Eiche verpflanzen

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Eichreich
Beiträge: 15
Registriert: 29 Aug 2016, 21:43

Eiche verpflanzen

Beitrag von Eichreich »

Hallo,
Letzten Sommer war ich hoch erfreut in meinem Vorgarten eine kleine Eiche sprießen zu sehen. Leider trübte sich diese Freude als mir klar wurde das der Sprössling direkt über dem Abwasserkanal wächst.
Jetzt habe ich vor den kleinen zu verpflanzen. In der Ecke wo die kleine Eiche hin soll sind leider auch ein paar Wühlmäuse. Ist das ein Risiko für die Wurzeln? Kann ich etwas dagegen machen? Muss ich sonst noch was beachten?

Cryptomeria
Beiträge: 9041
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Beitrag von Cryptomeria »

Eichensämlinge machen häufig eine sehr lange Hauptwurzel und sehr wenige Nebenwurzeln. Diese Hauptwurzel darft du nicht zu kurz abtrennen, sonst bleibt nicht viel für die Ernährung. Wenn keine Steine im Untergrund sind, geht die Wurzel also rel. tief. Ist irgendein Hindernis im Weg, läuft diese Wurzel auch mal waagrecht. Also ein bisschen vorsichtig herantasten und dann einen schönen Ballen herausnehmen.
VG wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Kiefer
Moderator
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Beitrag von Kiefer »

Und die anvisierte neue "Ecke" sollte schon so mindestens 30 m Platz bieten, da Eichen ja bekanntermaßen etwas größer werden- nicht dass dann in ein paar Jahren dämmert, dass da ja dummerweise das Haus so dicht danebensteht, oder sowas.

Die eine Misere hast Du ja sehr gut erkannt- nun hast Du's in der Hand, ihr auch für den Rest ihres Lebens den gebührenden Platz zuzuweisen ;).

Eichreich
Beiträge: 15
Registriert: 29 Aug 2016, 21:43

Beitrag von Eichreich »

Kiefer hat geschrieben:Und die anvisierte neue "Ecke" sollte schon so mindestens 30 m Platz bieten, da Eichen ja bekanntermaßen etwas größer werden-...
30 m :shock: Ich habe kaum Platz.
Ich befürchte der Baum kann nicht auf meinem Grundstück bleiben. Woher kommt dieser riesen Sicherheitsabstand?

Ich schaff maximal 6m.

aki.ben
Beiträge: 194
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Beitrag von aki.ben »

30m hören sich echt viel an. Soll das der benötigte Durchmesser oder Radius einer kreisrunden Fläche sein? Oder 30x30 Meter Fläche?
Mich würde interessieren, wieviel Platz die Eiche benötigt, wenn sie etwa 50 Jahre an einem Ort gestanden hat, unter Annahme normalen Wachstums.
Wie gross die Eiche in einigen hundert Jahren geworden ist, spielt ja für die Praxis heute nicht so die entscheidende Rolle, oder sehe ich das falsch?
LG
Anna

Dioscorea
Beiträge: 118
Registriert: 20 Mär 2014, 10:25

Beitrag von Dioscorea »

Wenn das wirklich nur ein Spössling ist ?
Kann man die Lösung des Problems in die Zukunft verschieben.
Ich würde ihn in einen grossen Plastiktopf pflanzen und den Topf vergraben und alles sieht aus wie bisher.
Sinn der Sache:
Die Eiche ist in den nächsten Jahren problemlos zu verpflanzen bevor die Wurzel Probleme macht.

Ratatöskr
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Beitrag von Ratatöskr »

Eichen im Freistand, unter idealen Bedingungen, erreichen Kronendurchmesser von bis zu 30 m, der Kronen-Radius wäre dann also 15 m. Die meisten Eichen bleiben aber darunter, im Wald zumal, aber auch im Freistand. Eichen gehören nun nicht zu den besonders schnellwüchsigen heimischen Bäumen, sie brauchen bis zur Ausbildung der vollen Höhe (ebenfalls max. 30m, oft aber nur 18-25) weit mehr als ein halbes, eher ein Dreiviertel- Jahrhundert- dann geht es noch einige Zeit in die Breite bevor für einige Jahrhunderte der Stammdickenzuwachs im Mittelpunkt steht. 10-12 m Abstand von Gebäuden reichen also aus um in einem Menschenleben keine Probleme zu bekommen.

Beste Grüße
André
"Wenn eine Raupe stirbt- wird ein Schmetterling geboren"
Elisabeth Kübler Ross

aki.ben
Beiträge: 194
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Wohnort: Ås (Norwegen), ca. 90m ü. NN

Beitrag von aki.ben »

Danke für die Info zu Wachstum und zu erwartenden Ausmaßen!

Wir haben selbst ein paar kleine Eichen gepflanzt/verpflanzt, allerdings recht weit enfernt vom Haus.
Was Wolfgang über die Wurzel schreibt kann ich nur bestätigen. Eine Eiche (ca. 1,50m) saß auf felsigem Untergrund, sodass die Hauptwurzel entlang dem Fels, also fast waagerecht, wuchs. Unsere Erfahrungen mit Umpflanzen von jungen Eichen sind erstaunlich positiv. Die Bäumchen scheinen sehr robust zu sein. Besagte Eiche haben wir mehr oder wengier vom Fels abgezogen (graben ging nunmal schlecht), und sie ist problemlos am neuen Standort angewachsen. Eine andere wurde mitten im (norwegischen) Hochsommer umgepflanzt und hat es ebenso gut verkraftet.
LG
Anna

Ratatöskr
Beiträge: 531
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Beitrag von Ratatöskr »

Stimmt, mir ist das in der Tat auch ein paar mal beim Ausgraben passiert, dass ich die Wurzel mit dem Spaten abtrennte, weil sie aufgrund steinigen Bodens eben nicht senkrecht, sondern schräg oder gar ein Stück waagerecht wuchs- seither gehe ich vorsichtiger zu Werke und pflanze meist mit größerem Ballen aus und um. Insgesamt ist man wirklich immer wieder erstaunt, welch gewaltige und tief gehende Pfahwurzeln selbst kleine Eichen schon besitzen. Dass die Bäumchen recht gut anwachsen, kann ich bestätigen, was vor allem gilt, wenn man sie im unbelaubten zustand, also im zeitigen Frühjahr oder Spätherbst verpflanzt, ich gieße zusätzlich die Bäumchen noch an und wässere sie anfangs auch noch im Spommer (bei längerer Trockenheit).

Beste Grüße
André
"Wenn eine Raupe stirbt- wird ein Schmetterling geboren"
Elisabeth Kübler Ross

Kiefer
Moderator
Beiträge: 3916
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Kiefer »

Ich meine nur, weil wir hier ja immer (berechtigterweise) predigen, mit dem angebrachten Weitblick zu pflanzen.
Ist keinem gedient, wenn sie dann in 20 Jahren um muss, weil die Äste anfangen, am Dachrand zu kratzen oder bei Wind dran zu schlagen.

Dann kaufe Dir für den kleinen freien Platz doch vielleicht eine Säuleneiche, Eichreich, da gibt es inzwischen auch kleinwüchsigere bis (für eine Eiche) winzige Selektionen, wie zB. Quercus robur 'Fastigiata Koster' oder diese hier: https://www.olerum.de/baeume-und-straeu ... r-40-50-cm (nur ein Sorten- Tipp, natürlich kannst Du googeln und Dir einen anderen Anbieter aussuchen!).

Und Deinen Sämling nimmst Du schonend raus (jetzt ist die richtige Zeit dafür) und suchst Dir im Walde (oder in einer Heide, ein NSG; falls in der Nähe verfügbar) eine schöne lichte Stelle, wo sie potentiell ihr Leben machen kann :).

So wird Dir dieser normalwüchsige Sämling nicht zu groß, Du musst ihn dann in zwei/ drei Jahrzehnten nicht fällen, weil er dem Haus zu nahe kommt (oder was in der 6 m- Ecke so ansteht), der hat in der freien Wildbahn seine Chance, und die Säuleneiche, insbesondere die zweite, wird Dir niemals zu groß, und Du kannst sie noch nett umpflanzen- wäre eine WinWin- Situation für jeden :)!
Kann man die Lösung des Problems in die Zukunft verschieben.
Ich würde ihn in einen grossen Plastiktopf pflanzen und den Topf vergraben und alles sieht aus wie bisher.
Sinn der Sache:
Die Eiche ist in den nächsten Jahren problemlos zu verpflanzen bevor die Wurzel Probleme macht.
Nur bedingt kann man die Lösung verschieben.
Die Eiche (und jedes Gehölz) wird nämlich aus den Bodenlöchern des Kübels rauswurzeln, und das bereits im Herbst diesen, spätestens aber nächsten Jahres, das geht leider super fix.
Schon kriegt man sie ohne ziemliche Wurzelschäden nicht mehr raus, von daher wäre es wohl besser, die Kleine jetzt ganz und gar auszuwildern und eine Eichen- Zwergform zu pflanzen- die heutige Sortenfülle bietet ja inzwischen wirklich für jeden Anspruch eine Lösung- hat sich nur noch nicht so rumgesprochen, dass eigentlich keine Kompromisse alá Hausmeisterschnitt- Kugeln und Ostereier mehr vonnöten sind, da es für nahezu jeden Anspruch das passende Kultivar gibt ;).

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. »

Man könnte natürlich statt der Eiche einen ganz anderen Baum pflanzen und das Bäumchen, wie bereits vorgeschlagen, nachts heimlich in den Wald bringen und dort aussetzen.
Ich musste vor einiger Zeit etliche Eichensämlinge im Garten entfernen, und die sind leider alle auf dem Komposthaufen gelandet.

Kiefer
Moderator
Beiträge: 3916
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Beitrag von Kiefer »

OT abgeteilt...

che80
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Wohnort: Celle

Beitrag von che80 »

Nun gebe ich auch mal meinen Senf dazu. Sicherlich ist es toll wenn man einen kleinen Baum einen neuen Platz gibt und ihm zuschauen kann wie er wächst. Aber sobald das Pflänzchen dann den Boden zum umpflanzen verlässt, ist er sogleich geschädigt. Uns ist doch allen klar das eine Sämlingspflanze viel kräftiger ist als eine gepflanzte. Schliesslich hat sie doch genau an dem Platz zu keimen begonnen und nicht woanders. Ich habe direkt vor meiner Haustür eine ca. 140 Jahre alte Eiche stehen, die mittlerweile sogar hochamtlich das Patenkind von meiner Freundin und mir ist, wenn dieser Baum in der Mast steht und ich jede Eiche die daraus hervorgeht auspflanzen würde wären die Wälder um mich herum schon dicht.
Abgesehen davon wenn man eine einzelne Eiche in den Wald pflanzt, ohne Schutz, hat man prima Rehfutter gepflanzt.....

VG Sören

Ratatöskr
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Wohnort: Oelsnitz /Vogtland

Beitrag von Ratatöskr »

Hm, das kommt auf die Region und die Wilddichte an, in meinem kleinen Wäldchen kommen die kleinen Stieleichen sowohl als Naturverjüngung, respektive vom Eichelhäher "gepflanzte" , als auch von mir umgesetzte gut hoch, ebenso die kleinen gepflanzten Rotbuchen, natürlich wird auch mal ein Bäumchen verbissen, aber insgesamt kommt die Mehrheit gut durch. Wenn man die Bedürfnisse der Eiche (genügend Licht etwa) beachtet, spricht eigentlich doch nichts dagegen so ein Bäumchen zu verpflanzen, ggf. mit Verbissschutz-wo notwendig-, statt dass es gänzlich weichen muss und sein Leben einige hundert Jahre bevor seine Zeit gekommen ist, beenden muss.

Viele Grüße
André
"Wenn eine Raupe stirbt- wird ein Schmetterling geboren"
Elisabeth Kübler Ross

Eichreich
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Registriert: 29 Aug 2016, 21:43

Beitrag von Eichreich »

Danke für die vielen Antworten,

Das hat mir geholfen eine Entscheidung zu treffen.
Kompost kommt gar nicht in Frage. Und solche Aussagen passen meines Erachtens auch nicht in ein Baumkunde Forum. Ein Kompost Forum wäre da angebracht

Die Eiche werde ich demnächst in den Wald an eine Lichte und "Rehsichere" Stelle Pflanzen.

Fotos folgen dann wenn das Bäumchen angewachsen ist.

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