Biber zurück in der Zivilisation

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Gabi Paubandt
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Biber zurück in der Zivilisation

Beitrag von Gabi Paubandt » 01 Mär 2015, 21:27

Bei einem Besuch im Kurpark in Bad Nauheim konnte ich mich von den Werken des wiedergekehrten Bibers überzeugen. Neben maltretierten Weidenbüschen hat er sich auch an relativ großen Bäumen vergangen. Man hat daher schon einige Bäume um den großen Teich mit Maschendraht umwickelt.
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baumlaeufer
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Beitrag von baumlaeufer » 01 Mär 2015, 23:05

daß sich der Biber an so dicken Stämmen " vergreift", wundert mich.
Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt (Khalil Gibran)
www.na-tour-denkmal.de

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LCV
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Beitrag von LCV » 02 Mär 2015, 08:31

Wieso? Der Biber ist da sehr geschickt und kann einen Baum genau in der gewünschten Richtung ins Wasser fallen lassen. Dann baut er mit Hilfe dieses Stammes einen Damm. Bei uns gibt es auch wieder Biber. Sogar ein spezielles Verkehrsschild wurde angefertigt.
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Hilmar
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Beitrag von Hilmar » 02 Mär 2015, 08:51

Im Umland der Stadt Ulm sind zum Teil beachtliche Schäden durch den Biber entstanden. Jüngere Erlenbestände wurden flächig abgenagt. Bei älteren Bäumen, wie bei dieser Pappel, dauert das "Zerstörungswerk" etwas länger.

Gruß Hilmar

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AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 02 Mär 2015, 10:18

Zerstörungen?
In einem (mehr oder weniger) ungestörten Auwald nützt der Biber eher, denn durch seine Tätigkeit wird die biologische Vielfalt erhöht. Aber wo gibt es noch ungestörte Auwälder?

Aber dort, wo er Probleme verursacht, gibt es meistens ein Bibermanagment, das für Ausgleich sorgt.

Hat der wirklich großflächig Erlen umgelegt? Ich dachte immer, Erlen schmecken denen nicht.

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LCV
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Beitrag von LCV » 02 Mär 2015, 10:40

Das Umlegen von Bäumen dient ja in erster Linie dem Bau der Dämme. Wie man gestern in einem Bericht über die Elbe zwischen der Quelle und Dresden sehen konnte, hat man dort auch wieder Biber angesiedelt. Dort sind die Wälder noch (oder wieder) in Ordnung. Da nun große Gebiete als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, gibt es auch wieder zahlreiche Fischotter. Die waren in der Region auch schon verschwunden. Umweltverschmutzung und Jagd hatten viele Tiere nahezu ausgerottet.

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 02 Mär 2015, 13:30

Hy!

Nicht ganz richtig...
Biber bauen Dämme nur in schnell fließenden und nicht ausreichend tiefen Gewässern, hierzulande bleibt der Dammbau also meistens aus.

Bäume legen die ganz einfach darum um, weil sie sich von der Rinde der Zweige und den Knospen sowie den jungen Zweigen selbst ernähren. Äste geeigneter Stärke werden dann abgelängt und zum Burgbau verwendet, die dicken Stämme bleiben liegen.

biloba
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Beitrag von biloba » 02 Mär 2015, 16:53

Hallo Andreas,
Kiefer hat geschrieben:Biber bauen Dämme nur in schnell fließenden und nicht ausreichend tiefen Gewässern, hierzulande bleibt der Dammbau also meistens aus.
richtig ist, dass es Biber bisher unterlassen haben, die Elbe aufzustauen.

Aber ich habe schon eine Fernsehdoku gesehen, in der die Biber in den Masuren und im Baltikum, wo nur langsame Fließe zu finden waren, Burgen gebaut haben.



Nun, man kann die Rückkehr der Biber gut finden oder weniger gut. Kommt wahrscheinlich immer drauf an, ob das eigene Eigentum tangiert wird. Das ist nicht anders, wie wir das kürzlich in Sachen Maulwurf diskutiert haben.



Grüße!

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Beitrag von LCV » 02 Mär 2015, 17:01

Es kommt immer auf ein "gesundes" Gleichgewicht an. Begünstigt man die Wiederbesiedlung größerer Gebiete durch den Biber, ohne auch seine natürlichen Feinde wieder einzubürgern, dann kann das aus dem Ruder laufen. Die Frage ist, wer sind diese Feinde? Wölfe? Ich bin durchaus dafür, dass man auch die Wölfe wieder stärker ansiedelt. Es gibt ja schon einige Projekte. Ich habe keine Angst vor denen. Bei dem Nahrungsangebot besteht keine Gefahr wie in Sibirien oder Alaska. Wenn dann ein paar weniger Horden schreiender Kinder durch den Wald rennen, tut das auch den anderen Tieren gut.

Hilmar
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Beitrag von Hilmar » 02 Mär 2015, 17:23

Nichts gegen Biber in einem mehr oder weniger intakten Auwald oder abseits von Siedlungsgebieten und Verkehrswegen. Die Pappel stand jedoch in einem Gewerbegebiet, im Fallbereich eine Straße und eine technische Anlage zur Abwasserbeseitigung. Da hat der Begriff Zerstörung schon seine Berechtigung.
Einen Biberdamm habe ich nur an einem eher träge fließenden Bach vorgefunden. Dieser war jedoch zur Vermeidung von überschwemmten Weideland geöffnet. In Nähe dieses Dammes wurden von dem Biber geschätzte 100 lfm Erlenbestand beidseits sowie innerhalb eines weiteren Grabens restlos gefällt. Die Fläche habe ich nicht fotografiert. Die beigefügte Aufnahme stammt jedoch von dieser Stelle.

Gruß Hilmar
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Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 02 Mär 2015, 18:10

Hy!

Sicher, Biber in Städten können kritisch sein, andererseits: In Berlin gibt es auch nicht so wenige Biber, einer davon hat seine Burg auf dem Gelände der ehemaligen Villa Borsig am Tegeler See, in der heute irgendwas vom Auswärtigen Amt drin ist. Der legt nur kleines Gestrüpp um, und es ist ja nicht etwa so, dass Erlen, Weiden oder Pappeln langsamwüchsig wären- sind viel eher schnellstwachsende Pioniergehölze und somit zu verschmerzen, wenn der Biber sie auffuttert.
Alles halb so wild, und Privatleute, denen der Biber zB Apfelbäume umlegte, werden zumindest vom Berliner NABU entschädigt mit etwa einem neuen Apfelbaum oder Geldersatz (wie am Tegeler Fließ in Waidmannslust geschehen).

Frank: Es gibt kein einziges Projekt der Wolfsansiedlung (im Gegensatz zu Luchs und Wildkatze), die kommen von ganz alleine wieder. Und auch in Sibirien und Alaska besteht mehr Gefahr durch andere Tiere, wie in Alaska etwa durch Kojoten, die in den letzten Jahren ziemlich aufdrehen, was die Gefährlichkeit angeht und im Pack mit ausgeklügelter Strategie sogar große Hunde gemeinsam niedermachen.
Es sollen mal ruhig Horden von Kindern durch den Wald rennen, machen heute viel viel, viel zu wenige...

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Beitrag von LCV » 02 Mär 2015, 18:38

@ Andreas: Dass die Wölfe nicht extra ausgewildert wurden, weiß ich. Aber man fördert es und falls mal ein Schaf gerissen wird, gibt es Entschädigung. Und was die Horden von Kindern angeht, wäre es ja toll, wenn die sich für die Natur interessieren würden. Aber die können sich offenbar nur brüllend unterhalten, was bei den inzwischen sehr kleinen Rückzugsgebieten den Wildtieren ziemlichen Stress bereitet. Ich wäre eher für Führungen.

Kiefer
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Beitrag von Kiefer » 02 Mär 2015, 18:42

Wollte Dich nicht für doof halten, Frank, es gibt nur so völlig verschiedene Aussagen zum Wolf, je nachdem, wie man dazu steht, da wollte ich nur eben mal sagen, wie es ist- nichts für ungut ;)!

AndreasG.
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Beitrag von AndreasG. » 02 Mär 2015, 18:59

Neulich hat es ein Wolf sogar bis in die Tagesschau geschafft. Zwei Polizisten in Niedersachsen haben ihn gefilmt, als er neben ihrem Wagen her lief. Ohne allzuviel Angst, weil ein Auto wohl nicht als Bedrohung gesehen wird.
Am interessantesten sind die Kommentare auf der Internetseite des NDR; da wird dann gleich vor zerfleischten Kindern gewarnt usw.
Ich denke aber, die breite Mehrheit findet den Wolf gut und freut sich wegen seiner Rückkehr.

Buck
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Beitrag von Buck » 02 Mär 2015, 19:14

tja, die lieben Biber...

in einem Arboretum in den Belgischen Ardennen unweit der Luxemburger Grenze: massiver Schaden von Bibern an Sammlungsgehölzen, hier nur wenige Beispiele.
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Schöne Grüße,
Buck

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