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Kleine Campsis-Übersicht

Verfasst: 23 Jul 2015, 21:28
von pgs
Zur Zeit haben wir nur Campsis radicans in den Baumlisten, aber es gibt hier in Mitteleuropa auch viele Hybriden
aus dieser Amerikanischen Klettertrompete und Campsis grandiflora, der Chinesichen Klettertrompete.
Die Hybride aus diesen beiden Arten Campsis x tagliabuana, wird, ebenso wie die Nord-Amerikanische Art in mehreren Sorten als Zierpflanze angeboten. Im BlüRä-20150719 habe ich diese Hybride mit Fotos vorgestellt. Im Forum kam sie auch schon mehrfach vor.

Hier nun eine Übersichtstabelle mit den wichtigsten Merkmalen, an denen man die drei* Arten unterscheiden kann.
*Die Hybride darf wohl auch als "Art im allgemeineren Sinne" bezeichnet werden.

Einige typische Fotos sollen die Tabelle ergänzen. Da hier (wir haben in KA die WHZ 7b) die Chinesische Art (WHZ 6b) nicht im Freien zu finden ist, wäre es schön, wenn jemand aus wintermilderen Regionen Fotos der Chinesischen Art dazustellen könnte.

Neue Werte in Tabelle-4 aufgenommen, dank der Unterstützung durch Dr. Max Seyfried, Botanik, KIT

In der 5. Version: Hybride in die Mitte, Kelchfarben markiert
6. Version (siehe S. 2).

Verfasst: 24 Jul 2015, 11:35
von pgs
Campsis radicans am Torbogengebäude des BoGaKA.

Verfasst: 25 Jul 2015, 09:13
von pgs
Die oben angegebene Tabelle von Unterscheidungsmerkmalen der Campsis-Arten beruht auf Angaben in drei Quellen und eigenen Überlegungen zum Winkel des trichterförmigen Teils der Blüte:
Fitschen (12. Auflage), wo hauptsächlich Eigenschaften der Blüte als Unterscheidungsmerkmal der Arten C. radicans und C. grandiflora genannt werden. Die Formen der Blüte und des Blütenstandes sind dabei die auffälligsten Merkmale.
Roloff-Bärtels, 4. Auflage, stellt die Blatteigenschaften in den Vordergrund, aber die Unterschiede bei den Blättern sind nicht so leicht erkennbar.
Bean http://www.beanstreesandshrubs.org stützt sich vor allem auf die Unterschiede in der Form des Blütenstandes. Nach Bean hat die Hybride die lockeren Rispen der Chinesischen Art geerbt, während C. radicans die (schlankeren und am Saum schmaleren Blüten) in dichten Bündeln von 4 bis 12 Blüten zeigt (siehe Fotos der Blütenstände oben).

Da ich kein eigenes Foto von C. grandiflora habe, suchte und fand ich dieses aus dem Netz:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Cate ... lora_1.jpg
Ich habe es verwendet um den Winkel des trichterförmigen Teils der Blüte zu bestimmen. Es ergab sich hier rund 35°. Aus einem anderen Blüten-Bild dieses Links: (/File:Campsis_grandiflora_3.jpg) ergaben sich etwa 37°..
Also liegt dieses (in den Bestimmungsbüchern bisher nicht genannte) Merkmal bei der Hybriden mit 23° ziemlich genau in der Mitte zwischen der schlanken Form von C. radicans 12° und der kurzen, breiten Form der C. grandiflora, 36° +-1°.

In der Tabelle oben habe ich das Winkelmaß für den trichterförmigen Teil der Blütenkrone von C. grandiflora ergänzt und weitere kleinere Änderungen vorgenommen.

Verfasst: 25 Jul 2015, 16:08
von Spinnich
Hallo Holger,

danke nochmal für den Schlüssel und die Erläuterungen.

Demnach kann ich jetzt sicher sein, dass mein Exemplar von einer Campsis x tagliabuana abstammt.

Bis über 40 Blüten/Rispe die in den Merkmalen mit deiner Tabelle gut übereinstimmen. Größere Blätter erreichen auch locker die 35 cm und es sind in der Regel 6 Blättchenpaare, also 13 Einzelblättchen, ausnahmsweise auch 15 Blättchen.

Das passt also auch zu den Merkmalen, die Du zusammengetragen hast.

Gruß Spinnich 8)

Verfasst: 25 Jul 2015, 19:41
von pgs
Spinnich hat geschrieben:Hallo Holger,

danke nochmal für den Schlüssel und die Erläuterungen.

Demnach kann ich jetzt sicher sein, dass mein Exemplar von einer Campsis x tagliabuana abstammt.

Gruß Spinnich
Danke für die Blumen, Spinnich, aber ob du da jetzt wirklich sicher sein kannst weiß ich natürlich auch nicht. Bin ja nun wirklich kein Experte, sondern immer noch Lernender. Die Rätsel und solche Übersichten ganzer Gattungen helfen mir dabei mehr über die Kunst des Bestimmens von Arten zu lernen. Warten wir mal ab was wirkliche Kenner dazu sagen.

Verfasst: 26 Jul 2015, 08:46
von pgs
Rolf hat mir freundlicherweise zwei Seiten zum Thema Campsis aus dem Krüssmann gesandt und Links zu Bildern von C. x tagliabuana 'Mme Galen' und anderen Sorten von Baumschulen.

Auch Krüssmann hat, wie Bean, festgestellt, dass bei C. radicans:
"Blüten zu 4—12 in endständigen Büscheln an den diesjährigen Trieben;" stehen.

Zum Trichter-Winkel der Kronröhre findet man dort (indirekt):

C. grandiflora: "Kronröhre stark trichterförmig erweitert,"
C. radicans: "Kronröhre langröhrig-trichterförmig,"
C. x tagliabuana: "In der Mitte zwischen den Eltern stehend und viel häufiger in den Gärten als diese;"

An einem meiner Fotos eines C. radicans Blütenstandes habe ich die Winkelmessung noch mal genauer für mehrere Blüten vorgenommen.

Verfasst: 27 Jul 2015, 10:44
von pgs
Nach einem heftigen Gewitter sind viele Blüten, teilweise sogar die Kelche mit den Stempeln von den Klettertrompeten heruntergefallen. Von den rötlichen Kelchen der C. radicans und den gelben der C. x tagliabuana 'Mme Galen' habe ich einige mitgenommen und hier zum Vergleich gezeigt.

Die rötlichen C. radicans Kelche sind nicht 1,6 cm (5/8 inch) wie bei Bean angegeben, sondern zwischen 2 und 2,5 cm lang.

Die gelben C. tagliabuana Kelche, die nach R/B4 2,3 cm* lang sein sollten, sind hier zwischen 3 und 3,5 cm lang. Das mag natürlich daran liegen, dass die Sorte 'Mme Galen' auch größere Blüten als die Hybride sonst hat.
*(vielleicht sollte das eher 2 - 3 cm heißen?)

Die Stempel sind etwa so lang wie die Blüten, 6 bis 7 cm.

Verfasst: 27 Jul 2015, 19:52
von pgs
Auch die gelbblühende Sorte 'Flava' von Campsis radicans, zeigt den arttypischen schlanken (etwa 12°) Blütentrichter und die kleineren, etwa 2 cm langen gelben Kelche.

Verfasst: 27 Jul 2015, 22:14
von rolf7
Hallo Holger

Schöne Darstellung der Kelche, da fehlt nur noch die C. grandiflora.

Übrigens hier eine C. radicans `Flava` mit rund 23° Röhrenwinkel http://www.eggert-baumschulen.de/produc ... Flava.html

und hier diese ×tagliabuana ‚Mme Galen‘ http://davesgarden.com/guides/pf/showimage/20269/ mit einen Winkel von rund 12° was nach deiner Theorie für eine radicans sprechen müsste.

Ich bin noch nicht überzeugt das der Kelchröhrenwinkel ein Zuverlässiges Merkmal ist. Wir haben es hier mit Züchtungen (Sorten) zu tun, die sich in der Ausprägung von den reinen Arten unterscheiden.

Gruss Rolf

Verfasst: 28 Jul 2015, 06:37
von pgs
Danke für deinen Kommentar, Rolf.

Auf dem Foto in deinem ersten Link kann ich zum Trichterwinkel eigentlich nichts genaues messen, da die Hauptachse der Blüte nicht in der Bildebene liegt. Der Winkel wird also perspektivisch verzerrt. Ich zeige das an einem eigenen Bild, da ich das aus dem Netz nicht hier verwenden kann.

Man muss auch darauf achten, dass die Blüte nur im oberen Bereich unter dem Saum mit guter Näherung trichterförmig ist. Im unteren Teil sind die Blütenkronen glockig gekrümmt.

Nur im oberen Bereich darf man also die geraden Schenkel des gleichseitigen Dreiecks an die Kontur der Blüte anlegen! Bei deinem zweiten Link messe ich sauber 23°!

Ich kann dir das Bild mit meiner Messung gerne zusenden.

Da der Winkel nur ein quantitatives Mass für die bei Fitschen und Krüssmann in Worten beschriebenen Formunterschiede zwischen den Arten ist, bin ich überzeugt, dass er als Merkmal zur Unterscheidung nützlich sein kann.

Ob man Sorten mit veränderter Blütengeometrie züchten kann, weiß ich nicht. Bisher sehe ich eigentlich nur Unterschiede in den Blütenfarben an den verschiedenen Sorten.

Verfasst: 28 Jul 2015, 10:23
von pgs
Den Trichterwinkel 36° der Chinesischen Art, Campsis grandiflora, habe ich auch aus einer Japanischen Botanischen Darstellung von Kawara Keiga:
http://o-jewel.tumblr.com/post/27688616 ... anical-art
Title:A ceiling painting in Kannonji / Chinese trumpet vine
bestimmt, die man in Wikimedia findet.

Ebenso lässt sich der Winkel 12° auch aus der Zeichnung der Blüte der Amerikanischen Art, Campsis radicans bei Krüssmann herausfinden.

Dass bei der Kreuzung der beiden Arten, C. x tagliabuana, ein Winkel um 23°
herauskommt ist also nicht so verwunderlich.

24° wäre das arithmetische Mittel der beiden Arten!

Verfasst: 29 Jul 2015, 18:36
von pgs
Heute lagen nach dem Regen sehr viele abgefallene Blüten, ohne Kelch und Stempel am Boden. Ich habe einige aufgesammelt und hier mit Maßangaben auf kariertem Papier fotografiert.

Verfasst: 30 Jul 2015, 12:49
von pgs
Unter Gedichte über Gehölze findet man ein weiteres Foto und Information zum Namen der Hybriden.

Verfasst: 30 Jul 2015, 15:34
von pgs
Noch ein Hinweis zum Trichter-Winkel der Blütenkrone. Die Querschnitte der Kronröhre sind keineswegs Kreise, der Trichter hat also nicht die Geometrie eines Kegelmantels.
Vielmehr stellt sich der Querschnitt ungefähr als unregelmäßiges Vier- oder Fünfeck mit ungleichen Kantenlängen oder als stark abgeflachte Röhre heraus, wie man in den Bildern hier erkennt. Größte Kante oben.

Diese Querschnittsform hat die Hybride ebenso wie die Amerikanische Art. Für die Chinesiche Art kann ich es bisher nicht angeben.

Der Winkel kann also nur bei Ansichten von oben oder von unten korrekt bestimmt werden. Bei Ansicht von der schmalen Seite könnte man einen Winkel von etwa 0° finden (fast parallele Wände).

Verfasst: 02 Aug 2015, 17:16
von pgs
Gerade fiel mir ein, dass ich noch gar kein Foto von der Fruchtkapsel von Campsis gezeigt habe.
Im Hintergrund steht eine Koelreuteria paniculata voller blasiger Früchte mit papierdünnen Wänden.
Öffentliche Grünanlage etwa 30 m westlich der Ecke Südliche Hilldapromenade, Paul-Ehrlich-Straße in der Karlsruher Weststadt.