

Hallo,

soetwas wie einen "zertifizierten Baumpfleger" gibt es in Deutschland nicht, hier kann sich jeder Baumpfleger nennen. Am nächsten kommt einem Baumpfleger wohl der ETW (European Tree Worker) und ein paar weitere und ähnliche "Titel", in denen das Wort Baumpflege durchaus vorkommen kann. Das sind aber allesamt Jodeldiplome bzw eine Ansammlung derer. Ich habe selbst einige dieser Jodeldiplome. So bin ich zertifizierter Baumkontrolleur ... klingt toll, nicht? ... 2x 3-Tageskurs und es wäre auch in 1x 5 Tage gegangen. Ich bin auch zertifizierter Baumkletterer ... 1x 5 Tageskurs ..., den B-Schein habe ich nicht, das wären nochmal ganze 5 Tage.

Weißfäule zersetzt zwar immer das Lignin aber während sich die selektive darauf beschränkt, werden bei der simultanen auch noch Zellulose und Hemizellulose zersetzt. Wenn man das Geschriebene deines Baumpflegers wohlwollend lesen will, könnte er also eine simultane Weißfäule beschreiben wollen und geht bei der Verwendung des Wortes Weißfäule stillschweigend davon aus, daß damit der Ligninabbau eh schon erwähnt ist.
Eine Schalltomographie am Baum kostet etwa 500 Euro, daher macht man sowas nur bei wirklich besonders erhaltungswürdigen Bäumen und daher hat außer Baumgutachtern auch kaum jemand so ein Gerät.

Wenn dir dein Baumpfleger irgendwie nicht so richtig schmecken will, such dir nen anderen. Einem Gärtner, der mir ber der Fällung von so einem Baum u.U. den ganzen Garten verwüstet, sollte man vertrauen.

Jetzt aber mal zum fachlichen.
Während Robinienholz als Nutzholz schon zu den besseren gehört, ist die Robinie selbst eine Pflanze, die sich sehr schwer tut, sich gegen Pilze zu wehren. Schon bei 5cm Querschnitt der Schnittfläche endet an ihr die fachgerechte Baumpflege und alles, was man fachlich langfristig noch vertreten kann.
Robinien sind bei Baumpflegern sehr unbeliebt, sie können oberflächlich betrachtet kerngesund aussehen und dennoch schon seit Jahren ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Vor ein paar Jahren ist ein SEHR erfahrener Baumpfleger tödlich verunglückt, als eine Robinie aus heiterem Himmel auf 4m Höhe einfach unter ihm abbrach.
Mit DER Wunde am Stämmlingsausbruch wäre dein Baum auch ohne die bereits vorhandene Fäule nur noch mittelfristig und später wahrscheinlich nur mit Rückschnitt auf Habitatbaum (Stamm mit ein paar Stummeln) zu halten, aber das müßte ich vor Ort sehen. Auch ohne den Stammfuß gesehen und sondiert zu haben würde ich den Bildern nach davon ausgehen, daß deine Robinie von einem wurzelbürtigen Pilz beknabbert wird und davon auszugehen ist, daß es da unter der Erde noch schlimmer aussieht als an der Bruchstelle.
Ich komme also zu dem selben Schluß wie dein "Baumpfleger", ich würde den Bildern nach empfehlen, den Baum zu entfernen.

Nist- und Brutschutz (Bundesnaturschutzgesetz Paragraph sowieso) greift NICHT bei Maßnahmen, die aus Sicherheitsgründen erfolgen. Ob der Baum jetzt schon unsicher ist, kann ich den Bildern nach nicht entscheiden. Der Nist- und Brutschutz geht vom 01.03. bis zum 30.09. ... ebenfalls greifen dort die meisten (alle?) Baumschutzsatzungen nicht, aber bevor es Ärger gibt, holt man sich den Herrn oder die zuständige Dame von der Stadt mal raus.
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Alice
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Alice »

Hallo Hessekopp,
ganz herzlichen Dank für diese Einschätzung - auch dazu was hinter dem Begriff Baumpfleger steht.
Also das sieht nach Fällung aus - tendenziell, wenn ich mir das so überlege.

Wir trösten uns schon mit dem Gedanken einer Neupflanzung und der Vorstellung, dass es irgendwann wieder so aussehen kann, wie jetzt ... wenn die alte Robinie gefällt werden müsste.
Wir warten noch die zweite Meinung ab.
Viele Grüße
Alice

Cryptomeria
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Cryptomeria »

Dass Robinien sehr leicht brechen, kann ich auch bestätigen. Bei einem Gewitter brachen bei mir einige der rosa- und rot blühenden Sorten komplett auseinander.
Bei Imkern ist die Robinie sehr beliebt. Scheint eine gute Bienenweide.
Ich weiß nicht, was ich in meinem Garten machen würde. Ich bin auch immer für Erhalten, so lange Leben im Baum ist. Vielleicht würde ich auf Stock setzen und einfach schauen, was passiert. Vielleicht wächst er wieder ansehnlich hoch. Komplett absägen kann man immer noch. Aber nur, wenn er weiter weg stünde. Jeden Tag auf einen solchen Stummel schauen, muss das Auge auch ertragen. Auf jeden Fall würde ich die Krone wegnehmen, denn da geht evtl. Gefahr aus.
Und noch etwas: Wenn ihr komplett runtersägt, kann es sein, dass es sehr viele Wurzelschösslinge gibt, die sehr schnell wieder hochwachsen. Wenn da einer an passender Stelle hochkäme, hättet ihr wieder eine Robinie. Wenn ihr denn eine solche wieder wolltet. Sonst eben alle Schösslinge immer wieder abschneiden.
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Alice
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Alice »

Hallo Cryptomeria,
danke - das sind gute Ratschläge, auch mit den Schösslingen! Daran haben wir gar nicht gedacht.
Viele Grüße
Alice

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LCV
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von LCV »

Hallo Alice,

zu den Schösslingen: Ich sehe es bei uns am Oberrhein, dass die Robinien viele
Ausläufer bilden. Im Umkreis von ein paar Metern kommen Schösslinge hervor.
Wie bei der Aralia, Rhus, aber auch div. Prunus wird das vor allem provoziert,
wenn man diese Bäume absägt oder irgendwie stutzt. Es ist offenbar der im
Baum steckende Lebenswille, der diese Reaktion auslöst. Es kann deshalb sein,
dass auch dieser abgebrochene Teil einen ähnlichen Effekt hervorruft.

Da habe ich eine Frage an Hessekopp: Wenn offenbar der Wurzelstock der
Robinie vom Pilz befallen ist, steckt dann der Ärger auch in den Schösslingen?
Würde man die Robinie fällen und den Wurzelstock ausgraben, wäre dann eine
Behandlung des Bodens nötig, um den Pilz abzutöten?

Mir ist aber noch etwas aufgefallen. Lt. obiger Beschreibung steht der Baum auf
der Grundstücksgrenze. Da er ja schon ziemlich alt ist, kann das damals in
Ordnung gewesen sein bzw. die Grundstücke wurden später mal anders aufgeteilt.
Nach aktuellem Recht darf man keine Bäume auf die Grundstücksgrenze setzen,
sondern muss einen Abstand einhalten. Dies würde bei einer Neupflanzung greifen.
Vielleicht kann man sich mit dem Nachbarn einigen (am besten schriftlich, falls
der mal verkauft). Ist allerdings öffentliches Gelände auf der anderen Seite,
darf man sicher nicht direkt auf die Grenze pflanzen. Deshalb sollte man das
verringerte Platzangebot bedenken, wenn ein neuer Baum gepflanzt wird.
Sonst hat man in ein paar Jahren ein neues Problem. Die Wahl eines Baumes
sollte sich immer am verfügbaren Platz orientieren.

Gruß Frank

Hilmar
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Hilmar »

Hallo Alice,

bei Deinem ersten Foto sind die alten Kappungsstellen deutlich zu erkennen. An dieser Stelle enden die dicken Äste abrupt und aus zahlreichen, bedeutend dünneren Neuaustrieben heraus wird die Blattmasse gebildet. Die Robinie war unmittelbar nach diesem Rückschnitt nur ca. halb so hoch wie im derzeitigen Zustand. Ich vermute, dass der V-Ziesel Anlass dieses Rückschnittes war. Die langen Neuaustriebe und die eingewachsene Borke im V-Zwiesel führten zum Bruchversagen. Möglicherweise wurde nach diesem Bruchversagen erst eine Fäule im unteren Stammbereich sichtbar. Das ist auf den Fotos nicht klar zu erkennen. Ich bezweifle jedoch den Fäuletyp. Im Splintholz schließe ich diesen Fäuletyp nicht aus, aber meine Damen und Herren, was sollte im Kernholz des Stammes einer stehenden und vital scheinenden Robinie eine Weißfäule, egal ob selektiv oder simultan, verursachen, ohne dass sich vor dem Bruchversagen Pilzfruchtkörper gebildet hätten?

Sollte der zweite Experte eine Fäule in Wurzelstock und dem stehen gebliebenen stärkeren Stammfragment bestätigen, empfehle auch ich die Fällung des Baumes. Sind Wurzelstock und Stammfragment hingegen intakt, kann die Baumkrone in Höhe alter Kappungsstellen zurückgeschnitten werden und anschließend noch mehrere Jahre als Kopfbaum erhalten werden. (Bitte jetzt keine Diskussion von wegen, dass ist kein Kopfbaum etc.). Zukünftig müssten jedoch die Neuaustriebe in regelmäßigen Abständen entfernt werden.

Hallo Hessekopp,

es gibt sehr wohl den zertifizierten Baumpfleger. "Die Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen bietet den Abschluss zum
LWK-Zertifizierten Baumpfleger an." (Quelle: Auszug aus dem www, einfach mal Tante Google fragen)
Neben den European Tree Worker sind außerdem noch die geprüften Fachagrarwirte für Baumpflege und Baumsanierung am Start.
Deren Berufsabschluss basiert auf einer halbjährigen Fortbildung, wobei der Abschluss mit mehreren durchaus anspruchsvollen Prüfungen
in Theorie und Praxis verbunden ist. Neben Deinen genannten "Jodeldiplomen" gibt es auch noch ernsthafte Qualifizierungen in der
Baumpflege. Wobei sich auch der zertifizierte Baumkontrolleur von der grauen Masse derer, die Bruch- und Standsicherheit allein durch Handauflegen beurteilen wollen, mit Wissen und Können hervorheben soll.
Übrigens, würde m. E. die Schalltomografie bei einem halbschalenförmigen Stammquerschnitt zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führen.

Gruß Hilmar

Alice
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Alice »

Lieber Hilmar,

danke. Ich habe alles gut verstanden und werde nach dieser Empfehlung vorgeben. Ich gebe zu - ich WÜNSCHE mir, dass der Baum bleiben kann, so dass Deine Nachricht ein Hoffnungsschimmer ist.

Eine Rückfrage: Warum darf man nur da schneiden, wo oben schon in der Höhe Mal geschnitten wurde. Das ist erst 1,5 Jahre her.
Dann wird es doch wieder so ein hoher Baum ... wenn ich nicht genug wegschneiden lassen ... denke ich als Laie. Darf man nicht noch eine Stufe niedriger gehen? Also ich meine fast die Hälfte der Gesamthöhe wegschneiden? Oder ist das das schädlich für den Baum und/ oder führt zu unerwünschten Nebenwirkungen? 1000 Schösslinge? Puh, dann habe ich etwas zu tun.

Ich frage so genau, weil ich dem Baumsäbler genau auf die Säge schauen werde und abstimmen will, was er da vor hat.

Ich muss nochmals um Verständnis bitten für meine vermutlich doofen Fragen. Ich bin nach ganz neue Gartenbesitzerin und in das Thema Bäume noch nicht eingearbeitet. Der Stammbruch ist übrigens am Freitag, den 13. Juli passiert und ich übernehme den Garten erst Anfang September. Das sind also ganz unerwartete Fragestellungen die über Nacht über mich hereinbrechen ... Stress pur, da der Baum eben auch ein Risiko sein könnte.

Ab jetzt schreibe ich nicht mehr zurück, wenn jemand antwortet im Sinne Danke. Kein Fach-Inhalt bzw. bläht den Chat zu sehr auf. Schweigen bedeutet also ab jetzt bitte NICHT Undank. Ich bin Euch allen sehr dankbar.
GLG
Alice

Cryptomeria
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Cryptomeria »

Du kannst ruhig wieder antworten. Wir sind auf Seite 1. Da ist nichts aufgebläht. Ich würde auch die Säge etwas tiefer ansetzen. Aber warte noch das Urteil der Fachkundigen ab.
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Hessekopp
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Hessekopp »

Hallo in die Runde,

der LWK-zertifizierte Baumpfleger war mir bisher unbekannt. Da es sich dabei wie beim ETW und dem Fachargrarwirt für Allesmögliche (und es gibt da noch mehr) um keine Berufsausbildung sondern lediglich um eine Zusatzqualli handelt, fällt das bei mir unter Jodeldiplom, womit ich niemanden herabsetzen will, ich habe ja selbst eine ganze Reihe davon. Es gibt sehr erfahrene Leute, die keinen Schein dieser Art in der Tasche haben und doch 95% der Leute mit Jodeldiplom lässig übertrumpfen. Es gibt aber natürlich auch echt saugute Leute mit so nem Schein, zu denen ich mich nicht zähle ... ich bin m.E. bestenfalls "ganz nett für nen Anfänger aber ausbaufähig und lernwillig" :D

Zum GERATENEN Übeltäter ... bitte ... sowas geht nicht von Bildern.
Häufig, nicht gerade unwahrscheinlich, auch schon an jungen Robinien und vorallem oft ohne Ausbildung von Fruchtkörpern ist Perenniporia fraxinea / der Eschenbaumschwamm der Übeltäter. Er verursacht eine simultane Weißfäule und nimmt sowohl Kern als auch Splintholz ... aber bitte ... ich will den Bildern nach nichtmal entscheiden, was da für eine Fäule vorliegt.

Gegen einen Pilz im Boden kann man nichts machen ... zumindest nichts, was nicht auch der umliegenden Vegetation erheblich Schaden würde.
Der Pilz ist aber garnicht im Boden, sondern im Holz.
Die Frage, ob die Wurzelbrut nicht automatisch oder wenigstens wahrscheinlich auch den Schädling hat, kann ich (man?) nicht beantworten, sie stellt sich mir aber auch nicht. Nach meiner Erfahrung schiebt die Wurzel nach einer Fällung soviele Schößlinge, wie sie kann und ich weiß nicht, wie lange ich die anderen alle abweiden muß, bis sie sich endlich mit dem einen zufrieden gibt, den ich stehen lasse. Dann doch lieber alle konsequent abweiden und nach 3 Jahren ist die Wurzel ausgehungert.
Ich würde auch nicht wieder eine Robinie dort pflanzen. Zwar begnügen sich die meisten Schädlinge mit geschwächten oder zu stark verletzten Bäumen aber ... zur Zeit zum Beispiel dürfte nahezu jeder Baum als geschwächt durchgehen, so wenig Wasser wie es seit Wochen von oben gab.

Nun zu dir Alice ... mein alter Lateinlehrer sagte mir: In einem Gebiet muß man im Leben Fachmann sein ... für alles andere muß man nur wissen, wen man fragen kann. Eine Frage wird erst dann dumm, wenn man sie stellt, obwohl sie schon mal beantwortet wurde. Wo bitte, wenn nicht in einem solchen Forum, soll man denn fragen? Also frag weiter ... das ist der Sinn dieses Forums.

Hilmar empfielt den Rückschnitt auf die alten Kappungen, weil das Holz, was da drangewachsen ist, noch sehr jung und widerstandsfähig ist. Es kann sich noch für eine Robinie verhältnismäßig gut gegen Schädlinge wehren. Wenn man jetzt weiter unten schneidet, wird wesentlich älteres Holz freigelegt und das kann sich dann schon nicht mehr so gut bis gar nicht mehr wehren. Wenn du also dem Baumpfleger auf die Finger schauen willst, verbiete ihm die einfache Nachkappung (Schnitt unterhalb der alten Schnittstelle) und bestehe auf einem "Kopfschnitt" an jeder einzelnen Kappungsstelle (Die Schnitte erfolgen direkt an der alten Kappungsstelle und man schneidet dabei nur das ab, was an den alten Schnittstellen neu dran gewachsen ist, ohne in das alte Holz zu schneiden. Das wird dann zwar kein klassischer Kopfbaum, aber man macht mehrere Kopfschnitte und das alle maximal zwei Jahre ... teuer und meines erachtens ist der Baum eh nur mittelfristig (10-15 Jahre) noch zu halten ... ich würde ihn umsägen. Ein weiterer Grund dafür ist, daß dem Baum jetzt eine Seite fehlt, dadurch hat er Übergewicht auf die andere Seite. (Die meisten) Laubbäume stabilisieren sowas durch Zugholz, welches auf der der Last abgewandten Seite gebildet wird ... nur da ist die Faulstelle und der Stämmlingsausbruch, da ist nichts zu machen mit Zugholz. Ohne Behandlung kann er also keinesfalls bleiben.
Wenn du übrigens den Baumpfleger noch drauf hinweist, daß Schnitte unter 5cm Querschnitt mit der Kettensäge nicht fachgerecht sind und er daher doch bitte die Handsäge benutzen soll und für die meisten erforderlichen Schnitte eh keine Kettensäge brauchen wird, falls er eine mit hoch nimmt, hast du es ihm so richtig besorgt ... und das auch noch zu recht, ich hätte nur ne Handsäge und ne Rosenschere dabei ... eine Astschere wäre aber auch erlaubt.

Man kann keinen Baum kleiner machen, als er es je war. Egal wieviel ich oben abschneide, hat er noch Wurzeln für die alte Größe und wird die auch schnellstmöglich wieder zu erreichen versuchen. Ich rate DRINGEND davon ab, das Wurzelwerk zu verkleinern.

Lehrbuchmäßig hält man einen zu groß werdenden Baum folgendermaßen klein:
Wenn der Baum die Sollgröße fast erreicht hat, kürzt man die Krone im Bereich von 3 bis allerhöchstens und bei vielen Baumarten besser nicht 5cm Querschnitt der Schnittflächen (Schwachastbereich) im laublosen Zustand und nach den schweren Winterfrösten (also Ende Februar) ein und schneidet dann alle 1-2 Jahre wieder Ende Februar alles bis auf den schwächsten Trieb ab, was da drangewachsen ist. Den schwächsten Trieb läßt aber kaum jemand stehen, weils scheiße aussieht. Man erhält so einen mehrköpfigen Kopfbaum ... im Prinzip das, was Hilmar andeutete, nur nennt man es bei deinem halt formal nicht Kopfbaum, weil bei deinem die ersten Schnitte zu groß sind, und man es daher formal "Nachpflege von Kappungen" nennt ... das ist das, was Hilmar nicht diskutiert sehen will aber ich sehe es wie er ... es wird dann halt faktisch ein mehrköpfiger Kopfbaum, egal was das blöde Regelwerk dazu sagt.
Bild

Alice
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Re: Zwieselbruch an alter Robinie. Fällung?

Beitrag von Alice »

Danke für Eure netten Reaktion. Daher antworte ich doch nochmals.

Also Hessekopp, Du bist wirklich ein toller Baumspezialist. Das sitzt. Ich habe jetzt ganz viel verstanden. Hätte ich nie gedacht, dass Bäume so angelegt sind - Wurzel so groß, dass er wieder auf die alte Größe powert, erst Ruhe gibt, bis ein Schössling belassen wird, der Lebenserwartung verspricht u.s.w. Wunderwerk Natur. Ich bin fasziniert. Bisher habe ich mich immer nur an der Schönheit der Bäume erfreut. Aber wie sie funktionieren, damit habe ich mich nie befasst.

Naja, Tageserfolg: Baum wird geschnitten, so wie hier angeleitet. Das kann nicht verkehrt sein. Der zweite Fachmann hat sich noch nicht geäußert nach der Beschau. Ich hatte nicht erwähnt, dass ich noch ca. 650 Km weit weg wohne von meiner "neuen" Robinie ... was es auch nicht gerade leichter macht. In dem Garten sind übrigens schon öfter gesund anmutende Bäume umgefallen von jetzt auf gleich. Eine uralte riesige Trauerweide. Man hatte kein Schwächeln gesehen, so die jetztigen Gartenbesitzer. Vielleicht stimmt da was im Boden nicht. Da kommt noch was auf mich zu .. da stehen noch riesige Nadelbäume, riesige.

Ganz lieb, dass Ihr alle Euch so viel Mühe gemacht habt und so viel Zeit investiert habt. Das weiß ich sehr zu schätzen.
Beste Grüße
Alice

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