Kranker Nadelbaum?

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Budriel
Beiträge: 3
Registriert: 12 Jul 2015, 21:23

Kranker Nadelbaum?

Beitrag von Budriel »

Hallo,

ich schreibe Nadelbaum weil ich nicht weiß ob es eine Tanne oder eine Fichte ist um die es geht.
Am Bum sind kaum noch Nadeln dran, einige sogar braun. Im interen Bereich sind es bur noch Äste mit so einer Krust drumrum. Sieh alles sehr moosig aus.
Ich kenne mich nicht aus und frage Euch was das sein könnte.
Vieleicht ist es aber einfach nur ausgetrocknet.
Ich muss gestehen dass ich die zwei großen Bäume im Garten nie bewusst gegossen habe. Ich dachte immer die ziehen ihr Wasser aus dem Boden.
Jetzt hab ich aber gelesen dass es Flachwurzler sind. Der Baum direkt daneben sieht gesund aus. Kann aber auch sein dass er durch den Rasensprenger genug Wasser abbekommen hat und der in der Ecke eben nicht.
Der Stamm hat auch Risse. An manchen tritt Harz aus.

Ich hab den Baum einmal im Jahr mit Dünger versogt und das letzte Jahr mit Rindenmulch bedeckt.

Achso, ich hatte die unteren Äste bis auf 2m Höhe abgesägt. Hoffe das war kein Fehler.

Kann jemand sagen was mit dem Baum los ist?
Vielen Dank schon mal im voraus!

Gruß Budriel
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AelruinoBrangwin
Beiträge: 15
Registriert: 02 Jul 2015, 11:57

Viele Ursachen für braune Nadel

Beitrag von AelruinoBrangwin »

Hallo,

es gibt viele Gründe für braune Nadeln.

1. Frosttrochnis
Immergrüne Nadelbäume leiden meist sehr während des Winters. Nennt man Frosttrochnis: Diese entsteht, wenn sie an sonnigen Wintertagen aus dem gefrorenen Boden kein Wasser und keine Nährstoffe aufnehmen können.
Abhilfe: Vor Eintritt des Winters sehr gründlich wässern.

2. Streusalz
Auch das in Winter verwendete Streusalz kann für braune Nadeln verantwortlich sein. Der Baum ist dann regelrecht salzgeschädigt. Abhilfe: Gründlich wässern, damit das Salz ausgespült wird. Kein Streusalz im direkten Wurzelbereich der Bäume!

3. ph-Wert
Der pH-Wert des Garten-Bodens, auf dem der kranke Baum steht, muss bekannt sein, will man gezielt vorgehen. Die Feststellung des pH-Wertes ist mit sogenannten pH-Meßstäbchen leicht möglich. Oft genügt die Anhebung dieses Wertes durch eine Kalkung (z.B. mit Algenkalk), und das Problem ist gelöst. Je nach Bodenart sollten folgende pH-Werte eingestellt werden (niedrige Zahl gilt für sandigen Boden, hohe Zahl für tonigen): Tanne, Wacholder, Scheinzypresse: 5,0-6,0 --- Eibe, Fichte, Kiefer: 5,5-6,5 --- Thuja: 6,0-7,5
Deshalb gilt: Bei braunen oder gelben Nadeln immer erst den pH-Wert bestimmen.

4. Nährstoffmangel NPK

Viele Garten-Besitzer sind der Ansicht, Nadelbäume müssten überhaupt nicht gedüngt werden. Zwar sind sie nicht so anspruchsvoll wie Laubbäume, sollten jedoch regelmäßig mit einem organischen NPK-Dünger (z.B. Spezial-Tannen-Dünger) im zeitigen Frühjahr und bei Neupflanzungen versorgt werden.

5. Magnesium Mangel

Noch immer herrscht die Meinung, dass mit Bittersalz (Magnesiumsulfat) grundsätzlich Nadelbräune behandelt werden kann. Falsch, denn mit Bittersalz kann allein Magnesium-Mangel ausgeglichen werden – nicht mehr!
Doch auch hier gilt: Zuerst den pH-Wert des Gartenbodens messen, denn bei niedrigem pH-Wert kann Magnesium vom Nadelbaum nicht genutzt werden.
Schnelle Abhilfe bei Magnesium-Mangel: Magnesiumsulfat (Bittersalz) in Wasser auflösen (max. 20g/l Wasser) und auf die Nadeln spritzen, jedoch nicht bei Sonnenschein. Spritzung nach zehn Tagen wiederholen.
Vorbeugung und langfristige Abhilfe bei Magnesium-Mangel: Erhaltungs- oder Gesundungskalkung mit einem magnesiumhaltigen Algenkalk. Nur bei zu hohem pH-Wert Bittersalz direkt streuen.

6. Sitka-Fichtenlaus

Dieser gefürchtete Schädling befällt vor allem Blaufichten, Sitka-Fichten und Omorikafichten (Serbische Fichten). Wichtig ist die regelmäßige Kontrolle von September bis Mai/Juni, denn die Sitkalaus schädigt im Sommer nicht. Zur Kontrolle weißes Blatt im Inneren des Baumes unter Äste halten, Äste abklopfen. Auf dem weißen Untergrund sieht man die gelbgrünen Läuse mit den roten Augen gut, es sollte dann eine gründliche Spritzung mit einem Rapsöl-Präparat (z.B. Naturen) erfolgen. Bei neuem Zuflug Behandlung wiederholen.
7. Kieferwollläuse

Vor allen Dingen an jungen Kiefern fallen im Frühjahr und Sommer an den jüngeren Trieben die Larven dieser Läuse durch ihre dichte, weiße Wachswolle auf. Die Nadeln sind braun verfärbt, brechen an den Saugstellen ab. So kommt es zu verkahlten Triebspitzen.
Abhilfe: Sofort bei Erkennen des Befalls abends ein Rapsöl-Präparat gründlich auf die Wolllaus-Kolonien spritzen.
8. Sonstige Ursachen

Es gibt selbstverständlich noch eine ganze Anzahl anderer Krankheiten und Schädlinge an Nadelbäumen, die braune Nadeln auslösen können. Auch die nicht sachgerechte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (z.B. Unkrautvernichter) oder Luftverunreinigungen (z.B. Ozon, Schwefeldioxid, Florwasserstoff) können unspezifische Verfärbungen oder Verformungen an Nadeln verursachen.

Nicht zu vergessen sind die Witterungseinflüsse. Beispielsweise kann ein Spätfrost die Maitriebe schädigen oder Triebe werden durch Hagelschlag angebrochen und werden braun.

Im Zweifelsfall den örtlichen Pflanzenschutzdienst befragen.

Genereller Tipp

Tipp für Ihre Nadelbäume im Garten

Versorge die Nadelbäume regelmäßig mit Mulch-Kompost. Der Mulchkompost wird in einer Schicht von ca. 10cm im Wurzelbereich der Bäume auf dem Gartenboden geschichtet. Das fördert das Bodenleben, schützt vor Unkraut und Austrocknung. Deine Nadelbäume werden es dir danken.

Cryptomeria
Beiträge: 9458
Registriert: 25 Mai 2006, 21:45
Wohnort: Fraulund/ 24405 Rügge

Beitrag von Cryptomeria »

Herzlich Willkommen Budriel,

was an den Ästen sitzt, sind Flechten. Das ist für den Baum kein Problem.

Meine Einschätzung: Der Baum ( von der Rinde würde ich auf eine Tanne tippen, Nadeln erkenne ich aber zu schlecht ) liegt im Sterben. Wenn ringsum alles verbaut ist,die Konkurrenz im Wurzelbereich groß oder der Grundwasserspiegel abgesenkt , könnte es Wassermangel sein. Dann müsste der Baum seit einigen Jahren schon diese Symptome aufzeigen. Die letzten Frühjahre waren in manchen Gegenden Deutschlands viel zu trocken, möglicherweise auch bei dir.
Das Totholz herausnehmen, hat dem Baum nicht geschadet. Alles, was jetzt tot ist, könnte man auch wegnehmen. Warte noch die Einschätzungen anderer Experten ab, ich glaube aber, dass der Baum nicht mehr zu retten ist und irgendwann abgesägt werden muss.

VG wolfgang
Wer Bäume pflanzt und weiß,dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird hat angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

Andreas75
Beiträge: 3978
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallo!

Das ist eine Tanne, und leider völlig am Ende, da kann man nichts mehr retten.

Budriel
Beiträge: 3
Registriert: 12 Jul 2015, 21:23

Beitrag von Budriel »

Oh nein, mit Totalschaden habe ich jetzt nicht gerechnet. Nebenan ist ja noch eine, aber wohl gesund. Hätte ich die mehr gießen sollen?

AndreasG.
Beiträge: 2740
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Wohnort: Vogtland

Beitrag von AndreasG. »

Budriel hat geschrieben: Hätte ich die mehr gießen sollen?
Dass dieser Baum vertrocknet ist, steht nicht fest. Ein derart großer Baum sollte
sich selbst versorgen können und in der Vergangenheit hat er das auch geschafft. Außerdem deutet dieser Harzfluß auf eine Krankheit hin, die nichts mit der Trockenheit zu zun haben muss.
Da der Baum in bewohntem Gebiet steht, besteht Gefahr, dass er irgendwann (demnächst) umfällt oder Äste abbrechen. Deshalb sollte er demnächst wohl gefällt werden.

Andreas75
Beiträge: 3978
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hallo Budriel,

mach' Dir keine Vorwürfe, bei so einem großen Baum müsstest Du soviel gießen, dass Dein Wasserzähler wohl im Kreis propellern würde...

Ich erkenne nicht genau, welche Tanne es ist, würde es aber beinahe für eine A. lasiocarpa 'Compacta' halten. Als solche wäre Dein Exemplar schon ziemlich alt gewesen, so dass es einfach Altersschwäche gewesen sein könnte, in der ja nicht nur menschliche Senioren verminderte Widerstandskräfte haben und leichter an sich harmlosen Krankheiten zum Opfer fallen.

Mahaleb
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Wohnort: Ruhrtal

Beitrag von Mahaleb »

Hallo,
ich würde wie Kiefer hier auf einen geschwächten Baum tippen, der vermutlich schon dem Hallimasch schmeckt und in dem Stadium hilft auch nur noch die Säge, leider.

Hilmar
Beiträge: 473
Registriert: 10 Sep 2012, 20:07

Beitrag von Hilmar »

Die gerissene Rinde und austretende Assimilate deuten auf Hallimasch hin. Der breitet sich im Boden von Baum zu Baum aus. Gießen hilft da nicht.
An der Tanne (die Borke der Fichte ist rauher) schädigt der Hallimasch das Kambium, ohne dass vorerst Stand- oder Bruchsicherheit gefährdet sind. Der Baum stirbt stehend.

Gruß Hilmar

Andreas75
Beiträge: 3978
Registriert: 13 Dez 2004, 00:17

Beitrag von Andreas75 »

Hm, man könnte natürlich als Zweckoptimist die Tanne bis auf einen 2 m- Stumpf absägen und sich für die nächsten paar Jahre an den Fruchtkörpern des Hallimasch erfreuen.
Die kann man zwar nur in Maßen verwenden, geben aber einen schönen schärflichen Geschmack in Gerichten, denen man ihn hinzu fügt... So könnte man der Sache noch was positives abgewinnen.

biloba
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Beitrag von biloba »

Kiefer hat geschrieben:Hm, man könnte natürlich als Zweckoptimist die Tanne bis auf einen 2 m- Stumpf absägen und sich für die nächsten paar Jahre an den Fruchtkörpern des Hallimasch erfreuen.
Da kann man gerne auch etwas mehr stehen lassen, zum Beispiel das Doppelte. Wenn die schwere Krone und die Windlast der Äste weg sind, hält sich die Bruchgefahr in den kommenden Jahren in Grenzen. Und der Eigentümer kann halbjährlich selber mittels beherztem Zug an einem Seil prüfen, ob für das kommende Halbjahr noch genügend Standfestigkeit da ist.
Habe ich mit mehreren Bäumen hier auf dem Grundstück so gehandhabt. Die Spechte und diverse andere Tiere hat es gefreut.


Vogelfreundliche Grüße!

Hessekopp
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Wohnort: Neuss

Beitrag von Hessekopp »

Der Baum hat es hinter sich und dunkler Halimasch kommt als Ursache durchaus in Frage.
Wenn man ihn nicht an einem Stück fällen kann, sondern stückweise abtragen muß, solltest du ihn zeitnah entfernen lassen oder halt mit okölogischem Hintergadanken ein 4m-Stück stehen lassen, denn wenn man ihn abklettern muß, wird es mit jedem Jahr gefährlicher für den Baumkletterer und irgendwann zeigt der dir nur noch nen Vogel und geht unverrichteter Dinge wieder ... ich ginge an dem in einem Jahr unter Umständen nicht mehr hoch, das muß man aber von Fall zu Fall und vor Ort entscheiden. 4 Meter unter mir ist letztes Jahr mal ne morsche Fichte zusammengebrochen ... glücklicherweise stand nebenan noch nen gesunder Baum, in dem ich mich gesichert hatte, so daß es bei einem gehörigen Schreck und ein paar Kratzern und blauen Flecken geblieben ist, sonst hätte ich die aber auch nie beklettert.
Wenn man den als ganzes einfach unten absägen kann, ist hingegen keine Eile geboten.

Edith meint noch, daß Flechten einem Baum nicht schaden, aber Flechten nur dort wachsen, wo wenig Bewegung stattfindet. Das Dickenwachstum der Bäume ist Flechten meist schon zuviel Bewegung. Dem Baum geht es also schon länger schlecht.
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Budriel
Beiträge: 3
Registriert: 12 Jul 2015, 21:23

Beitrag von Budriel »

Das ist dann eindeutig. Ich werde den Baum dann fällen.
Vielen Dank an alle!!

Lieben Gruß und schönes Wochenende!
Budriel

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