Pfirsich-Problem

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AndreasG.
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Pfirsich-Problem

Beitrag von AndreasG. » 23 Apr 2015, 15:33

Kann mir mal jemand einen Tipp geben, wie ich diesen Baum etwas kompakter bekomme?
Bis vor zwei Jahren war das Bäumchen total beschattet von einer mächtigen Thuja. Dadurch ist der Baum irgendwie Richtung Licht gewachsen und hat diese komische Form gebildet.
Ich habe ihn bereits zurückgeschnitten, aber er treibt nur oben an den Astspitzen neu aus. Ein weiterer dieser viel zu langen und verwachsenen Äste ist abgestorben. Weiter unten erfolgt kein Austrieb. Bei anderen Obstbäumen treiben nach einem Rückschnitt sämtliche schlafenden Augen aus, hier aber nicht.
Er leidet auch stark unter der Kräuselkrankheit.

Ist da noch was zu machen?
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Dioscorea
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Beitrag von Dioscorea » 24 Apr 2015, 00:16

Ich habe auch so einen Pfirsich im Garten. Der sieht bald genau so aus.
(gleiche Grösse, Wachstum fast horizontal)
Ich habe ihn eine Stütze gegeben, traue mich nicht radikal zu reduzieren und freue mich auf 2-3 Pfirsiche im Herbst.
Das funktioniert aber nur, wenn ich die frischen Blattaustriebe mit einer Schwefelemulsion bestreiche um die Kräuselkrankheit zu verhindern.
Mache ich auch bei einer Nektarine.
Bei beiden kräuselt dann nix mehr.( ehrlicher, fast nix mehr)
Fockea

Spinnich
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Pfirsich-Problem

Beitrag von Spinnich » 24 Apr 2015, 01:39

Hallo Andreas,

Lass dem Bäumchen zeit mal auf die Füße zu kommen. Wenn Du möchtest kannst du mit einem Pfahl eine Stütze geben, aber bei dem schwachbrüstigen Bäumchen würde ich nicht schneiden, solange nicht wirklich kräftiges Wachstum einsetzt.
Da die störende Ursache entfallen ist, besteht ja durchaus Hoffnung.
Kräuselkrankheit: bei so kleinen Bäumchen kann man beim 2-ten Durchtrieb die wenigen kranken Blätter aus dem ersten Austrieb mechanisch entfernen, die nachfolgenden entwickeln sich dann meistens normal.
An der Idealform kannst Du erst basteln, wenn mehr Vitalität und Reserven in dem Bäumchen sind, dann erst kommen auch größere Rückschnitte (Frühsommer) in Frage.

Gruß Spinnich :)
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 24 Apr 2015, 06:38

Ich dachte, der würde bereits im ersten Jahr nach der Fällung des Schattenspenders loslegen. Geblüht hat er zwar, aber Pfirsiche gab es keine.
Aber die Kräuselkrankheit befällt ihn schon richtig heftig.
Da muss ich wohl wirklich mal ein Präparat dagegen einsetzen.
Letztes Jahr hatte ich sie sogar am Kirschbaum.

Wenn ich das richtig verstehe, dieses Jahr noch nichts machen, außer kranke Blätter entfernen?

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 24 Apr 2015, 11:53

So habe ich es auch verstanden :).

Ansonsten hat der Baum doch sehr kräftige Neutriebe gemacht, das ist guter, kräftiger Zuwachs, was ich da sehe.

Wenn man seine Pfirsiche/ Nektarinen behalten will, kommt man um Mittelchen gegen den Blattkräusel inzwischen kaum noch herum, außer man wohnt in hiesigen semi- ariden Wärmeinseln wie Berlin oder dem Oderland mit zur Infektionszeit (Spätwinter/ frühes Frühjahr) zwar auch kühlen Temperaturen, aber nur um die 500- 600 mm Jahresniederschlag.

Spinnich's Tipps sind super.
Lasse ihn mal bei etwas Behandlung und Unter- Stützung noch zwei- drei Jahre. Vielleicht entwickelt er bei mehr Reserven dann schon selber zentraler am Stamm gelegene Neutriebe, oder Du kannst dann beginnen, vorsichtshalber erst mal nur den weniger entwickelten Ast einzukürzen :).

PS: Bei Kirschen hängt das in der Regel mit Läusebefall zusammen (manchmal auch bei Pfirsichen).
Einen derart befallenen Pfirsich im Garten von Baumschnitt- Kundschaft habe ich dreimal im Jahr mit einem kräftigen Wasserstrahl aus dem Schlauch von unten durchgespült. Das hat zwar einige Blätter ab- und viele eingerissen, half aber gut. Bei den größeren Kirschbäumen wird es damit zwar freilich schwieriger, wäre aber sicher auch einen Versuch wert, zumindest bei jüngeren Bäumen.

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 24 Apr 2015, 12:21

Mehr als 600 mm Jahresniederschlag haben wir hier auch nicht und letztes Jahr hat es im Frühjahr monatelang kaum geregnet und es war überdurchschnittlich warm. Trotzdem starker Befall.
Es gibt wohl auch resistente Pfirsich-Sorten.
Eigentlich sind Pfirsiche sowieso nicht mein Ding, aber ich habe ihn so vorgefunden und erst mal darf er bleiben. Ein bisschen habe ich auch gedüngt und er bekommt jährlich einen ordentlichen Schluck Brennesseljauche.

Andere Obstbäume, die wegen zu starker Beschattung ähnlich verwachsen waren, trieben nach dem Fällen der vielen Nadelbäume aus allen Knopflöchern, wie man so schön sagt. Da konnte ich die alte Krone, die völlig krumm und schief war, entfernen und baue nun behutsam neu auf. Das funktioniert, dauert halt seine Zeit.

Einen ähnlichen Ast habe ich bereits entfernt, allerdings erst, nachdem er von selbst abgestorben war. Der Stummel ist noch sichtbar.
Die zwei verbliebenen Äste waren noch länger und ich musste sie einkürzen, weil der ganze Baum wackelte und bei jedem Luftzug schwankte. Da musste ich den Stamm und die Wurzeln entlasten.
Da habe ich nach dem Rückschnitt den sogenannten Gummifluß entdeckt, laut Google kein besonders gutes Zeichen.

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 24 Apr 2015, 13:27

Mehr als 600 mm Jahresniederschlag haben wir hier auch nicht und letztes Jahr hat es im Frühjahr monatelang kaum geregnet und es war überdurchschnittlich warm. Trotzdem starker Befall.
Damit ist die gängige Lehrmeinung zur Entwicklung des Kräusels wohl hinfällig, Mist :(.

Dann würde ich mal sagen, naja: Wenn Pfirsiche eh nicht Dein Ding sind und der nur rummurkst, dann mach' en doch ab und pflanze was einträglicheres da hin... Zum Beispiel so eine S. triandra 'Semperflorens', die Deinen Bienen gute Spätsommertracht bringt- dürfte wesentlich sinnvoller für Dich sein als so ein krückiger Pfirsich, der denn doch nur rumsteht und kein Obst bringt, das Du nicht mal besonders magst...

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 24 Apr 2015, 13:59

Erst mal warte ich noch. Vorletztes Jahr nach der "Befreiungsaktion" gab es zwei Pfirsiche, die ganz ordentlich im Geschmack waren. Die handelsüblichen werden ja vor der Vollreife geerntet, damit sie transportfähig sind.
Nicht, dass Pfirsiche nun mein Lieblingsobst werden, aber reif geerntet schmecken sie doch etwas besser. :mrgreen:

Dieses Jahr warte ich mal, ob es eine überhaupt eine Ernte gibt und entscheide dann. Ein Birnbaum im Garten wäre auch nicht schlecht.

Buck
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Beitrag von Buck » 24 Apr 2015, 15:04

es ist mir unverständlich, warum immer noch Pfirsich-Sorten gepflanzt werden, die anfällig für die Kräuselkrankheit sind. Es gibt einige Sorten, die dagegen hinreichend tolerant sind, zB die wirklich wohlschmeckende und früh reifende REVITA.
Zum Schnitt: Es ist wichtig, bei Pfirsich (und Aprikose, Mandel und Nektarine) die Krone nahe am Baum zu halten, sonst kommt es zum Schleuderwuchs, wie man ja schön auf dem Bild sieht. Pfirsische werden meist nicht richtig geschnitten - es muss jährlich falsches Fruchtholz entfernt werden, und nach der Ernte werden die Neuaustriebe mit dem Daumen oder Messer um die Hälfte pinziert (abgeknipst), um eine Verzweigung zu erzwingen. Wenn man das macht, hat man kompakte Bäume und gute Erträge. Ein starker Rückschnitt (wie man es vom Apfel kennt) ist beim Pfirsich in der Regel nicht erfolgreich, da sie nur sehr unwillig aus altem Holz neu austreiben.

Diese Schnittregel gilt im Übrigen auch für Zier-Pfirsichsorten, von denen es ja auch viele schöne Sorten gibt.
Schöne Grüße,
Buck

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 24 Apr 2015, 17:15

Das heißt dann wohl, ich bekomme diesen Baum nicht mehr kompakt?

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 10 Sep 2015, 20:35

Weiß jemand, ob Pfirsiche alternierend sind?
Ich habe heute von der oben abgebildeten Krücke 15 Früchte geerntet, ein paar lagen bereits am Boden und waren angefault, also insgesamt 20 Stück.
Allerdings sind sie relativ sauer, verglichen mit vorletztem Jahr.
Kann ich nächstes Jahr wieder mit Blüten rechnen?

Spinnich
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Pfirsich alternierend ?

Beitrag von Spinnich » 11 Sep 2015, 00:16

Hallo Andreas,

ich würde aus eigener Erfahrung sagen, dass Pfirsich deutlich schwächer alternierend ist, als zum Beispiel Apfel.
Wenn man den Baum aber mal extrem ausschneidet, weil er zu wild gewachsen ist und hoher Windbruchgefahr ausgesetzt war, dann gibt es schon mal ein recht schwaches Erntejahr.
Bei meinem Baum war das aber schon mal erforderlich, weil dieser beim Sturm vollbehangen mehrere starke Äste eingebüßt hatte und dann wild wucherte.
Mittlerweile ist er aber wieder auf Kurs und hat sich aus dem verbliebenen Altholz völlig erneuert.
Spätfröste in die Blüte haben dagegen in den letzten 2 Jahren zu sehr niedriger Ernte geführt, nach dem Rückschnitt war die Krone auch dazu noch recht locker und dem Frost stärker ausgesetzt.
In diesem Jahr musste ich aber wieder die Äste wegen der Last der Früchte abstützen. Habe heute von dem Baum 3/4 abgeerntet, weil jetzt doch schon stärkerer Fruchtfall gegeben war und ich nächste Woche im Urlaub weile. Der Baum ist recht spät reifend, eine wilde Sämlingspflanze und wird kaum ernsthaft von Kräuselkrankheit geschädigt, eher ist die regionale Trockenheit ein Thema, hat dennoch ansehnliche bis große sehr aromatische Früchte, nicht mehlig wie viele Handelssorten und länger lagerfähig.
Habe heute schon einige Eimerchen in der Nachbarschaft verteilt.

Wenn die Früchte abfallen, sollte man mal durchpflücken, aber nur was leicht abgeht.
Selbst grünliche Früchte können süß schmecken. Was noch zu hart ist, bleibt eben ein paar Tage zum Nachreifen liegen, allemal besser, als am Boden zu verfaulen.

20 Früchte für so einen Stecken sind auch erstmal i.O.
An einem Apfel-Heister von 1,5 m mit 2-3 Trieben erwartet man ja auch noch keinen Zentner an Äpfeln.

Lass dem Bäumchen noch etwas Zeit.
Wenn in 3-5 Jahren kein vernünftiger Ertrag versprechender Baum daraus wird, kannste immer noch die Reißleine ziehen.

viel Erfolg wünscht Spinnich :roll:
Das Talent der Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch ihr Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
- Georg Christoph Lichtenberg -

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 11 Sep 2015, 10:35

Also kann man doch Austrieb am Altholz anregen, indem man zurückschneidet?

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 11 Sep 2015, 17:14

Das sollte eigentlich gut klappen.
Nimm' vielleicht erstmal den rechten, ausladenden Zweig etwa halb ab und schau', wie der Baum reagiert.

Wie kann ich übrigens fruchtende Pfirsiche vermehren (vegetativ)?
Meine Frau und ich sind letztes Wochenende auf einer Pilztour ein paar Orte weiter doch tatsächlich an einem wild gewachsenen Pfirsich an einer Waldwiese vorbei gekommen, der nicht ein einziges gekräuseltes Blatt hatte :shock: ! Hatte auch Frucht, wenn auch eher klein, die aber noch nicht reif war, und das Laub sah sehr vollständig aus, also nicht so nach Kräuselbefall noch eilig nachgetrieben...

Auf jeden Fall dachte ich "Alter, ein Pfirsich im Westerwald OHNE Kräuselkrankheit- den musst Du Dir vermehren!!!" Hättet Ihr Tipps zur vegetativen Pfirsich- Vermehrung ^^?

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 11 Sep 2015, 18:24

Ich hatte bei obigen Baum nur geringen Befall mit Kräuselkrankheit. Letztes Jahr war es schlimmer. Deshalb ist das keine Garantie, dass der Baum immer symptomfrei bleiben wird.

Aber Pfirsiche vererben ihre Eigenschaft besser als z.B. Äpfel. Wenn es wirklich eine restistente Zufallssorte sein sollte, kannst du eine Vermehrung per Samen versuchen. Allerdings sollte es dann auch eine einigermaßen schmackhafte Sorte sein. Bringt ja nicht viel, wenn die Früchte total sauer sind.

Für dieses Jahr ist es aber zu spät mit dem Rückschnitt, oder?

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