Frage zu Fäulnis an Apfelbaum

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Reindl86
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Beitrag von Reindl86 » 18 Apr 2017, 11:46

Kiefer hat geschrieben:Nee, ist kein Desinteresse, einfach nur Ahnungslosigkeit- die Zeiten, wo einem hier gewiefte Cracks aus jeder Notlage geholfen haben, die sind erstmal dünn gesät.
Und der Rest hier weiß zusammen genommen zwar viel, aber was nutzt die beste Rolex- Zwiebel aus 999er Gold mit Beschlag aus jungfräulichen Edelsteinen, wenn da im Getriebe drei/ vier Zahnrädchen fehlen- da geht selbst so ein Edel- Chronometer halt mal was nach :?.

So wie es aktuell mit der Beratung läuft, ist das den Umständen entsprechend schon ziemlich gut.
Ja, danke. Sorry nochmals wegen der Überreaktion.

Hessekopp
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Beitrag von Hessekopp » 18 Apr 2017, 22:03

Also die (neuen) Bilder für sich sind mir leider zu aussagelos. Ich sehe da weder, wie groß der betroffene Ast ist, noch sehe ich, wo am Baum sich die Wunde befindet. Ich sehe nichtmal, wie der Baum gewachsen ist.

Wenn da jemand zum Apfelpflücken durchsteigt, interessiert es mich recht wenig, ob der Apfel auch mit 3cm Restwandstärke noch leben kann ... er bricht dann halt unter dem "jemand" auch bei angestellter Leiter zusammen. Ich durfte das schon erleben, war aber an einem gesünderen Teil des Baumes gesichert ... das macht auch MIT Sicherung keinen Spaß und da raucht man erstmal ein paar Zigarretten auf den Schrecken, bevor man weitermacht.

Wenn der Baum aber nur Deko ganz weit hinten im Garten ist, an dem nie jemand rumfummelt und wo er nichts kaputtmacht, wenn der nächste Sturm ihn zerbröselt, sieht das natürlich ganz anders aus.

So einen Baum gucke ich mir vor Ort oft mehrere Minuten in Ruhe an, von vielen Seiten, dann mache ich vielleicht irgendwo einen belanglosen Schnitt distal (an der Stammabgewandten Seite) der Schadstelle, also an einem Ort, den ich eh sicher wegschneide, um mir anzugucken, ob da auch Fäule vorliegt und wenn, dann welche. Vorher lasse ich mich da auf keine Diskussionen mit dem Kunden ein. Auch dann kann es passieren, daß ich drei ... vier ... fünfmal schneide und es kam auch schon vor, daß ich am Ende empfohlen habe, das ganze Ding umzusägen. Da fällt es schwer, nur aufgrund von Photos ein Urteil zu fällen, das man auch live am Baum noch guten Gewissens vertreten kann.

So nen Apfel an sich ist schon nichts sehr langlebiges und wenn man dann noch kräftig dran rumschnitzt, werden die erst recht nicht sonderlich alt und geben es gern schon nach 40-50 Jahren oder gar früher dran.

Daß du lange keine oder nur wenig Reaktion bekommen hast, liegt vermutlich daran, daß hier zwar doch einige Leute unterwegs sind, die Gehölze sehr gut bestimmen können aber von der Pflege nur wenig Ahnung haben. Wer da vernünftig ist, schreibt besser garnichts und hier sind durchaus viele Vernünftige unterwegs. Was vor einigen Jahren noch der letzte Schrei in der Baumpflege war, kann heute schon totaler Müll sein. Aus der Gehölzbestimmung halte ich mich hier weitestgehend raus, das können andere viel besser als ich ... ich lese die Threads aber trotzdem.

Ich kenne aber auch kein Forum, an das du dich eher wenden solltest. Antworten bekommst du hier und da sicher viele, aber ob die auch gut sind, steht auf einem anderen Blatt.

Bei der Baumpflege gibt es oft auch nicht DEN EINEN richtigen Schnitt ... aber ja ... viele falsche.
Che80 schreibt inhaltlich "der ist vermutlich eh schon hin, mach nen Entlastungsschnitt und gib ihm noch nen paar Jahre" ... ich schreibe inhaltlich "Schneide das raus, bevor sich da noch jemand den Hals bricht". Das hat beides was für sich.
Ich habe über 5 Jahre einen zerbröselnden Ahorn mit teilweise über 40cm Astquerschnitt bei am Ende teilweise deutlich unter 5cm Restwandstärke nach einem Pfuscherschnitt (eines anderen "Gärtners") gepflegt und mich vorletztes Jahr, nachdem ich aufgrund des Efeubewuchses nichtsmehr über meine Sicherheit sagen konnte, dazu durchgerungen, jede weitere Arbeit an dem Baum abgesehen von einer Fälling ohne Hebebühne schlichtweg zu verweigern ... die Kunden sind wir los, was mir mal schwerst egal ist ... und meinen Chefs auch.

Ich hinterlasse möglichst keine bruchgefährdeten Ruinen, an denen sich der Nächste den Hals bricht ... und wenn es "nur" der Enkel ist, der aus lauter Lust und Laune mal in dem Baum herumklettert oder sich an einen Ast hängt. Diese Meinung muß man nicht haben, aber man darf.

Bei aller Liebe zum Baum ... ich habe da andere Prioritäten und solche Wunden gehören im Vorfeld schon vermieden. Wenn sie halt da sind, muß man das beste draus machen, aber das hängt von deinen persönlichen Prioritäten ab ... Sicherheit oder halt eventuell ein paar Jahre länger für den Baum. Ein stammnaher (zu) großer Schnitt verkürzt in (fast) jedem Fall die Lebensdauer des Baumes enorm ... wenn es nur und ausschließlich um den Baum gehen darf, bin ich - wenn auch widerwillig - bei Che80.
Bild

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 18 Apr 2017, 23:33

Gerade wer Bäume liebt, muss auch mal welche umsägen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Sonst entsteht bei den Leuten ein falsches Bild vom Baum, alá unberechenbar, jederzeit einsturzgefährdet, brandgefährlich whatever, und der Baumhass, sage ich mal, hat ja nun schon so weit um sich gegriffen, dass man in Ortschaften kaum mal noch richtige Bäume in den Gärten sieht. Wo noch welche stehen, sind es oft alte Hofbäume, doch selbst da ist das Bild bezeichnend: Hier herum sind sämtliche ehemaligen Hausbäume vor den Höfen, so noch vorhanden, ziemlich üble, meist derart abgängige Krücken, dass sie eigentlich umgehören.
Hat aber bislang niemand gemacht, weil die ja die letzten Reste einer alten, einst verbreiteten Tradition darstellen. Brauchtumspflege ist auch absolut in Ordnung soweit, ist aber ein weiteres Beispiel dafür, was der Hessekopp beleuchtet.
Da wird lieber jahrelang auch noch an den letzten Löchern rumgepflegt, obwohl ein bodenparalleler Schnitt auf 20 cm Höhe das einzig noch angebrachte Mittel wäre. Aber wie ich anderweitig schon mal angeführt hatte, sagt sowas lieber kein "Gärtner", denn "an einem umgesägten Baum verdient man nur einmal"...

Den "Gärtner" setze ich hier bewusst in Anführungsstriche, denn der wirkliche Gärtner wird situationsbezogen urteilen und dann mitunter auch mal eine unschöne Wahrheit aussprechen.
An dieser Stelle mein ehrliches Hut ab für all die Kollegen, die das ohne Beschönigungen wagen!
Für den Kunden und für die Bäume!

che80
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Beitrag von che80 » 19 Apr 2017, 06:44

Hi ihrs zum einen zu hessekopp. Aus der Sicht des Mannes am Seil habe ich die Situation tatsächlich nicht betrachtet. Wenn ein Baum eine Gefahr darstellt muß er natürlich gefällt werden. Ich gehöre zu der Fraktion dem das Klettern zu anstrengend ist und lieber mit einer Bühne durch die Bäume kurvt. :wink: Respekt vor der harten Arbeit am Seil im Baum! Mir geht es in erster Linie um den Erhalt von Bäumen und so habe ich auch auf die Frage geantwortet. Ein alter Baum kann immer potentiell "eine Gefahr darstellen" gerade wenn man sich nur Bilder anschaut. Von daher ist deine Antwort absolut richtig das man den Baum eigentlich erst in Augenschein nehmen müsste um ihn eingehender zu untersuchen. Falls die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist herunter mit dem Ding.
Zu der Geschichte mit der Leiter. Ich stelle recht ungern eine Leiter an einen Baum. Lieber als Bock auf gestellt und dann nach oben, zum einen kommt man so prima an die äußersten Äpfel und zum anderen werden Verletzungen am Stamm vermieden.
Nun zu Kiefer du hast auch recht wenn ich mir manche Bäume anschaue die in Ortschaften stehen bekomme ich einen Würge reiz. Da kommen sogenannte Fachleute um einen Baum zu "pflegen", nehmen dafür viel Geld von den Kunden um dann eine absolute Ruine zu hinterlassen. Und dann kann man sich das leiden der Bäume über Jahre anschauen. Eine fachgerechte Baumpflege funktioniert anders. Wie oft bin ich schon zu Baustellen gekommen, an denen sich "Kollegen" schon ausgetobt haben, um dann zu versuchen noch etwas zu retten.
An alle wenn ihr Bäume habt an denen etwas gemacht werden soll, lasst euch die Fachkenntnis der Firma nachweisen. Es gibt extra spezielle Ausbildungen im Bereich der Baumpflege, und der Besitz einer Bühne oder eines Kletterscheines reicht nicht dafür aus. Dies sind nur rein technische Aspekte der Baumpflege keine fachlichen.

VG Sören

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb » 19 Apr 2017, 17:38

Hallo,
um auf das eigentliche Problem von Reindl86 zurückzukommen, an deinem Baum ist einfach der Zug schon längere Zeit abgefahren.
Der für den Defekt maßgebliche Pilz hat sich an diversen Stellen etabliert, wie deine Fotos zeigen. Nectria galligena ist nur ein Wegbereiter für weitere Holzzersetzer und die sind hier wahrscheinlich auch schon mit ihren Beißern unterwegs. Häufig ist das ganze durch einen Blutlaus-Befall begleitet, so dass man sich ordentlich einsaut, wenn man zur biologisch optimalen Zeit den Eingriff durchführen möchte, auch dies deutet sich hier an.

Bei kleinen Stellen ist ein herausschneiden sinnvoll, deine letzten Fotos aber zeigen einen umfassenden Befall und eine versäumte Wundpflege am Apfelbaum, letzteres soll kein Vorwurf sein, sehe ich häufiger.

Sollte der Apfel im Garten stehen welcher regelmäßig benutzt wird, sollte man darüber nachdenken, ob man sich diese Baustelle an das Bein binden möchte. Das insbesondere wenn es keine besondere Sorte ist und man immer wieder mit der Leiter in ein sich langsam auflösendes Baumfragment hineinsteigen muss.

Abschließend noch kurz zur Diskussion:
Wenn Euch hier die Profis helfen, habt bitte Geduld. Der örtliche Pflanzenschutzberater macht auch Termine und hat auch mal Urlaub. Es ist ziemlich obstrus, wie manche Leute im Zeitalter der Smartphones mittlerweile glauben, alles sei wie in den Werbeversprechen einiger großer Banken oder Versandhäuser mal eben möglich. Am Ende sind hier ganz nachvollziehbare Hinweise gekommen, mit denen die Aufgabe zu lösen ist. Welcher Weg aber gegangen wird, dafür ist einzig der Eigentümer des Baumes verantwortlich und keiner in diesem Forum, welches kostenfrei für seine Nutzer ist... :wink:

Reindl86
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Beitrag von Reindl86 » 20 Apr 2017, 09:35

Vielen Dank für das umfassende Feedback.

Grundsätzlich steht der Baum in einer 4er Reihe. Er ist ca. 2 bis maximal 3 Meter hoch und stellt meiner Meinung nach keine Gefahr da.

Ich verwende lediglich zum Schneiden eine Leiter - zum Pflücken ist keine notwendig.

Für mich hat der Baum eher symbolischen Wert und mir ginge es eher darum, den Baum so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

Den Krankheitsbefall habe ich mir wohl dann selber zuzuschreiben :<<<<<

Ich werde hoffentlich am Wochenende dazu kommen und interessenshalber noch ein paar Bilder machen.

Mahaleb
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Beitrag von Mahaleb » 23 Apr 2017, 08:29

Hallo,
für die kommenden Einträge hier folgender hilfreicher Hinweis:
Bei den Fotos einen Meterstab (Zollstock) mit 90 Grad anwinkeln und mit abbilden. Man erlebt es immer wieder, dass so genannten Riesenschäden proklamiert werden und diese eigentlich relativ moderat, andere sogar winzig im Vergleich zum intakten Rest sind... :wink:

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