Allgemeine Baum-Fragen

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Alnus glutinosa
Beiträge: 6
Registriert: 04 Mär 2017, 19:35

Allgemeine Baum-Fragen

Beitrag von Alnus glutinosa »

Hallo, liebe Foren-Mitglieder!

Ich bin neu hier im Forum, habe die Datenbank aber schon ziemlich oft und sehr gerne besucht.

Ich habe mich registrieren lassen, weil ich gerne ein paar Baum-Fragen stellen möchte, auf die ich sonst bisher keine zufriedenstellenden Antworten gefunden habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir helfen könntet:-)

1. Warum werfen Stiel-Eichen, Rot-Buchen und Hainbuchen einen Teil ihres Laubes erst im Frühjahr ab? Liegt das an den Gerbstoffen und daran, dass das Laub nur langsam verrottet, so dass es den Boden unter den Bäumen zu sehr "verschließen" würde, wenn alles auf einmal herunter käme?

2. Warum haben manche Bäume - vor allem Straßenbäume -Verwachsungen/Wucherungen am Stamm? Ich habe von Baumkrebs gelesen, der ja wohl keine Krebs-Erkrankung im eigentlichen Sinne ist... Kann das daran liegen, dass untere Triebe nicht sehr behutsam beschnitten worden sind, so dass der Stamm (das Kambium?) beschädigt worden ist und der Baum nun den Verlust überkompensiert? Besonders stark aufgefallen ist mir das bei einer Platanen-Allee in Dortmund.

3. Hat der Zweigriffelige Weißdorn auch mindestens zwei Fruchtknoten und damit die Früchte auch mindestens zwei Kerne?

Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand von Euch die Fragen beantworten könnte:-)

Herzliche Grüße

Cryptomeria
Beiträge: 9330
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Hallo und herzlich willkommen,
zu Pkt.3 : Ja, Blüten immer mit 2 oder mehr Griffeln , entsprechend Früchte immer mit 2 oder mehr Kernen.
VG Wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

che80
Beiträge: 169
Registriert: 21 Dez 2016, 22:17
Wohnort: Celle

Beitrag von che80 »

Hi und auch von mir ein herzliches Willkommen.

Zu Punkt 1 wissenschaftlich belegen kann ich es nicht aber meine Vermutungen laufen in die Richtung das zum einen Eichen die letzten sind die Laub abwerfen, ich kann das immer schön bei mir vor der Haustür beobachten. Die die früh anfangen verlieren ihr Laub komplett und die die spät abwerfen halten es. Meine Vermutung ist nun das die Hormone die zum abwerfen des Laubes führen nicht mehr richtig zur Geltung kommen, da der Frost schon einsetzt und der Baum in den Ruhemodus schaltet.

Zu Punkt 2 es gibt zig Gründe für Wucherungen am Stamm. Einige Baumarten wie z.B. die Platane neigen im alter dazu solche Wulste auszutreiben. Also eine typische Prägung. Dann gibt es auch die Wasserreiser die immer an der selben Stelle geschnitten werden und schon gibt es auch eine Beule schön zu beobachten an alten Eichen und Linden. Dann gibt es auch Bakterien die diese Wucherungen auslösen das dann zu dem besagten Krebs führt, daraus enstehen die sogenannten Maserknollen. Auch überwallte Äste führen zu leichten Beulen. Und dann fällt mir noch die Faserstauchung durch hohe Belastung ein die auch zu einer Art Beule führen kann.

VG Sören

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stefan
Moderator
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Beitrag von stefan »

Hallo Alnus glutinosa,
Bäume - und auch die gesamte Natur - haben keine Absicht!
Die Ursache dafür, dass das Laub nicht abgeworfen wird, ist, es wird kein ausreichendes Trennungsgewebe zwischen Blattstiel und Zweig gebildet. Die gleiche Erscheinung hat man z.B. beim reifen Apfel: er lässt sich leicht ablösen, der unreife noch nicht.
Was die Ursache (nicht der Zweck!) für das mangelnde Trennungsgewebe ist, kann ich Dir nicht sagen, es könnte - wie Sören geschrieben hat - an der Steuerung durch Pflanzenhormone liegen.

Gruß
Stefan
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten
(Rabindranath Tagore)


https://baum-des-tages.blogspot.de/

Alnus glutinosa
Beiträge: 6
Registriert: 04 Mär 2017, 19:35

Allgemeine Baum-Fragen

Beitrag von Alnus glutinosa »

Hallo!

Herzlichen Dank für eure Antworten :D
Die helfen mir schon mal ein Stück weiter.

Es ist mir schon klar, dass Bäume nicht bewusst absichtsvoll handeln :lol: Aber auch, wenn es sicher gut vorstellbar ist, dass der verzögerte Laubabwurf von zum Beispiel Eichen auf eine mit zunehmender Kälte beziehungsweise Frost eingestellte Hormonproduktion zurück zu führen ist, stellt sich für mich trotzdem die Frage nach dem Warum. Welchen evolutionären Vorteil hat das für die betreffenden Baumarten? Oder warum hat es für diese zumindest keinen Nachteil? Na ja, alle Fragen lassen sich vermutlich nicht beantworten oder man landet bei dem Versuch im Reich wilder Spekulationen...

Eine schöne Woche und viele Grüße,
Britta

che80
Beiträge: 169
Registriert: 21 Dez 2016, 22:17
Wohnort: Celle

Beitrag von che80 »

Hi Eichen treiben recht spät aus von daher wäre ihre Vegetationszeit kürzer als die der anderen Bäume, wenn sie ihr Laub zur selben Zeit abwerfen würden. Der späte Laubaustrieb schützt sie vielleicht vor bestimmten Schädlingen. Hainbuchen und Rotbuchen sind beides Schattbaumarten. Das Laubhalten ist mir bis jetzt nur bei Jungen Bäumen aufgefallen, da wäre meine Theorie das sie dadurch ihre empfindliche Rinde gegen die Wintersonne schützen wollen um keinen Sonnenbrand zu bekommen, den zu mindest die Rotbuche auch noch im hohen Alter nach einer Freistellung bekommen kann.

Einen Gedanken würde ich einem Baum nicht unterstellen wollen. Aber auf der anderen Seite reagieren sie auf alles was auf sie einfließt. Das habe ich schon sehr oft bei meiner Arbeit in der Baumpflege oder bei Baumkontrollen festgestellt.

VG Sören

Alnus glutinosa
Beiträge: 6
Registriert: 04 Mär 2017, 19:35

Allgemeine Baum-Fragen

Beitrag von Alnus glutinosa »

Hallo Sören,

vielen Dank für deine Antwort! Das hört sich logisch an.

Herzliche Grüße,
Britta

Andreas75
Beiträge: 3948
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hy!
1. Warum werfen Stiel-Eichen, Rot-Buchen und Hainbuchen einen Teil ihres Laubes erst im Frühjahr ab?
Che80 hat das in seiner letzten Antwort gut umrissen. Auch Eichen sind Schattbaumarten (in der Jugend), genau wie Hainbuche und Rotbuche, und alle drei tendieren sie zumindest in der Jugend dazu, das Laub im Herbst und Winter zu halten und erst gen neuem Austrieb zu verlieren. Das mit dem Sonnenschutz im winterkahlen Wald, der sommers aber recht schattig ist, halte ich für die schlüssigste Erklärung.
Wenngleich freilich auch schon reichlich alte Vertreter dieser Arten, vor allem Eichen, ihr Laub auch noch bis weit in den Winter hinein behalten. Dürfte auf jeden Fall eine evolutionäre Strategie "in der Erprobung" sein, zumindest bei den wenigen älteren Bäumen, die es mit dem Winterlaub weiterhin versuchen.
2. Warum haben manche Bäume - vor allem Straßenbäume -Verwachsungen/Wucherungen am Stamm?
Da meine ich, dass Straßenbäume an ziemlich extremem, oft suboptimalem Standort gedeihen müssen. Das löst viel Stress aus, und gestresste Bäume reagieren oftmals mit sog. "Angsttrieben". Will heißen, die treiben aus schlafenden Augen am Stamm aus, sei das nun, um die Assimilationsfläche kurzfristig schnell zu erhöhen, sei es, um den Stamm vor Strahlungshitze der Straße oder sonstigem zu schützen. Vor allem Stadtlinden sind da oft betroffen.
Weil der Stamm bis auf's Lichtraumprofil frei sein muss (4,50 m Höhe) werden diese Austriebe ebenso oft abgeschnitten, wie sie auswachsen. In dieser sehr wachstumsaktiven Zone wird also mehr Holz aufgebaut, dazu kommen die Überwallungen der Wunden, so dass sich da mit der Zeit schon monströse Auswüchse bilden können.

Ich bin diesbezüglich mal sehr gespannt und wage zu orakeln, dass es hier in der nächsten Stadt auch bald so ist. Da haben sie kürzlich junge Straßenlinden für mich völlig unverständlich widersinnig hoch aufgeastet (wenngleich mit ordentlicher Schnittechnik, was man ja heutzutage anerkennend hervorheben muss!). Die armen Bäume haben nur noch die Hälfte ihrer Krone vor dem Schnitt, vom ganzen Baum macht die Krone nur noch ein Drittel aus.
Ich gehe jede Wette, dass die dies Jahr am Stamm anfangen werden, wie ein Igel auszusehen. Einerseits zur Kompensierung der Kräfte und Säfte, zum anderen, weil jetzt soviel Stamm völlig blank in der Sonne steht. Schau 'n mer mal ^^...

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie Bakterien- oder Virenbefall der entsprechenden Stellen.
3. Hat der Zweigriffelige Weißdorn auch mindestens zwei Fruchtknoten und damit die Früchte auch mindestens zwei Kerne?
Das hat der Wolfgang ja schon prima beantwortet.
Kommt dann aber drauf an, wieviele Griffel bestäubt wurden, auch der Zweigrifflige Weißdorn kann nur einen Samen enthalten.[/quote]

Alnus glutinosa
Beiträge: 6
Registriert: 04 Mär 2017, 19:35

Allgemeine Baum-Fragen

Beitrag von Alnus glutinosa »

Hallo Kiefer,

vielen Dank für die ausführlichen Überlegungen und Antworten! Ich habe es leider nicht zeitnäher geschafft mit der Rückmeldung...

Viele Grüße, Britta

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bee
Beiträge: 4458
Registriert: 17 Okt 2008, 17:38
Wohnort: die Region, wo D an CH und F grenzt

Beitrag von bee »

Hallo,
im Pilzforum gibt/gab es zur Zeit ein ähnliches Thema (u.a. warum behalten manche Bäume ihr braunes Laub bis zu Frühjahr - insgesamt ein langer Thread mit div. Themen).

https://www.pilzforum.eu/board/thema-na ... zaufkommen

Daraufhin hatte ich noch mal im Internet recherchiert, bzg. Wirkung der Pflanzenhormone /Trenngewebe etc.

Ich schrieb dann im o.g. Thread
Zu der Wirkung der Phytohormone (Auxin, Ethen) bei "Abszission" und "Seneszens"
https://de.wikipedia.org/wiki/Abszission
https://de.wikipedia.org/wiki/Seneszenz_bei_Pflanzen

Ich hatte auch ein bisschen zu dem Thema im Baumkunde-Forum recherchiert und der beste und verständlichste Artikel dazu (gerade erst gefunden) ist m.M. der hier bei waldwissen.net (andere schreiben da in Teilbereichen ab)
http://www.waldwissen.net/wissen/wsl_he ... b/index_DE
darunter unter "Ausnahmen":
Es fällt auf, dass manche Baumarten wie Buchen, Hainbuchen und Eichen ihre vertrockneten Blätter bis in den Frühling hinein behalten. Bei diesen Bäumen bildet sich kein Trenngewebe, sondern es werden sogenannte Thyllen aufgebaut. Das sind einwuchernde Zellen, welche die Nährstoffbahnen der Pflanze verstopfen. Die Phytohormone können jetzt nicht mehr zu den Blattstielen vordringen. Die Blätter werden meistens erst mit den Frühjahrsstürmen vom Baum gefegt.
Bleibt die Frage, warum wieso weshalb manche Bäume Trenngewebe aufbauen und manche nur die Bahnen verstopfen (ohne "Sollbruchstelle") - und da kommt dann die Genetik ins Spiel, die ursprüngliche Herkunft, der evolutionäre Anpassungsprozess an irgendwelche Veränderungen. Da kann man oft nur mutmaßen.

Seltsamerweise heißt es oben im Text auch ganz allg.:
Buchen, Eichen, Hainbuchen (letztere gibt es bei mir im SW durchaus als große Bäume im Wald) behielten lange ihr Laub.
Die Aussage kann ich gar nicht so vollständig nachvollziehen.
Große Bäume mitten im Wald haben hier kein Laub mehr - einzelne Blättchen vielleicht - zumindest nach den ersten großen Herbststürmen sind sie - schon - "nackich" .
Ich kenne das auch nur so, dass z.B. kleinere freistehenden Eichen in Gärten, Hainbuchen-Hecken oder auch Jungbuchen (dicht stehend auf gerodeten Flächen, Naturverjüngung ...) bzw. kleinere Bäume am Waldrand (etwas überschirmt von größeren Bäumen) noch +- braunes Laub bis ins Frühjahr haben.

Es könnte vielleicht einfach nur so sein, dass an diesen Orten (Waldrand/ Lichtung/ Garten) die kräftigen Winde nicht die Angriffsfläche haben wie bei hohen Bäumen - und dann erst beim Neuaustrieb die Blätter fallen und es könnte sein, dass das eine sehr gute Anpassung (durch Evolution) an Umweltbedingungen ist, wie z.B. starke seitliche Sonneneinstrahlung im Winter - gerade bei Schattenbaumarten (d.h. bei Arten, die im jugendlichen Zustand normalerweise im Schatten der größeren Bäume wachsen - und das normalerweise auch so "brauchen").
Es sieht also so aus, als sei es genetisch bedingt, dass manche Arten (Buchen, Hainbuchen, Eichen) prinzipiell kein Trenngewebe ausbilden, sondern nur die Bahnen verstopfen.
Bleibt die Frage, warum man das bis in das Frühjahr hängende Laub hauptsächlich bei Jungpflanzen, bei noch relativ kleinen Bäumen oder bei verbissenen Bäumen oder bei Hecken sieht - wenn doch der Übergang zwischen Ast und altem Blatt vom Aufbau überall gleich ist.

Meiner Meinung nach wird das nur durch die unterschiedlich wirksamen Angriffsflächen des Windes verursacht, denn heute habe ich diese Beispiele gesehen:

Waldrand, auf einer "biestigen" Höhe, nach Norden und Nordwesten völlig offen, voll dem Wind ausgesetzt:
Alle kleinen Bäume (noch buschartig) am Waldrand (Buchen, Hainbuchen, Eichen) waren laublos (zwar von höheren Bäumen begleitet, aber in Windrichtung Nord nicht geschützt).
Alle hohen Bäume am Waldrand (Buche, Hainbuche, Eichen) waren laublos.

ABER: angrenzendes Grundstück (gleiches Klima, gleicher Wind) eine Fagus-sylvatica-Hecke, sehr dicht verzweigt, VÖLLIG belaubt.
(Meine Theorie ... durch den ständigen Beschnitt wachsen die Pflanzen so dicht und so schützt die dichte Verzweigung wieder vor dem Windeinfluss ...(?) das wäre dann das gleiche wie bei verbissenen Pflanzen )

10 -20 m weiter im Waldesinneren:
Jungbuchen geschützt zwischen Buchen /Hainbuchen/Eichen waren relativ belaubt
Mittelhohe Hainbuche war völlig frei von Herbstlaub, trieb schon aus.
Hohe Buchen (aber nicht die anderen Bäume überragend) , vereinzelt noch Laub in unterschiedlichen Höhen.

Privates Grundstück gleiche Höhenlage mit hoher freistehender Eiche + Hainbuche (ineinander gewachsen): völlig laublos
Gleiches Grundstück (etwas um der Ecke, etwas tiefer stehend, etwas geschützter) mittelhohe Eiche: da war noch Laub dran
Viele Grüße von bee

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